Heulen, Hämmern, Brummen, Dröhnen, Knallen -die deutsche Sprache kennt viele Ausdrücke für unschöne Geräusche. Dass nicht nur der Presslufthammer krank macht, der mit 130 Dezibel auf der Baustelle rattert, haben im Oktober Schweizer Forscher vom Institut für Sozial- und Präventionsmedizin der Universität Bern herausgefunden. Ein dicker Kuss aufs Ohr wird nicht unbedingt als unangenehm empfunden, ist aber so laut wie ein startendes Flugzeug. Bereits ein Pegel von 60 Dezibel -das entspricht etwa der Lautstärke eines normalen Kneipengespräches -ist auf Dauer ungesund. Zum Vergleich: Schon ab einem Dezibel kann der Mensch ein Geräusch wahrnehmen, ein raschelndes Blatt bringt es auf zehn, Straßenverkehr auf 85.Vor allem die Probleme, die der nächtliche Fluglärm mit sich bringt, wurden erforscht. So lässt eine dauerhafte Beschallung den Blutdruck nach oben rasen und erhöht das Risiko von Migräne, Konzentrationsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dauernde Lärmbelastung führt zu Schlafstörungen, die wiederum andere Beeinträchtigungen mit sich bringt, nicht zuletzt eine verminderte Leistungsfähigkeit in der Schule oder am Arbeitsplatz. Das Problem liegt darin, dass man Lärm objektiv kaum beurteilen kann. Als physikalische Größe ist er zwar messbar, was dabei empfunden wird, jedoch nicht. Ganz nach dem Motto von Kurt Tucholsky: "Der eigene Hund macht keinen Lärm, er bellt nur." Warum erleben wir das Meeresrauschen als angenehm, obwohl es wesentlich lauter ist als ein tropfender Wasserhahn von nur wenigen Dezibel? Auch freut sich der Mensch normalerweise über das Konzert der Amseln -außer es ist früh am Morgen und er möchte noch schlafen. Dann stört bereits ein einzelner Vogel.Eine Stockholmer Studie kam kürzlich gar zu dem überraschenden Schluss, dass Lärm unkonzentrierten Schülern das Lernen erleichtert. Für den Versuch wurden 51 Schüler einem Geräusch ausgesetzt, das wie ein Radio ohne fest eingestellten Sender klang. Man vermutet, dass der gleichbleibende Geräuschpegel das Gehirn der konzentrationsschwachen Schüler allgemein aktiv hält. Möglicherweise hat der Lärmreiz nicht nur das Gehirn, sondern alle Sinne angesprochen, weshalb auch die Konzentration zunahm. Sollte sich herausstellen, dass die Theorie sich bewahrheitet, lassen sich darauf basierend neue Förderkonzepte für lernschwache Schüler entwickeln. Von Hause aus aufmerksame Schüler fühlten sich von der Beschallung hingegen gestört, deren Leistung fiel deutlich ab.Geräuschvolle FreudeLärm ist nicht nur Belästigung, man begrüßt ihn auch. Nicht nur, wenn der Mensch sich ärgert, wird er laut, sondern auch, wenn er sich freut. Er liebt die Knallerei zu Silvester, die Tröte im Stadion, das Wummern in der Disco oder das Hintergrundgedudel aus dem Radio. Krank macht das alles dennoch. Eine im August im Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie des Brigham and Women's Hospital in Boston hat ergeben, dass jeder fünfte Teenager in den USA schlecht hört. Das bedeutet eine Steigerung von 30 Prozent im Vergleich zu einer älteren Untersuchung in den 1990er-Jahren. Eine leichte Schwerhörigkeit hat den Forschern zufolge sogar um 50 Prozent zugenommen. Den genauen Ursachen sind die Wissenschaftler nicht auf die Schliche gekommen, vermutet wird aber der laute Musikkonsum der "Generation iPod". Sind die Sinneshaarzellen im Ohr erst einmal beschädigt, führt das zu einem irreparablen Hörverlust, der im Laufe der Jahre weiter zunimmt. Schon heute hören sieben von 100 Personen schlecht, nur jeder Fünfte von ihnen trägt ein Hörgerät. Dabei ist es eine wertvolle Hilfe im Alltag und schont das Gehör vor dem weiteren Verfall.Meistens lässt sich der Lärm, der uns umgibt, leider nicht abstellen. Oft registrieren wir ihn nicht einmal als besonders belastend. Schließlich haben wir uns an die tägliche Geräuschsuppe aus Verkehrslärm, dem Fiepen des Faxgerätes und dem Dudeln des Radios gewöhnt. Umso wichtiger ist es, sich gelegentlich zurückzuziehen und nach Inseln der Ruhe zu suchen, um den Ohren mal eine Pause zu verschaffen -und Radio und Fernsehgerät einfach mal abzuschalten.------------------------------Foto: Nicht immer unangenehm, dennoch laut: spielende Kinder, Posaunenklänge und Presslufthammer.
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