KREUZBERG. Auf ihrem langen Weg durch die Institutionen sind die Befürworter einer Rudi-Dutschke-Straße ein Stück vorangekommen. Der Kulturausschuss im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat jetzt beschlossen, einen Teil der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umzubenennen. Die Verordneten von PDS, Grünen und SPD stimmten für den Antrag, die CDU dagegen. Vorgeschlagen wird ein Straßenabschnitt zwischen der Lindenstraße am Axel-Springer-Verlag und der Friedrichstraße am Checkpoint Charlie. "Wir sind unserem Ziel ein Stück näher gekommen", sagt Knut Mildner-Spindler, Fraktionsvorsitzender der PDS.Aus Anlass des 25. Todestages von Rudi Dutschke hatte die PDS im November 2004 eine Umbenennung der Kochstraße vorgeschlagen. Und damit eine heftige Debatte ausgelöst. Aber nicht nur aus politischer Sicht sind die Verordneten in eine Zwickmühle geraten: Denn im Bezirk gibt es einen 14 Jahre alten Beschluss, Straßen so lange nach Frauen zu benennen, bis eine Ausgewogenheit zwischen Männer- und Frauennamen herrscht. Sollte diese Entscheidung für Dutschke aufgegeben werden? Der Kulturausschuss hat sich dazu entschlossen. "Eine Ausnahme für Dutschke ist auf Grund seiner Rolle in der Gesellschaft angemessen", sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bernadette Kern. Die Entscheidung zu dem Namen wollen die Verordneten aber auch nicht von "oben fällen", sagt SPD-Fraktionschef Andy Hehmke. "Es wäre peinlich, gegen die Bürger zu stimmen." Deshalb soll bis Mai eine Informationsveranstaltung für Anwohner und Gewerbetreibende organisiert werden.Die CDU lehnt eine Umbenennung von Beginn an strikt ab. "Bei Dutschke fehlt der Bezug zu Kreuzberg", sagt Fraktionschef Dieter Dummin. Zudem sei Dutschke kein Demokrat gewesen. "Er hat versucht, mit Gewalt gegen den Staat vorzugehen."Nur einen Teil der Kochstraße umzubenennen, "diese Empfehlung ist lediglich eine Willensbekundung", sagt die Vorsitzende des Kulturausschusses, Dorit Lorenz (SPD). Wann eine endgültige Entscheidung fällt, ist unklar. Denn über den Straßennamen wird noch in drei weiteren Ausschüssen des Bezirksparlaments diskutiert. Ein langer Weg zur Rudi-Dutschke-Straße.------------------------------Antiautoritär // Sein Leben: 1940 geboren, verbrachte Rudi Dutschke seine Kindheit in Luckenwalde (Teltow-Fläming). Er begann 1961 an der FU ein Soziologie-Studium. Er organisierte ab 1966 Demos gegen das "Establishment" und wurde zum führenden Kopf des antiautoritären Lagers der Studenten.Das Attentat: Am 11. April 1968 wurde Dutschke von einem Arbeiter angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Dutschke setzte nach langem Klinikaufenthalt sein Studium fort. Am 24. Dezember 1979 starb er in Aarhus (Dänemark) an den Folgen des Attentats.------------------------------Foto: Der Studentenführer 1971 in Dänemark
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de