Neben der New Yorkerin sitzt ihr Freund, ein Surfer mit Schirmmütze. Sie wollen zwei Tage hier in Peniche bleiben, dann weiter durch Portugal reisen, mehr sehen von diesem Land.
Im Hostel schlafen die beiden im Zimmer gegenüber, in New York leben sie in Williamsburg. Williamsburg ist so etwas wie das Mitte von New York. „Die höchste Künstlerdichte in den USA“, sagt die New Yorkerin. Am Strand trägt sie einen Schlapphut, ihr Surferfreund, außerhalb des Ozeans Apotheker, fotografiert.
Auf ihrem iPad zeigt die New Yorkerin Fotos, die ihr Freund gemacht hat: Rockaway Beach, der Surfstrand von New York, und dann die Brücke, die von Williamsburg nach Manhattan führt. „Da musst du drüber laufen“, sagt sie und dass die Brücke so steil ist, dass man darauf für zehn Minuten das andere Ende nicht sehen kann, nur die ansteigende Straße. Sie zeigt dabei ihre amerikanischen Zähne, dieses erbarmungslose Lächeln, das nichts anderes als Erfolg duldet. Auf ihren Bildern glitzert die Stadt mit tausend kleinen Lichtern.
New York, denke ich, wie schön diese Stadt ist! Wenn du es da schaffst, dann schaffst du es überall. In Berlin zum Beispiel, nächstes Jahr, vielleicht, warum eigentlich nicht? Beim ersten Marathon schon an den zweiten denken. Das ist die richtige Einstellung! Ich lächle jetzt fast so breit wie die New Yorkerin.
Am Tag zuvor erst hatte der Marathon in Berlin stattgefunden. Ein Freund lief mit, es war auch sein erster Marathon. Ich habe an ihn gedacht, während ich am Strand lag und meine Füße nicht in Turnschuhen, sondern im warmen Sand steckten.
Fünf Minuten länger
Der Freund war so etwas wie der Chuck Norris des Marathontrainings. Erzählte ich mittags, ich wolle abends laufen, sagte er: „Ich war schon, heute Morgen.“ Ich rannte fünfzehn Kilometer, er siebenundzwanzig. Er lief bei dreißig Grad, wenn ich lieber zum Badeschiff fuhr. Einmal brachte er es auf siebzig Kilometer in einer einzigen Woche.
Am Abend nach dem Berlin- Marathon schrieb er: Immerhin angekommen. Es klang enttäuscht. Und ich machte mir Sorgen. Wenn es für Marathon Chuck schon schwierig gewesen war, wie würde es erst für mich sein? Doch der Freund hatte den Marathon nicht nur einfach laufen wollen, er wollte eine Zeit unter vier Stunden. Er brauchte fünf Minuten länger. Das war es also. In Berlin müssen Rekorde gebrochen werden, und seien es die eigenen. In New York – schafft man es.
Im Hostel in Portugal erzählt die New Yorkerin von New York, bis wir den billigen Wein ausgetrunken haben. „We have to go to dinner together“, sagt sie zum Abschied. Ja, denke ich, sobald ich nach dem Marathon wieder gehen kann.
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