Serenissima

Biennale Venedig: Yael Bartana und Ersan Mondtag gestalten den deutschen Pavillon

Die Kuratorin Cagla Ilk und das ifa-Institut gaben am Dienstag die Namen bekannt. Zwei Berliner Künstler gestalten den deutschen Auftritt in Venedig.

Ingeborg Ruthe Ingeborg Ruthe/dpa
2 Min
Das Biennale-Spektakel schlechthin im Juni 1993: Unter dem Titel „Germania“ zerhackte der deutsche Konzeptkünstler Hans Haacke den Travertin-Boden des Deutschen Pavillons. 

Das Biennale-Spektakel schlechthin im Juni 1993: Unter dem Titel „Germania“ zerhackte der deutsche Konzeptkünstler Hans Haacke den Travertin-Boden des Deutschen Pavillons. 

© Schleep/dpa

In diesen verstörenden Zeiten weltweiter Konflikte, Krisen und Kriege soll der deutsche Kunstbeitrag zur Biennale Venedig – der 60. seit ihrer Gründung 1893 – den Umgang mit globalen „Schwellen, Stufen und Grenzen“ widerspiegeln. Das sagt Cagla Ilk, die Kuratorin des deutschen Pavillons. Es gehe um drängende Fragen: Wie sehen Orte des Zusammenhalts aus? Wie können wir das nationalstaatlich geprägte Denken und das entsprechende Raumkonstrukt verlassen? „Wenn es so etwas wie Hoffnung gibt“, meint die aus Istanbul stammende Ilk, „dann liegt sie im Überschreiten von Schwellen.“

Das Biennale-Publikum darf also gespannt sein, was die zwei Berliner Hauptakteure, die zeitweise auch in Amsterdam arbeitende Israelin Yael Bartana (53) und der Theaterregisseur Ersan Mondtag (36), aus dem Pavillon in den Giardini der Serenissima machen. Sie entwerfen gerade eine „Erzählung“ in drei Szenarien, Titel des Gesamtkunstwerks: „Thresholds“. Bartana will an der Schwelle einer als katastrophal empfundenen Gegenwart nach Möglichkeiten des Überlebens suchen, politische Blockaden lösen. Mondtag, dem Sinnlichen zugeneigt, möchte den monumentalen Charakter des im NS-Architekturstil erbauten Pavillons, dessen Travertin-Fußboden der Konzeptkünstler Hans Haacke 1993 in einem spektakulären „Vandalenakt“ zerhackte, weil darauf 1934 die Spießgesellen Hitler und Mussolini gestanden hatten, mit „einer fragmentarischen Erzählung“ kontern.

Ein drittes Szenario, so kündigt das zuständige ifa-Institut an, werde auf der Lagunen-Insel La Certosa stattfinden. Die Berliner Michael Akstaller, Nicole L’Huillier, Robert Lippok und Jan St. Werner wollen einen Natur-Resonanzraum bauen, der „der Monumentalität des Deutschen Pavillons“ entgegensteht und das Denken über Schwellen hebt.

La Biennale di Venezia, die Mutter aller Biennalen und neben der Documenta Kassel die wichtigste Plattform für zeitgenössische Kunst, beginnt am 20. April und läuft bis 24. November 2024.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de