In Kuba gibt es gewiss noch ein paar drängendere Probleme. Aber bitteschön, wenigstens dieses eine hat die Regierung jetzt gelöst: Wer sich einen Neuwagen kaufen will, muss seit Freitag nicht mehr beim Transportministerium um eine spezielle Bescheinigung betteln, sondern kann einfach zu den vom Staat lizensierten Händlern gehen und ein Auto mitnehmen. Wenn er das nötige Geld dalässt, natürlich. Womit sich die Sache für die Allermeisten auch schon erledigt hat.
Dass die Neuregelung in den ausländischen Medien trotzdem so viel Aufmerksamkeit findet, beruht auf einem Missverständnis. Kuba und Autos – diese Kombination weckt Assoziationen: Wer jemals auf der Insel einen Urlaub verbrachte, erinnert sich gewiss an die Oldtimer aus den 50er-Jahren, an all die Chevrolets, Oldsmobiles, Buicks, die als Sammeltaxis durch Havanna rumpeln – oft mit Moskwitsch-Motoren aus den 70ern, die kaum weniger rußen als die Originalmotoren.
Um die Oldtimer aber dreht es sich diesmal überhaupt nicht. Auch nicht um die Ladas und Polski Fiats, die in den Jahren des bescheidenen realsozialistischen Wohlstands zu Vorzugspreisen an Bestarbeiter, Ärzte und Führungskräfte verteilt wurden. Diese mittlerweile auch schon recht betagten Pkw dürfen immerhin seit zwei Jahren von ihren Besitzern frei verkauft werden. Bei der aktuellen Gesetzänderung geht es tatsächlich nur um importierte Neuwagen. Und um das Geschäft, das mit ihnen zu machen ist.
Von allen Autos dieser Kategorie, die im Jahr 2012 verkauft wurden, habe jedes dritte binnen weniger Monate wieder den Eigentümer gewechselt, berichtet die Regierung. Zu deutlich höheren Preisen, wie das bei Mangelware nun einmal so ist. So habe die staatliche Regulierung des Automarktes offenbar nicht nur der Bürokratie Vorschub geleistet – sie habe sich auch „in nicht wenigen Fällen in eine Quelle von Spekulation und Bereicherung“ verwandelt.
Diesen Schwarzmarktsumpf will die Regierung nun trockenlegen. Der Verkauf von Neuwagen werde fortan „zu marktüblichen Preisen“ erfolgen, heißt es in Havanna. In einem Staat, der seinen Bürgern für die Hälfte ihrer Lebensmittel fast nichts, für fast alles andere aber umso mehr berechnet, bedeutet das: Es wird richtig teuer. Die Zusatzeinnahmen würden eingesetzt, um den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern, verspricht die Regierung. Und der ist, anders als der Autoverkauf, ein wirkliches Problem.
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