Debatte

Kulturstaatsminister vergleicht AfD-Diffamierungen gegen das Bauhaus mit Nazi-Verbrechen

Wolfram Weimer findet deutliche Worte für den Sachsen-Anhaltiner AfD-Politiker, der das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet hat.

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Wolfram Weimer spricht vor dem Deutschen Bundestag.

Wolfram Weimer spricht vor dem Deutschen Bundestag.

© Kay Nietfeld/dpa

Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer griff bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag mit deutlichen Worten die Einlassungen des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider zum Bauhaus an. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag von Sachsen‑Anhalt hatte im letzten Herbst eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bauhaus-Erbe gefordert und dessen Architektur als „historische Bausünden“ und „Einheitsbrei“ bezeichnet. Das Bauhaus, das im sachsen-anhaltinischen Dessau einen seiner zentralen Orte hat, sei ein „Irrweg der Moderne“.

Weimer skizzierte in seiner Rede die kulturpolitischen Vorhaben seines Hauses, bekannte sich unter anderem zur Förderung des Jüdischen Museums in Berlin, zum Engagement für den deutsch-französischen Kultursender Arte und die Deutsche Welle. Nachdem er auch auf medienpolitische Herausforderungen in Konkurrenz zu den Big-Tech-Konzernen aus China und den USA eingegangen war, kam er am Ende seiner Rede auf das Bauhaus zu sprechen.

Vor 100 Jahren habe der Architekt Walter Gropius das Symbol der Weißen Moderne geschaffen, so Weimer mit Blick zur AfD-Fraktion. „Wer heute in Sachsen-Anhalt ernsthaft das Bauhaus als einen ‚Irrweg der Moderne‘ diffamiert, der hat nicht bloß den Anschluss an die Moderne verpasst, sondern der verkennt eine großartige Leistung unserer Avantgarde und einen historischen Erfolg deutscher Kreativkultur.“ Das Bauhaus sei eine Weltmarke von Shanghai über Tel Aviv bis Chicago, so Weimer, bevor er solche Verunglimpfungen mit den Angriffen aus der Nazizeit verglich. „Wer das also attackiert, der knüpft direkt an die Verfolgung der Bauhausträger durch die NSDAP an, die Bauhausmeister wie Feininger, Kandinsky, Klee oder Schlemmer brutal verfolgte. Die Nazis diffamierten das Bauhaus als ‚entartet‘, kerkerten ihre Protagonisten ein, brachten sie um oder trieben sie, wie eben Gropius, ins Exil.“

Wer „aus dem Milieu der Herzlosen so gerne von deutschem Stolz“ rede, so Weimer, dem sage er, was deutschen Stolz auch ausmache: „Stolz auf unser Bauhaus zu sein. Darum wird mein Haus, das kulturelle Erbe des Bauhauses mit den Mitteln dieses Hauses in besonderer Weise pflegen und sichtbar machen.“

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