Kunsthalle Potsdam

DDR-Platte gegen DDR-Kunst

Die geplante Kunsthalle von Software-Milliardär Plattner spaltet Potsdam. Die einen wollen einen Standort in bester Lage, andere wollen dort ein Hotel aus DDR-Zeiten halten. Nun melden sich in Potsdam wohnende Prominente zu Wort.

Gerold Büchner
6 Min
Nicht schön, aber prägend fürs Stadtbild: Das heutige Mercure, fertiggestellt 1969, war ein klassisches Hochhaus der DDR-Kette Interhotel.

Nicht schön, aber prägend fürs Stadtbild: Das heutige Mercure, fertiggestellt 1969, war ein klassisches Hochhaus der DDR-Kette Interhotel.

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Hasso Plattner - an Potsdam einen Narren gefressen

Hasso Plattner, Mitgründer und Aufsichtsratschef des Software-Konzerns SAP, wollte eigentlich etwas Gutes tun. Mitte April bot der gebürtige Berliner, der an Potsdam einen Narren gefressen und hier bereits das Landtagsschloss mitfinanziert hat, den Bau und Betrieb einer Kunsthalle an. Seine private Sammlung mit Werken aus der DDR sollte dort zu sehen sein, später auch Kunst der klassischen Moderne.

Das heutige Hotel Mercure in Potsdam war ein klassisch schlichtes DDR-Hochhaus, das von 1966 bis 1969 gebaut und von der Interhotel-Kette betrieben wurde.

Das heutige Hotel Mercure in Potsdam war ein klassisch schlichtes DDR-Hochhaus, das von 1966 bis 1969 gebaut und von der Interhotel-Kette betrieben wurde.

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Das stadtbildprägende 17-stöckige Haus steht mitten in der Innenstadt und überragt nicht nur die berühmte Nikolaikirche und wird von vielen Potsdamer als zu wuchtig empfunden.

Das stadtbildprägende 17-stöckige Haus steht mitten in der Innenstadt und überragt nicht nur die berühmte Nikolaikirche und wird von vielen Potsdamer als zu wuchtig empfunden.

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Das Hotel (oben links) stört derzeit die Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg zerstörten historischen Mitte der Brandenburger Landeshauptstadt.

Das Hotel (oben links) stört derzeit die Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg zerstörten historischen Mitte der Brandenburger Landeshauptstadt.

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Der als Gründer des Software-Unternehmens SAP reich gewordene Hasso Plattner wollte auf dem Standort des Mercure-Hotels eine Kunsthalle bauen, die der Milliardär der Stadt schenken will. Doch wegen Protesten geht er an einen anderen Standort am Stadtrand.

Der als Gründer des Software-Unternehmens SAP reich gewordene Hasso Plattner wollte auf dem Standort des Mercure-Hotels eine Kunsthalle bauen, die der Milliardär der Stadt schenken will. Doch wegen Protesten geht er an einen anderen Standort am Stadtrand.

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Das Stadtschloss soll 2013 fertig werden.

Das Stadtschloss soll 2013 fertig werden.

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Im Stadtschloss, in dem später der Brandenburger Landtag seinen Sitz findet, wird gerade der Nachbau der historischen Fassade, die ebenfalls Plattner spendiert hat, angebracht.

Im Stadtschloss, in dem später der Brandenburger Landtag seinen Sitz findet, wird gerade der Nachbau der historischen Fassade, die ebenfalls Plattner spendiert hat, angebracht.

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Das Alte Rathaus gehört ebenfalls zum historischen Ensemble der Preußenstadt, die am Ende des Zweiten Weltkriegs massiv bei Bombenangriffen zerstört wurde.

Das Alte Rathaus gehört ebenfalls zum historischen Ensemble der Preußenstadt, die am Ende des Zweiten Weltkriegs massiv bei Bombenangriffen zerstört wurde.

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In direkter Nähe der Nikolaikirche steht die Fachhochschule Potsdam. Ein DDR-Bau, den viele Kritiker der Stadtumgestaltung nach dem Krieg gern früher als später abgerissen sähen, damit er das neu entstehende alte Stadtbild nicht stört.

In direkter Nähe der Nikolaikirche steht die Fachhochschule Potsdam. Ein DDR-Bau, den viele Kritiker der Stadtumgestaltung nach dem Krieg gern früher als später abgerissen sähen, damit er das neu entstehende alte Stadtbild nicht stört.

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Der Lustgarten hinter dem Hotel Mercure – obwohl direkt am Stadtzentrum – ist eine große Beton-Brache, die nur selten zu Volksfesten genutzt wird.

Der Lustgarten hinter dem Hotel Mercure – obwohl direkt am Stadtzentrum – ist eine große Beton-Brache, die nur selten zu Volksfesten genutzt wird.

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Für jede Stadt ist so etwas wie ein Lotto-Jackpot, es hebt das Image und bringt zahlungskräftige Gäste. Potsdam fehlt es zudem an einem modernen Bau von Rang, der die historisierende Rekonstruktion des Zentrums auflockern und verhindern könnte, dass die Stadt zur preußischen Puppenstube wird.

Zweierlei Nostalgie

Statt aber die allgemeine Freude über das Geschenk umzusetzen in rasche Entscheidungen über Details, begann ein erbitterter Streit in der Stadtpolitik. Schon lange ist Potsdam gespalten in jene, die sich als Bewahrer eines diffusen DDR-Erbes aufführen, und den Befürwortern eines Bruchs mit dieser Epoche.

Dieser Bruch wird von vielen aber als Rückgriff auf noch weiter zurückliegende Traditionen Preußens verstanden. So stehen sich die Nostalgiker unversöhnlich gegenüber: Die gute alte Zeit von Honecker gegen die des Alten Fritz. Überlagert und verstärkt wird der Kulturkampf von Konflikten zwischen Alteingesessenen und Zuzüglern, Plattenbau- und Einfamilienhaus-Vierteln, Nord und Süd.

Betonkaste versperrt Blick

Zwischen diese Fronten geriet nun Mäzen Plattner. Ausgerechnet sein Versuch, dem Potsdamer Historikerstreit durch Flucht nach vorne in die Moderne zu entgehen, spitzte die Gegensätze zu. Denn an dem von Plattner bevorzugten Standort für die Kunsthalle, dem Lustgarten, steht ein Betonkasten und versperrt den Blick aus dem Plenarsaal des künftigen Landtags: 17 Stockwerke hoch, 43 Jahre alt, früher ein DDR-Interhotel, heute „Mercure Hotel City Potsdam“ mit vier Sternen und 210 Zimmern.

Nicht hässlicher als viele andere Hochhäuser in Ost und West, aber ohne jeden Reiz oder ästhetischen Wert. Die Stadtspitze will das Hotel schon lange abreißen lassen, hatte aber kein Geld, um den Eigentümer – der New Yorker Investmentfirma Blackstone – auszuzahlen.

Mit Plattners Plänen und Portemonnaie ergäbe sich die Chance, dachte man im Rathaus, nicht nur ein modernes Museum zu bekommen, sondern auch das ungeliebte Mercure zu entfernen. Eine Prüfung aller Standorte ergab, wie überraschend, dass der Platz des Hotels ideal sei für die Kunsthalle.

Ostalgiker gegen Mercure-Abriss

Inzwischen hatte sich aber das Gegenlager berappelt und sortiert. Angeführt wird es von Hans-Jürgen Scharfenberg, dem Fraktionschef der Linken im Stadtparlament. Der ehemalige SED-Apparatschik war Jann Jakobs bei zwei Wahlen zum Oberbürgermeister unterlegen, einmal denkbar knapp, und wartet unverdrossen auf seine große Chance in der Politik.

Längst munkelt man auch in der Linkspartei, Scharfenbergs Zeit sei vorüber. Da bot ihm die Kunsthallen-Debatte die Gelegenheit, Ostalgiker hinter sich zu sammeln. Scharfenberg ernannte sich zum Chefkritiker eines Mercure-Abrisses: Das Haus gehöre zum Potsdamer Stadtbild.

Mäzen Plattner reicht es

Schließlich reichte es Plattner. Nach leidvollen Erfahrungen mit dem Potsdamer Kulturkampf, der an Geschwätzigkeit und fehlender Finesse manchen Berliner Diskussionen kaum nachsteht, hatte der Mäzen gleich gewarnt: Er wolle sich keinesfalls gegen die Bürger stellen, „selbst wenn es eine Minderheit ist“.

Vorige Woche ließ er wissen, er werde nicht am Lustgarten bauen, sondern fernab vom Zentrum, auf einem früheren Kasernengelände am Jungfernsee, das ihm sowieso gehört. „Es ist nicht meine Aufgabe, die Probleme der Stadt Potsdam zu lösen“, sagte Plattner – ein Satz, der beiden Lagern gleichermaßen in den Ohren klingen sollte.

Letztes Wort noch nicht gesprochen

Angesprochen fühlen sich allerdings offenbar nur die Befürworter des Standorts Lustgarten, und vielleicht war eben das die heimliche Absicht Plattners. Jedenfalls machte er deutlich, dass „nichts entschieden“ sei, aber nur noch wenig Zeit. Bis zum 15. Juli kann er Blackstone das Mercure-Grundstück abkaufen.

Nun wird mobilisiert, um Plattner noch umzustimmen und die Kunsthalle für das Zentrum zu retten. Hinter dem breiten Bündnis stehen Lokalpolitiker von SPD, CDU, Grünen und FDP sowie viele Prominente: Julius Schoeps vom Mendelssohn-Zentrum, die Schriftstellerin Antje Ravic Strubel, Modedesigner Wolfgang Joop, TV-Moderator Günther Jauch, Filmemacher Andreas Dresen und der Architekturprofessor Ludger Brands setzen sich für die Kunsthalle ein.

Die berühmten Bewohner der brandenburgischen Landeshauptstadt wollten am Montagabend gemeinsam mit Bürgern und Politikern dafür demonstrieren, dass die Kunsthalle mitten in die Stadt kommt. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen in diesem skurrilen Kampf DDR-Platte gegen DDR-Kunst.

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