Auch mehr als 48 Stunden nach Abflug der Fußballfans des FC?Barcelona bleibt unklar, was in der Nacht nach dem Champions-League-Finale gegen Juventus Turin auf dem Flughafen Schönefeld passiert ist. Hat es dort „chaotische Bedingungen“ in ungeeigneten Einrichtungen gegeben, wegen derer zahlreiche Personen „schwere Unannehmlichkeiten“ in Kauf nehmen mussten? Mussten behinderte Passagiere leiden? Gab es keine Lautsprecher-Durchsagen und Wasser nur zu Wucherpreisen?
Haben nur vier Busse für den Transport zu den Fliegern bereitgestanden, wodurch es zu langen Wartezeiten und Verspätungen gekommen ist? Kann es sein, dass sich auf Initiative der Spanier „kurzfristig herangeschaffte“ Busfahrer auf dem Flughafen nicht ausgekannt hätten?
All diese Vorwürfe, die Schönefeld und damit auch Berlin in ein denkbar schlechtes Licht rücken, hatte der FC?Barcelona am Sonntag in einer Mitteilung verbreitet. Oder sind die Vorwürfe alle haltlos? Das jedenfalls wiederholte die Flughafengesellschaft mantramäßig am Montag.
„Große Herausforderung“
Sicher ist, dass sich der Flughafen schon Wochen zuvor auf die Rückreise in der Nacht nach dem Spiel vorbereitet hatte. Von vornherein war klar, dass die 25.000 Fans beider Teams mit Sonderflügen über Schönefeld abgefertigt werden würden. Innerhalb von vier Tagen waren dort deshalb rund 370 zusätzliche Starts und Landungen abzuwickeln. Allein in der Nacht nach dem Spiel sollten rund 80 Starts und Landungen durchgeführt werden. Von einer „großen Herausforderung“ war die Rede.
Nach Worten von Flughafensprecher Lars Wagner sei in der Nacht zu Sonntag dann auch alles vertragsgemäß abgelaufen. Alle Fluggäste seien zwischen 0.30 und 6?Uhr von Schönefeld abgeflogen. Für den Transport der Passagiere von der Abfertigung zu den Maschinen hätten mindestens 25 Busse bereitgestanden. Zu den vermeintlich kurzfristig herangeschafften Busfahrern, sagte Wagner: „Das kann nicht zutreffen. Bei uns fährt keiner auf dem Vorfeld des Flughafens, der keinen Vorfeldführerschein hat.“ Man sei jedoch nicht verantwortlich dafür, wie die Fluggäste nach Schönefeld gekommen seien.
Ob es vielleicht dabei Schwierigkeiten gegeben hat, hätte die Berliner Zeitung gerne vom FC Barcelona erfahren. Jedoch blieb eine Bitte darum, die Vorwürfe zu wiederholen, zu präzisieren oder zurückzunehmen, nach einem ersten Kontakt unbeantwortet.
Problem Selchow?
So ließ sich nicht herausfinden, ob möglicherweise das zusätzlich genutzte Messegelände im westlich gelegenen Selchow den Ansprüchen nicht genügte. Diese Hallen waren angemietet worden, damit schneller abgefertigt werden konnte. Schließlich war eine Bedingung gewesen, dass die Fans der Teams räumlich getrennt würden.
Auch die Uefa als Veranstalter des Spiels und des Transports wird kritisiert. Der Reisekonzern Halcón Viajes warf dem europäischen Fußballverband eine „miserable Organisation“ der Rückflüge vor.
Am Sitz der Uefa im schweizerischen Nyon kennt man die Vorwürfe angeblich nur aus der Presse. „Bei uns ist keine offizielle Beschwerde eingegangen“, sagte eine Sprecherin des europäischen Fußballverbandes am Montag auf Anfrage. Man warte nun ebenso auf entsprechende Nachricht aus Barcelona, wie auf einen „Report“, einen Bericht, vom Flughafen Schönefeld. Was dort zu berichten sei, blieb offen.
Bei der Flughafengesellschaft hat man sich mit einem solchen Bericht noch gar nicht auseinandergesetzt. Sprecher Lars Wagner war ohnehin etwas anderes wichtig. Er wolle all den mehr als 100 Flughafen-Mitarbeitern, die am Wochenende zusätzlich im Dienst gewesen seien, ausdrücklich danken: „Sie haben Lob verdient, keinen Tadel. Es war ein sehr guter Job des Personals.“
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