Herr Matur, warum gibt es regelmäßig Probleme, wenn deutsche auf türkische Fußballvereine treffen?Wir haben 1600 Spiele am Wochenende in Berlin. Da finde ich die Anzahl der Probleme eher gering. Aber natürlich spielt auch manchmal das soziale Umfeld mit hinein. Unzufriedene Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz haben, gesellschaftliche Probleme - und dann reicht ein Funke, und alles explodiert. Wir versuchen deshalb, darauf zu achten, dass auch in den türkischen Vereinen in Berlin möglichst viele ausgebildete Trainer an der Seitenlinie stehen, die die nötige soziale Kompetenz haben. Und wir bieten beim Fußball-Verband Schulungen an zum Thema Integration - auch für solche kritischen Situationen auf dem Platz.Erreichen Sie die Vereine mit türkischen Wurzeln?Viele kommen trotz Einladung einfach nicht, weil sie nicht verstehen, dass wir ihnen helfen wollen, hier besser klar zu kommen. Wir müssen ihnen hinterher telefonieren - aber auch das hilft nichts. Deshalb gehen wir immer öfter in die Vereine, um unser Anliegen vorzutragen.Das heißt, viele Clubs wollen sich nicht integrieren?Da existieren viele Ängste, die Sprachbarriere gibt es nach wie vor. In einigen Clubs wird nur Türkisch gesprochen, was nicht sein darf. Auch nicht, dass man offen demonstriert, dass man sich mehr zum Ursprungsland hingezogen fühlt. Die Benennung des Vereins nach der alten Heimat, mit Namen wie Samsunspor oder Trabzonspor, das ist schön und gut - aber trotzdem muss man sich öffnen. Leider haben wir türkische Vereine, die haben gar kein Interesse an Jugendarbeit, bieten auch nur Männerfußball an. Nur wenn sich schon die Kinder unterschiedlicher Kulturen auf dem Platz begegnen, entsteht Integration. In diesem Bereich haben viele türkische Vereine in Berlin großen Nachholbedarf. Manchmal müssen wir den Eltern zeigen: Seht her, es gibt zwei Kabinen - für Mädchen und Jungs, macht euch keine Sorgen! Türkiyemspor Berlin setzt seit fünf Jahren auf Mädchenfußball und hat großen Zulauf.Das Gespräch führte Matthias Wolf.------------------------------Foto: Mehmet Matur, Integrationsbeauftragter des Berliner Fußball-Verbands
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