Im Juli reiste Gordan Grlić Radman als erster kroatischer Außenminister überhaupt nach Islamabad. Neben Handel, Verteidigung und Energie stand ein Punkt ausdrücklich auf der Tagesordnung, der aufhorchen lässt: legale Zugangswege für pakistanische Arbeitskräfte.
Warum verhandelt ein Land mit knapp vier Millionen Einwohnern an der Adria in einem mehr als 5000 Kilometer entfernten Staat mit über 240 Millionen Menschen über Arbeitsmobilität? Die Antwort ist so einfach wie folgenreich: Kroatien gehen die Menschen aus. Eine klassische Auswanderernation Europas, deren Gastarbeiter über Jahrzehnte deutsche Fabriken und Baustellen füllten, ist binnen weniger Jahre selbst zum Einwanderungsland geworden und vollzieht damit in einer Generation eine Verwandlung, für die Deutschland ein halbes Jahrhundert gebraucht hat.
Kroatien
Kann ein Land seine Demografie steuern? Kroatien probt den Ernstfall
Jahrzehntelang wanderten Kroaten zum Arbeiten nach Deutschland aus. Heute wirbt Zagreb selbst Arbeitskräfte in Südasien an. Doch eine langfristige Strategie fehlt.
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Kroatien setzt auf immer mehr Migration – vor allem aus dem südasiatischen Raum.
© Armin Durgut/imago