Kyle Russell will sich in der Champions League beweisen: Metamorphose des Mr. Muscle

Wie sich Kyle Russell, Diagonalangreifer der BR Volleys, in die Stammsechs gespielt hat

BLZ
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Klar, es gibt schlimmere Spitznamen. Ich mag meinen gerne“, sagt Kyle Russell. Bei den BR Volleys nennen sie den Diagonalangreifer seit voriger Saison Mr. Muscle. Der Statistiker fing damit an, Paul Carroll und Luke Perry machten weiter. Russells Bizeps ist gewaltig. Der Kalifornier zeigt seine Oberarmmuskeln gern, da war es logisch, dass auch die PR-Abteilung des deutschen Volleyball-Meisters Mr. Muscle als Marke übernahm. Zumal es ein praktisches Emoticon gibt, das einen Bizeps in Bodybuilderpose zeigt und jeden Hashtag garniert.

Russell gefällt diese Art von augenzwinkernder Vermarktungsstrategie, den Fans auch. So verspricht der 2,05-Meter-Mann, der gerade dabei ist, sich seinen markanten Schnauzbart wieder wachsen zu lassen: „Wir starten bei den BR Volleys bald neuen Mr.-Muscle-Spaß in den sozialen Medien.“

Muskeln alleine machen allerdings aus einem talentierten Volleyballer noch keinen Weltklassespieler. So passierte es Russell, 25, vor allem vorige Saison oft, dass seine Schmetterbälle irgendwohin flogen: ins Feld, ins Aus, ins Publikum. „Bei den jungen Amerikanern ist es in den ersten Auslandsjahren oft so, dass die Athletik überragt, die Technik aber leidet. Kyle hat sich verbessert“, sagt Manager Kaweh Niroomand. „Ihm fehlt es aber immer noch an einer sauberen Schlagtechnik und an Spielroutine auf einem höheren Niveau. Er kann allerdings die Chance, die er jetzt hat, nutzen.“

Zum Beispiel an diesem Mittwoch, wenn in der Champions League Polens Meister Skra Belchatow die Volleys beim dritten Gruppenspiel in der Max-Schmeling-Halle (20 Uhr) fordert.

In Diagonalangreifer Mariusz Wlazly, 35, hat Belchatow das, was Niroomand in Berlin in dieser Saison noch vermisst: einen Punktemacher mit Killerinstinkt. Wobei es den Anschein hat, als befinde sich Russell gerade in der Metamorphose. Bisher fehlt noch die Konstanz in seinen Aktionen. In der Ligapartie gegen Bühl überzeugte er mit 17 Punkten und hohem Aufschlagsniveau. Er wurde wertvollster Spieler, zum vierten Mal in diesem Saisonhalbjahr. Voriges Jahr bekam er in der gesamten Saison nur zwei Plaketten. Das zeigt die positive Tendenz.

Zuletzt ist er vom Einwechselspieler in die Stammsechs gerückt. Voriges Jahr blockierte der Australier Carroll, 32, diese Stelle. „Es war sein Platz. Ich habe ihn herausgefordert, soviel ich konnte, war aber mehr in der Position des Lernenden“, sagt Russell. Nun ist die Konstellation anders, Russell der ältere von zwei jungen Diagonalspielern – mit einem Auslandsjahr mehr Erfahrung.

Die Volleys-Achse Sebastian Kühner/Russell/Georg Klein funktionierte gegen Lüneburg, Rottenburg und Bühl. Ob diese Formation auch Belchatow in Bedrängnis bringen kann? „Wir haben sie in der Saisonvorbereitung in fünf Sätzen geschlagen“, sagt Russell. „Wenn wir mit der gleichen Einstellung wie gegen Bühl und auf konstant hohem Level spielen, unseren Aufschlagdruck halten und unsere Blockabwehr verbessern, haben wir eine Chance.“

Dass Russell die Chance mitgestaltet, liegt auch daran, dass Benjamin Patch, 24, der eigentlich auf der Diagonalposition als erster Mann geholt wurde, bislang zu wenig Durchschlagskraft entwickelt hat. „Für uns ist das nicht glücklich. Da hatten wir eine ganz andere Erwartung“, verdeutlicht Niroomand, „auch er arbeitet an seiner Technik.“

Russell hat damit vorige Saison bei Stelian Moculescu begonnen. Sie trafen sich oft zum Einzeltraining. Sie verkürzten den Anlauf, optimierten Russells Timing beim Absprung, übten das Blockanschlagen. „Vor allem haben wir an meinem Armschwung gearbeitet“, sagt Russell. „Moculescu war der Erste, der mir beigebracht hat, dass Geschwindigkeit wichtiger ist als Kraft. Es ist der Schlüssel zur Kraft.“ Das habe er beim Videostudium von Nationalspieler Georg Grozer erkannt.

„Kyle hatte seinen Ellbogen zu niedrig. Er hatte eine Art Windmühlenschlag. Das war Blödsinn“, erzählt Moculescu. Also trainierte Russell den Schlag wieder und wieder. „Er hat bei all dem nicht gefragt: warum, sondern: wie oft?“, sagt Berlins Meistertrainer der Vorsaison. Russell will vorankommen. Er setzt sich für seinen Klub ein. Auf dem Feld – und bei Produktion von neuen Mr.-Muscle-Ideen.

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