Legehennen-Anlage

Oranienburger protestieren gegen die „Eierfabrik“

Bürgerinitiative in Oranienburg wehrt sich gegen Bau einer Legehennen-Anlage.

BLZ
4 Min
Protest gegen die Massentierhaltung auf dem Potsdamer Platz. 

Protest gegen die Massentierhaltung auf dem Potsdamer Platz. 

© OGA/Klaus D. Grote

Die Demostranten fielen auf: Neonfarbene Westen mit dem Aufdruck „Uns stinkt’s“ haben sie  vor gut einer Woche zu Beginn der Grünen Woche bei der großen Demo gegen die Agrarindustrie am Potsdamer Platz getragen. Sie kamen aus Oranienburg. „Uns stinkt’s – Contra Eierfabrik Oranienburg“ ist eine Bürgerinitiative, die zwei Legehennen-Anlagen im  dortigen Stadtteil Zehlendorf verhindern will. Und die dabei schon einiges erreicht hat.

Im Mai vergangenen Jahres waren Pläne eines Investors bekanntgeworden, in Zehlendorf eine Legehennen-Anlage zu bauen. Nach Berichten der Bürgerinitiative sprach der Emsländer Josef Vortallen einen Anwohner an, um über eine mögliche Zufahrt zum Anlagengelände und über den Kauf eines Grundstücks zu verhandeln.

Anlage für 84.000 Hennen

Anfang Juni kam es zu einem Treffen zwischen Anwohnern, Vortallen und einem weiteren Investor, in dem der Bau von zwei Anlagen angekündigt wurde. „Beide Anlagen zusammen sollen 84.000 Legehennen beherbergen“, heißt es in einem Bericht auf der Webseite der Bürgerinitiative. Die Anwohner fühlten sich mit Ängsten und Zweifeln alleingelassen und schlossen sich zusammen. „Rund 100 Mitglieder haben wir, 30 bis 50 arbeiten ständig mit“, sagt Bartel. Die Initiative hat die Öffentlichkeit mobilisiert und ist regelmäßig bei den politischen Entscheidern vorstellig geworden.

Seit dem erfolgreichen Volksbegehren gegen Massentierhaltung in Brandenburg Anfang 2016 ist Massentierhaltung ein heikles Thema im Bundesland. Ziel der Volksbegehrens war es, die öffentliche Förderung von Riesenmastanlagen für Rinder, Schweine und Geflügel einzuschränken und für eine artgerechtere Haltung der Tiere zu sorgen.

Qualvolle Enge für die Hennen: Legebatterien sind umstritten. 

Qualvolle Enge für die Hennen: Legebatterien sind umstritten. 

© dpa

Die Landesregierung reagierte kompromissbereit und vereinbarte mit den Initiatoren unter anderem einen Tierschutzplan. Dabei geht es in erster Line darum, das Verbot umzusetzen, Geflügel die Schnäbel und Schweinen die Schwänze abzuschneiden. Auch ein Tierschutzbeauftragter soll eingesetzt werden.

Ein günstiges Klima also für die Bürgerinitiative, die kurz vorm Jahreswechsel schon einen  Erfolg verbuchen konnte. Zum einen wurde bekannt, dass das Projekt von 84 000 Tieren auf 42 000 Tiere abgespeckt wurde.  Außerdem erlegte das Potsdamer Landesamt für Umwelt den Investoren die Pflicht einer sogenannten Umweltverträglichkeitsprüfung auf. Diese ist ein Verfahren, das die Investoren zwingt, unter anderem die Öffentlichkeit sowie Behörden und Träger öffentlicher Belange zu beteiligen.

Das bestätigte Thomas Frey, Sprecher des Landesamts für Umwelt, gegenüber der Berliner Zeitung. Frey betonte jedoch, dass es noch keinen offiziellen Antrag für die Legehennen-Anlage gebe. Es seien  lediglich entsprechende Planungen zweier Investoren bekannt. Ob und in welcher Form Anträge auf die notwendige Genehmigung „überhaupt jemals gestellt werden, ist unklar“. Dies liege allein in der Hand der Investoren.

Alles Mist

Investor Vortallen hatte in der Vergangenheit wiederholt bekräftigt, bei seinen Plänen bleiben zu wollen. Er hatte angekündigt, Bio-Eier produzieren zu wollen. Befürchtungen der Anwohner, von Gestank und Staub belastet zu werden sowie Angst vor einer erhöhten Nitratbelastung des Grundwassers, wenn Hühnerkot als Dünger auf Feldern verteilt wird, wies er laut RBB zurück. „Diese Sorge ist unbegründet“, zitiert der Sender Vortallen. Denn der Mist von ökologisch gefütterten Hühnern sei kein gefährlicher Abfall sondern ein gefragtes Produkt bei Biolandwirten in der Region, die kein oder kaum eigenes Vieh haben, heißt es weiter.

Dieser Argumentation kann Heike Bartel von der Bürgerinitiative nicht folgen. „Wir sehen große Probleme für die Gesundheit der Anwohner und für die Umwelt“, sagt sie. Sowohl eine Staub- wie auch eine Keimbelastung könnten entstehen. Dadurch könne es zu Lungenentzündungen vor allem bei Kindern kommen.  Ein weiteres Problem betreffe Hotellerie und Gastronomie.

„Um die geplanten Legehennen-Anlagen herum gibt es fünf bis zehn Reiterhöfe. Die Leute stellen da ihre Pferde nicht unter, wenn sie umso eine Anlage herumreiten müssen“, sagt Bartel. Das hätten sie gegenüber der Bürgerinitiative angekündigt. Überhaupt sei die Gegend als Erholungsgebiet gefährdet. „Welcher Berliner fährt an einen See, wenn er weiß, dass da möglicherweise Abwässer aus einer Hühnermastanlage reinfließen?“, fragt sie.

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