Kuba steckt seit Monaten in der tiefsten Wirtschafts- und Energiekrise seit den neunziger Jahren. Verschärfte US-Restriktionen und Washingtons Öl-Blockade haben die ohnehin geschwächte Insel zusätzlich unter Druck gesetzt. Nun erhöht die US-Regierung offenbar auch auf geheimdienstlicher Ebene den Einsatz gegen die Führung in Havanna.
Die CIA hat nach Informationen der New York Times heimlich eine spezielle Taskforce für Kuba eingerichtet. Sie soll zusätzliche finanzielle, personelle und technische Ressourcen bündeln und gezielt versuchen, Risse innerhalb der politischen Führung zu erzeugen.
Nach Angaben von Personen, die über die Pläne informiert wurden, holt die CIA dafür Führungsoffiziere, die Informanten anwerben und betreuen, Geheimdienstanalysten, Spezialisten für Cyberoperationen sowie Mitarbeiter für verdeckte Einflusskampagnen in die neue Einheit. Die CIA lehnte gegenüber der Zeitung eine Stellungnahme ab.
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CIA will Risse in Kubas Machtelite erzeugen
Das Mandat der neuen Einheit ist nach Informationen der New York Times zunächst begrenzt. Ziel sei es, Spannungen innerhalb der kubanischen Elite zu verstärken und Funktionäre zurückzudrängen, die Washington als besonders USA-feindlich betrachtet. Die Hoffnung bestehe darin, pragmatischere Kräfte zu stärken, die eher bereit wären, auf politische und wirtschaftliche Forderungen von Präsident Donald Trump einzugehen.
Für tödliche Operationen besitzt die Taskforce dem Bericht zufolge derzeit keine Befugnis. Anders als bei früheren CIA-Operationen verfügt sie auch nicht über eine organisierte kubanische Partnertruppe. Die Vollmachten solcher Einheiten können allerdings grundsätzlich vom US-Präsidenten verändert werden.
Die Gründung ist eine neue Stufe in einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung zwischen Washington und Havanna. Nach der kubanischen Revolution von 1959 setzten die USA auf Embargo, politische Isolation und verdeckte CIA-Operationen. Unter Barack Obama kam es zu einer Annäherung. Trump hat den Kurs gegenüber der kommunistischen Führung inzwischen wieder deutlich verschärft.
Kuba auf einer Stufe mit China, Russland und dem Iran
Wie hoch die Insel inzwischen auf der amerikanischen Prioritätenliste steht, zeigt eine weitere Entscheidung. Die Trump-Regierung hat Kuba laut New York Times im sogenannten National Intelligence Priorities Framework zur „Priority 1“ erklärt. In dieser höchsten Kategorie befinden sich dem Bericht zufolge auch China, Russland und der Iran.
Mehrere amerikanische Geheimdienste hätten daraufhin zusätzliche Aufklärungskapazitäten auf Kuba ausgerichtet. Dazu gehören die National Security Agency und die National Geospatial-Intelligence Agency. Auch Satelliten sollen verstärkt eingesetzt werden.
Die CIA-Taskforce soll die neu gewonnenen Informationen unter anderem nutzen, um Aktivitäten kubanischer Spitzenfunktionäre sowie geheime Geldströme und Geschäfte innerhalb und außerhalb der Insel zu verfolgen. Erkenntnisse könnten dem Bericht zufolge später auch gezielt veröffentlicht werden, um Druck auf die Führung und die öffentliche Meinung auszuüben.
Neue Geheimdienstdaten auch für mögliche Militäroptionen
Besonders brisant ist ein weiterer Zweck der verstärkten Aufklärung. Die neuen Informationen sollen dem US-Militär laut New York Times helfen, seine Optionen für eine mögliche militärische Aktion gegen Kuba zu aktualisieren, falls Trump diesen Weg wählen sollte.
Militärs und Geheimdienstvertreter hätten zuvor beklagt, dass ihre Informationen über kubanische Streitkräfte, Verteidigungsanlagen und Fähigkeiten teilweise veraltet seien. Von einer Entscheidung für einen Angriff ist allerdings keine Rede.
CIA-Direktor John Ratcliffe war bereits im Mai zu einem ungewöhnlichen Treffen nach Havanna gereist. Dort sprach er mit kubanischen Vertretern und Raúl Guillermo Rodríguez Castro, dem Enkel des früheren Staatschefs Raúl Castro. Ratcliffe machte nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter deutlich, dass Washington zu Gesprächen bereit sei, Kuba dafür aber grundlegende Veränderungen vornehmen müsse. Er verwies dabei ausdrücklich auf das Vorgehen der USA gegen Maduro in Venezuela.
Nach Informationen der New York Times warnte Ratcliffe die kubanische Seite zugleich, ihr laufe die Zeit davon. Sollte Havanna den Moment nicht nutzen, könne Kuba zum „nächsten Venezuela“ werden.
Seit 2024 gibt es auch wieder eine CIA-Vertretung an der US-Botschaft in Havanna. Während Trumps erster Amtszeit war sie geschlossen worden. Ihre Mitarbeiter könnten laut New York Times allerdings nur eingeschränkt arbeiten, weil sie nahezu ständig überwacht würden und ihre Bewegungsfreiheit begrenzt sei.
Nach Maduros Sturz verschärft sich Kubas Krise
Auf eine bereits geschwächte kubanische Wirtschaft trifft der neue geheimdienstliche Druck zu einem besonders schwierigen Zeitpunkt. Nach dem Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA am 3. Januar verlor Kuba eine seiner wichtigsten Quellen für vergünstigtes Öl. Venezuela war über Jahre der wichtigste Treibstofflieferant der Insel. Unter wachsendem Druck Washingtons stellte auch Mexiko seine Lieferungen ein.
Die Folgen verschärfen die seit Jahren bestehenden Probleme der kubanischen Energieversorgung. Viele Kraftwerke sind veraltet, Investitionen blieben aus und Treibstoff fehlt. Im Juli brach das nationale Stromnetz binnen neun Tagen dreimal zusammen. Anfang August folgte ein weiterer landesweiter Blackout. Reuters berichtet von Lebensmittel-, Treibstoff- und Medikamentenknappheit. Havanna macht die US-Sanktionen und Handelsbeschränkungen wesentlich für die Krise verantwortlich. Washington verweist auf wirtschaftliche Fehlentscheidungen und die mangelnden Investitionen der kubanischen Regierung.
Die Trump-Regierung setzt ihren wirtschaftlichen Druck derweil fort. Erst am Donnerstag verhängten die USA neue Sanktionen gegen sechs Kubaner und fünf Organisationen auf der Insel. Bereits zuvor hatte Washington seine Maßnahmen gegen Unternehmen und Institutionen ausgeweitet.
Die Belastungen sind inzwischen so groß, dass Havanna Teile seiner streng kontrollierten Wirtschaft für private und ausländische Unternehmen öffnet. Fast 200 kubanische Firmen erhielten zuletzt die Erlaubnis, Treibstoff zu importieren und zu vertreiben. Auch ausländische Investoren sollen erstmals stärker in den Energiemarkt einsteigen können.
Neue CIA-Taskforce erinnert an die Schweinebucht
Die neue Einheit besitzt zudem historische Brisanz. Bereits 1960 richtete die CIA eine spezielle Kuba-Taskforce ein. Deren Mitarbeiter beaufsichtigten Vorbereitungen für die von den USA unterstützte Invasion kubanischer Exilanten in der Schweinebucht im April 1961. Die Operation scheiterte innerhalb weniger Tage.
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