Der niederländische Lastenradhersteller Babboe steht wegen gravierender Sicherheitsmängel seiner Fahrzeuge weiterhin im Fokus der zuständigen Behörde für Verbrauchsgütersicherheit NVWA. Nachdem diese Babboe bereits im Februar den Verkauf von acht seiner Modelle aufgrund von Sicherheitsmängeln untersagt hatte, leitete die NVWA nun auch eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Hersteller ein, wie die Behörde der Berliner Zeitung bestätigte. Demnach soll geprüft werden, ob Babboe fahrlässig gehandelt habe. Die niederländischen Warenprüfer hatten festgestellt, dass Rahmen verschiedener Babboe-Lastenräder brechen und in der Folge etwa Kinder aus der Box fallen könnten.
Babboe hatte darauf Anfang März eine Rückrufaktion für vier seiner Modelle in Deutschland angekündigt. Betroffen sind die zweirädrigen Modelle City, City E, Mini und Mini E. Der Hersteller erweitert den Rückruf nun auf weitere Modelle. Wie bei einem Händler zu erfahren war, handelt es sich dabei um das ebenfalls einspurige Modell City Mountain. Über weitere Modelle sei man bislang nicht informiert worden.
Lastenrad-Hersteller Babboe: Auf Hinweise zu Risiken nicht reagiert?
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Babboe teilte mit, dass insgesamt 22.000 Lastenräder zurückgerufen würden. Es geht nach Angaben des Unternehmens um ein Drittel aller Modelle. Besitzern von Babboe-Rädern, die jünger als fünf Jahre sind, würde man ein neues Exemplar anbieten. Der Hersteller rechnet damit, dass die allermeisten Fahrzeuge nach Kontrolle und möglicher Reparatur wieder genutzt werden könnten.
Nach Angaben der Aufsichtsbehörde NVWA waren Hunderte Rahmen gebrochen, der Hersteller habe die Ursache nicht gut genug untersucht und auch keine Maßnahmen dagegen ergriffen. Dies habe die Sicherheit von Menschen gefährdet. Der TV-Sender RTL Nieuws hatte darüber hinaus über versuchte Vertuschung bei Babboe berichtet. Ehemalige Mitarbeiter des Herstellers hatten dem Sender erklärt, dass kurz vor einer Prüfung der Behörde kaputte Fahrradrahmen versteckt worden seien.
Der Mutterbetrieb Accell sagte für die Untersuchung seine volle Mitarbeit zu. Wenn sich Medienberichte bestätigen sollten, „dann missbilligen wir das entschieden und distanzieren uns davon“, heißt es in einer Erklärung. Babboe-Chef Gerard Feenema bedauerte die Probleme. „Wir verstehen, dass das ärgerlich ist für unsere Kunden und haben daher auch unser Bestes getan, eine passende Lösung zu finden und sie zu entschädigen.“
Babboe – die „Nummer 1 unter den Lastenfahrrädern weltweit“
Babboe ist kein kleiner Hersteller. Das 2005 gegründete Unternehmen bezeichnet sich selbst als „die Nummer 1 unter den Lastenfahrrädern weltweit“. Am hiesigen Cargobike-Markt hat Babboe Schätzungen zufolge einen Anteil von zehn bis 15 Prozent, und der Markt wächst stetig. Bundesweit stiegen die Absatzzahlen für Lastenräder in Deutschland in den vergangenen Jahren explosionsartig. Wurden 2018 hierzulande noch 60.000 Cargobikes verkauft, waren es 2022 bereits 213.000. Im vorigen Jahr ging der Absatz um weitere zehn Prozent nach oben. Insgesamt wurden 235.000 Lastenräder verkauft, von denen 190.000 mit einem Elektromotor bestückt waren.
Die Nachfrage ist also auch für Babboe vorhanden. Allerdings steht der niederländische Hersteller unter hohem Kostendruck. Er ist Teil der ebenfalls niederländischen Accell Group, zu der auch Fahrradmarken wie Winora oder Ghost gehören. Der Konzern ist hoch verschuldet. Angeblich soll sich der Minusbetrag auf mehr als eine Milliarde Euro belaufen. Eigentümer ist der Finanzinvestor KKR, der Accell 2022 übernommen hatte und derzeit einen harten Sanierungskurs fährt.
Erst vor wenigen Wochen waren Pläne für Entlassungen und Standortschließungen bekannt geworden. Zudem kündigte der frühere Henkel- und Adidas-Chef seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender Anfang März überraschend nach nur fünf Monaten. Die Rückrufe bei Babboe dürften die Lage noch verschlechtern. Insider schätzen, dass sie das Unternehmen einen hohen zweistelligen Millionenbetrag oder mehr kosten werden.
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