Musiktheater

Mangel an Ehrgeiz: Die Staatsoper winkt Gounods „Roméo et Juliette“ durch

Fragwürdige Besetzung, triviale Inszenierung, pragmatische Expresshochzeit. Wofür muss Charles Gounod in Deutschland immer noch büßen?

Peter Uehling
Peter Uehling
5 Min
Liebesdrama im Kinderzimmer: Elsa Dreisig und Amitai Pati als das Titelpaar in „Roméo et Juliette“, für die Staatsoper Unter den Linden inszeniert von Mariame Clement.

Liebesdrama im Kinderzimmer: Elsa Dreisig und Amitai Pati als das Titelpaar in „Roméo et Juliette“, für die Staatsoper Unter den Linden inszeniert von Mariame Clement.

© Imago

Der Komponist Charles Gounod wurde in Deutschland lange eher missachtet als unterschätzt, weil er sich an zwei Nationalheiligtümern zu schaffen gemacht hat: Zum einen hat er über Bachs erstes Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“ eine Gesangsstimme komponiert und mit „Ave Maria“ provozierend konfessionsfremd textiert. Zum anderen hat er aus Goethes „Faust“ eine Oper gemacht, der man in Deutschland nur den Titel „Margarete“ zugestand, weil es vor allem um Liebe geht – als ob es in „Faust I“ wirklich um viel mehr ginge!

Ähnliche Reaktionen aus England sind angesichts seiner auf Shakespeare fußenden Oper „Roméo et Juliette“ nicht bekannt. Tatsächlich hat Gounod einige Jahre in England gelebt und hat sich gern mit der Komposition von dort beliebten Oratorien beschäftigt.

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