Worauf muss man sich in Berlin einstellen? Wie soll man sich am besten verhalten? Hier einige Tipps, gesammelt und geschrieben von Berliner Studierenden.Nutze die Zeit, die du täglich mit U-Bahn-, Bus- und Straßenbahnfahren verbringst. Man kann lernen, beobachten, lesen, Musik hören, denken, träumen, flirten. Probier es aus, und 45 Minuten Fahrt mit dreimal Umsteigen werden fast zum Spaziergang. Auf der Rolltreppe gilt übrigens: links gehen, rechts stehen und am Ende nicht einfach stehen bleiben und orientieren, denn du bist spätestens ab 110 Euro Begrüßungsgeld kein Touri mehr, sondern ein Berliner! Und bereite dich auch auf unerwartete Wiedersehen vor! Denn obwohl in Berlin fast dreieinhalb Millionen Menschen leben, ist ein Untertauchen nicht immer möglich. Plötzlich steht dann jemand vor dir, dessen Namen du dir niemals merken konntest. Wer hätte das gedacht?Carolina MachhausAm schönsten ist Berlin im Sommer, draußen. Da diese Zeit sehr kurz ist, sollte sie intensiv genutzt werden. Also: Abends Tischtennis spielen, Bier im Park trinken, an einen See fahren, am Landwehrkanal sitzen. Und weil die Vögel hier wegen des Stadtlärms lauter zwitschern als auf dem Land, ist auch immer für idyllischen Hintergrundsound gesorgt.Katharina BueßDie erste Regel, die ich als Neu-Berlinerin gelernt habe, lautet: Wundere dich über nichts! Nicht darüber, dass die Bahn nicht fährt, obwohl die BVG sie im Internet angegeben hat, nicht darüber, dass der Hausmeister deinen aufgeklebten Namen vom Klingelschild wieder abgelöst hat, und erst recht nicht darüber, dass Menschen im Einzelhandel unfreundlich sind. Für das Meiste, was man an Eigenartigem erlebt, gibt es keine Erklärung, anderes ist seltsam organisiert. Eines ist in Berlin allerdings erstaunlich gut geregelt: Wer aufs Einwohnermeldeamt muss, kann sich vorher einen Termin machen. Nerviges Warten lässt sich somit ersparen.Beate SchederViele bekannte Leute haben sich über Berlin geäußert. So schrieb der Dichter Theodor Fontane: "Berliner Ton. Der Grundzug ist ein krasser Egoismus, ein naives, vollkommen aufrichtiges Durchdrungensein von der Überlegenheit und besonderen Berechtigung der eigenen Person und des Ortes, an dem die Person das Glück hatte geboren zu werden. Um diese beiden Eitelkeiten dreht sich alles." Also, werde lieber gleich Kiezpatriot! "Berlin ist eine gute Stadt - vortreffliche Musik, billiges Leben, sehr anständige Theater, in den Konditoreien viele Zeitungen, und ich lese sie alle der Reihe nach - mit einem Worte, alles gut, sehr gut." - Was der Russe Michail Bakunin einst sagte, stimmt noch heute. Also, genieße das Leben, solange du kannst! "Paris is always Paris, and Berlin is never Berlin", sagte der Franzose Jack Lang. Tipp an alle Neu-Berliner: Sucht nicht die Identität dieser Stadt. Formt Sie. Ihr seid Berlin!Justus WilhelmIst man neu in der Stadt, unterstützen sie das Großstadtgefühl. Schon einige Fahrten später aber kramt man hilfesuchend nach seinem iPod. Die Rede ist von den Musikern in Berlins U-Bahnen. Sie kommen mit Gitarren, Akkordeons und Rasseln. Nach einigen Fahrten merkt man: Es sind immer die wenigen Gleichen. "Quando, Quando, Quando" mag man am Montagmorgen noch mitsummen, spätestens am Donnerstag jedoch möchte man flüchten. Und das kann man, indem man die Augen offen hält und erkennt, in welchen Waggon sie am liebsten einsteigen. Den sollte man künftig meiden. Oder besser: neue Strecken und Musiker entdecken.Sabrina WaffenschmidtFür große Verwirrung sorgten zu meiner Anfangszeit in Berlin die Anzeigetafeln der BVG. Bei den Angaben ist nämlich zwischen angezeigter, realer und gefühlter Zeit zu unterscheiden ist! So kann es zum Beispiel zu einer positiven Überraschung kommen, wenn sich die Wartezeit auf die nächste Bahn von angezeigten neun Minuten mit einem Sprung auf fünf Minuten verkürzt. Allerdings darf man sich auch nicht wundern, wenn die nun angezeigten fünf Minuten dann gefühlte zehn Minuten dauern, da es sich in Echtzeit um acht Minuten handelt. Also am besten immer eine Zeitung oder ein Buch zur Ablenkung dabei haben, da die blinkenden Zahlen einen sonst irgendwann am eigenen Verstand zweifeln lassen. Und wenn man einmal mit dem Gedanken spielen sollte, noch schnell zum Geldautomaten oder Kiosk zurückzulaufen, weil man angeblich noch acht Minuten Zeit hat, nicht vergessen, dass es sich gleich vielleicht schon nur noch um drei Minuten handeln könnte, die sich dann jedoch wie sieben Minuten anfühlen werden. Und Achtung! Manchmal passiert etwas ganz Verrücktes und die angezeigte, reale und gefühlte Zeit stimmen überein! Dann heißt es Ruhe bewahren und sich die Überraschung nicht anmerken lassen.Diana RingelsiepHausnummern sind dafür da, ein bestimmtes Gebäude in einer Straße eindeutig zu identifizieren und einer Adresse zuzuordnen. Doch Vorsicht: In Berlin verorten die "Grundstücksnummern" neben Gebäuden auch Baustellen und Brachland, und zwar entweder fortlaufend oder wechselseitig. Sogar Mark Twain schrieb einst über die Berliner Verwirrung, was Straßen betrifft: "Zuweilen ändert sich der Straßenname mitten in der Häuserreihe; man merkt dies erst bei der nächsten Ecke und weiß natürlich nicht, wo der Wechsel angefangen hat. In Betreff der Hausnummern herrscht ein Chaos wie vor Erschaffung der Welt". Mein Tipp: Damit abfinden, mehr Zeit einplanen oder Hausnummern-Check online durchführen, zum Beispiel bei Google Maps oder Berlin-Online.Linda HolzgreveNeu-Berliner gesellen sich aus Bequemlichkeit am liebsten zu ihresgleichen. Da tun sich Schwaben mit Schwaben zusammen, Bayern mit Bayern, Nordlichter mit Nordlichtern und World-of-Warcraft-Bewohner mit World-of-Warcraft-Bewohnern. Kein Melting Pot, sondern eine Ansammlung von Gettos. Traurig! Wahlberliner brüsten sich doch sonst so gern mit ihrer Vielseitigkeit und Weltoffenheit. Ihr Nordlichter, traut euch doch mal ins Schwaben-Getto! Ihr Bajuwaren, ab nach Marzahn! Ihr World-of-Warcraft-Zocker, wie wär's denn mal mit Techno-Abend in der Schwulen-Disko?Alexander ViktorinÜber das Wetter spricht man nicht - zu banal. Aber in diesem Fall ist es eigentlich mehr als angebracht. Denn Berlin steht und fällt mit seiner Witterung. Wer in der Zeit zwischen Oktober und April nach Berlin kommt, der möchte am liebsten gleich wieder weg. Alles grau in grau. Häuser grau, Gesichter grau, Himmel sowieso. Aber ich habe mir sagen lassen, es lohnt sich zu bleiben. So hässlich und schlecht gelaunt die Stadt im Winter wirkt, so schön soll sie im Sommer sein. Also, durchhalten! Ich tu's auch.Laura Réthy------------------------------Foto: Umpfff, umpfff, umpfff - Party in der Berghain-Kantine. Und die Eltern im fernen Hinterposemuckel denken, man sitze fleißig über den Büchern und studiere.
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