Mega-Blackout

Kuba im Dunkeln: Energiekrise spitzt sich zu – Öl aus Venezuela fehlt

Kuba versinkt erneut im Dunkeln. Versorgung kollabiert das zweite Mal in drei Monaten. Doch diesmal könnte die Krise heftige Folgen haben.

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Der jüngste Blackout betraf weite Teile des kubanischen Westens.

Der jüngste Blackout betraf weite Teile des kubanischen Westens.

© Ramon Espinosa/AP/dpa

Ein großflächiger Stromausfall hat am Mittwoch Millionen Menschen in Havanna und dem gesamten Westen Kubas in die Dunkelheit gestürzt. Es ist der zweite derartige Zusammenbruch innerhalb von nur drei Monaten – und ein weiteres Zeichen für die dramatische Energiekrise des Inselstaats.

Auslöser war laut dem staatlichen Radiosender Radio Rebelde ein Defekt im Thermoelektrizitätswerk Antonio Guiteras östlich von Havanna, einem der größten Kraftwerke des Landes. Der technische Direktor der Anlage, Román Pérez Castañeda, erklärte dem Sender zufolge, dass ein Rohrbruch im Kessel zu einem Wasseraustritt und einem anschließenden Brand geführt habe. Das Feuer sei ohne größere Schäden gelöscht worden, die Reparatur werde jedoch mindestens 72 Stunden in Anspruch nehmen.

Von Pinar del Rio bis Camaguey

Der staatliche Energieversorger teilte auf der Plattform X mit, dass der Ausfall das Gebiet von der westlichen Stadt Pinar del Río bis zur zentralen Stadt Camagüey betreffe. Energieminister Vicente de la O Levy schrieb am späten Mittwochabend auf X, dass die Regierung kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen in der betroffenen Region wieder mit Strom versorge, nachdem zwei Kraftwerke wieder ans Netz gegangen seien. „Wir arbeiten daran, das nationale Stromsystem inmitten einer komplexen Energielage wiederherzustellen“, so der Minister.

Bis zum späten Nachmittag war nach Regierungsangaben lediglich 2,5 Prozent Havannas – rund 21.100 Kunden – wieder mit Strom versorgt. Die Wiederherstellung verlaufe schrittweise und hänge von den Kapazitäten des Systems ab.

Alltag im Dunkeln: Kubaner improvisieren

Premierminister Manuel Marrero Cruz schrieb auf X, er vertraue auf die Erfahrung und den Einsatz der Elektrizitätsarbeiter, die Situation schnellstmöglich zu überwinden. Doch für die Bevölkerung bedeutete der Ausfall erneut massive Einschränkungen im Alltag.

Als die Nacht hereinbrach, versammelten sich Menschen in ganz Havanna vor ihren Haustüren und kochten auf Holz oder Holzkohle „Caldosas“ – eine traditionelle Suppe, zu der Nachbarn Gemüse, Hühnchen und Fleisch beisteuern. Musiker spielten an der berühmten Uferpromenade Malecón, andere spielten Domino im Licht aufladbarer Glühbirnen.

Die US-Botschaft in Havanna warnte die Bevölkerung auf X, sich auf „erhebliche Störungen“ einzustellen und Treibstoff, Wasser, Lebensmittel sowie Handyakkus zu schonen. „Kubas nationales Stromnetz ist zunehmend unzuverlässig, geplante und ungeplante Stromausfälle sind landesweit ein tägliches Phänomen“, hieß es.

Marode Infrastruktur und geopolitischer Druck

Die Ursachen der Krise sind vielschichtig. Kubas Behörden weisen darauf hin, dass einige der Thermoelektrizitätswerke seit über 30 Jahren in Betrieb sind und aufgrund der hohen Kosten kaum gewartet werden. US-Sanktionen verhinderten zudem den Kauf neuer Ausrüstung und spezialisierter Ersatzteile, erklären kubanische Regierungsvertreter.

Verschärft wird die Lage durch den Wegfall venezolanischer Öllieferungen. Nachdem die USA Anfang Januar gegen Venezuela vorgegangen waren, stoppten die für Kuba lebenswichtigen Erdöllieferungen aus dem südamerikanischen Land. Ende Januar drohte US-Präsident Donald Trump zudem mit Zöllen gegen jedes Land, das Kuba mit Öl beliefern würde.

Treibstoff wurde reglementiert

Bereits im vergangenen Monat hatte die kubanische Regierung strikte Sparmaßnahmen beim Treibstoffverbrauch eingeführt und angekündigt, dass an neun Flughäfen bis Mitte März kein Kerosin verfügbar sein werde.

Erst Anfang Dezember hatte ein ähnlicher Ausfall den Westen Kubas fast zwölf Stunden lang lahmgelegt. Damals war laut Behörden ein Fehler in einer Übertragungsleitung zwischen zwei Kraftwerken die Ursache, der zu einer Überlastung und dem Zusammenbruch des westlichen Sektors des Energiesystems führte.

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