Die Torte sagte eigentlich fast alles über diese Partei in diesem Land. Ein mächtiges viereckiges Stück Zucker in CDU-Orange, das aussah wie eine Häkeldecke von Oma. Damit feierte die Brandenburger CDU den größten Erfolg ihrer bisherigen Geschichte. Die Konservativen hatten bei der Bundestagswahl im Herbst zum allerersten Mal seit 1990 bei einer Wahl in Brandenburg die SPD überholt. Doch statt selbstbewusst „Hurra, wir sind endlich wer“ auf die Torte zu schreiben, stand da: „Wir bleiben Kanzlerin.“ Hinter der Torte hatte sich die Fraktionsführung versammelt. Michael Schierack stand noch am Rand. Er war zwar bereits seit fast einem Jahr Parteichef, aber er hatte diese Wahl für die CDU nicht gewonnen. Das war allein das Verdienst von Angela Merkel. Deshalb der Dank auf der Torte. Das ist nun anders.
Schierack ist nun quasi in die Mitte des Bildes gerückt: Der 47-Jährige ist nun die Brandenburger Troika in einer Person: Parteichef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September war er schon. Am Dienstag schlug nun der bisherige Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski vor, dass er auch dieses Amt übernehmen solle. Dafür räumte Dombrowski seinen Posten. Nächste Woche wird gewählt. Dann ist Schierack der absolute Herrscher der CDU, und muss beweisen, dass er Wahlen auch ohne Merkel-Bonus gewinnen kann.
Die Voraussetzungen sind für den Arzt und Honorarprofessor aus dem südbrandenburgischen Forst eigentlich gar nicht so schlecht. Er sieht gut aus und ist eloquent. Er ist ein Teamplayer und kein Egomane. Ein freundlicher Mann, verheiratet, zwei Kinder, der sich selbst eine optimistische Grundstimmung bescheinigt, der sich aber im politischen Tagesgeschäft etwas härter geben muss, als er eigentlich ist.
Unter seiner Herrschaft ist es sogar gelungen, das schlechte Image seines Landesverbandes – der von nicht wenigen als der schlechteste der Republik angesehen wird – deutlich zu verbessern. Die Partei war in Brandenburg in der Vergangenheit vor allem eines: zerstritten, besonders die Führung. Seine Vorgängerin, die erzkonservative Saskia Ludwig, liebäugelte mit Rechtsaußen und wurde weggeputscht. Nun tritt die CDU geeint auf. Schierack ist inzwischen die Nummer 12 sowohl bei den Partei- also auch bei den Fraktionschefs seit 1990. Er will es auch nach der Wahl bleiben.
Aber er hat ein Problem: Er ist so gut wie unbekannt. Das soll sich nun ändern, da alle nur noch mit ihm, dem Alles-Chef, sprechen werden. Sein Ziel: „Wir setzen natürlich auf Sieg. Aber als Minimalziel wollen wir zweitstärkste Kraft werden.“ Er weiß, dass die CDU kaum Chancen hat, die SPD vom Thron zu verjagen. Aber sie will die Linke überholen – und die ist gerade etwas angeschlagen. Erst musste der Justizminister zurücktreten, nun fordert die CDU seit Wochen den Rücktritt des Wirtschaftsministers. Alles auch Teil des Wahlkampfs.
In der CDU hängt es nun an Schierack, dem Marathon-Mann, der sechs solcher Läufe geschafft hat. „Es gibt Parallelen zur Politik“, sagt er. „Ein Marathon will gut vorbereitet sein und wird von hinten gedacht.“
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