Kunsthalle Luckenwalde: Klaus Merkel und Thomas Werner

Regenbogensehnsucht

Anita Wünschmann
3 Min

Ausstellungen sind gewiss nicht die Orte, an denen Künstler mit ihren Quantitäten wuchern sollten. Aber bleibt die Bezeichnung Ausstellung auch noch gültig, wenn maximal neun Bilder zweier Maler mit großflächigen Fensterfronten konkurrieren müssen und dann völlig verloren wirken? Es lohnt sich dennoch, ins märkische Luckenwalde zu fahren, um dort die schön restaurierte Kunsthalle aus Backstein und Glas zu erleben. Die spartanische Hängung und die minimalistische Kunst von Klaus Merkel und Thomas Werner brauchen offenbar theoriegewaltige Sätze. So heißt es im zweibändigen Katalog, beide Maler würden reflektieren "auf die Problematisierung des auratischen Einzelbildes durch die Entwicklung eines Werkzusammenhangs, der auf untereinander vernetzte Bildspeicher, modulhaft gehandhabte Textualität und fragmenthafte Prozessualität setzt". Der Satz erschlägt den Leser, aber es wird Innovatives angekündigt. Es geht um malerische Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Möglichkeit des Bildes, des medial produzierten wie des handwerklich gearbeiteten. Der konzeptuelle Ansatz gemalte Wahrnehmungstheorie zeigt sich in Luckenwalde allerdings berückend sinnlich: Intensive Farbschlieren, Ausdruck malerischen Gratwanderns zwischen Psychedelik und Kalkül, vermögen durchaus in ihren Bann zu ziehen, insofern sind die energetischen Arbeiten noch traditionell. Gleichzeitig erweisen sie sich als konstruierte, beliebig vertauschbare Module.Die Arbeiten von Merkel und Werner bedienen ungeachtet aller Theorielastigkeit die Regenbogensehnsucht der Computergeneration. Warum also haben die Ausstellungsmacher die Arbeiten an der Wand arrangiert wie in einer traditionellen Ausstellung, statt sie über Computer abrufbar zu installieren. Auf diese Weise nämlich könnten die Besucher mit diesen Bildern experimentieren, die Motive hin- und herklicken, das Spiel mit den Farben wäre wirksamer inspiriert. Thomas Werner, Jahrgang 1957, studierte bei Baselitz an der Kunstakademie in Karlsruhe und war als Gastprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach tätig. Er lässt in Bildern wie "Fremde Operation" und "Insert story" Farbschlingen, Farbzellen, Linien, Blumen rein, saftig-transparent und ornamentgleich aufleuchten. Sie gleiten über den Grund, gefangen von monochromen Bildrändern, docken in den Ecken an oder fließen breit von Orange über Zitrus zu Grün über die gesamte Fläche. Thomas Werner fügt ein Farbkleeblatt ein und offeriert damit sein Farbkonzept: Komplementäres erscheint nunmehr benachbart, Gelb avanciert gegenüber Rot zum dissonant-exotischen Kontrastpartner.Die Ahnen und wer wollte nicht schon immer Ahnenforschung betreiben sind unschwer auszumachen: Es ist die Kunst der Abstraktion von frühen Farbkonstruktionen bis zur Minimal Art; es sind Seherfahrungen, die die Werbeindustrie lehrte; das Buntlicht und die Zeichenvielfalt der Clubszene: Technoide Götterspeise mit Systemanspruch, deren "Werkkohärenz" auf der Ausbildung einer "Lexikalisierung" fußt, so steht es kompliziert, aber nichtssagend im Katalog. Noch stärker trifft das auf den Heidelberger Klaus Merkel zu, dessen Studium ebenfalls mit der Akademie in Karlsruhe verbunden ist und der seit 1997 an der École Nationale des Beaux Arts in Lyon lehrt. Allein auf sich selbst verweisende minimalistische, leicht variierte Farbformen stellen das überschaubare Zeichenreservoir des Bilderbaukastens dar. Darüber hinaus produziert sich Merkel als "Schamane", der energetische Wirbel und fraktale Gebilde erschafft, deren grün umwucherte Zentren zuweilen nichts weiter sind als Leerstellen. Luckenwalde, Kunsthalle Vierseithof, Am Herrenhaus 2, bis 19. 9. Mi Fr 16 21/Sa+So 13 18 Uhr.

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