NRW

Lehrerin 16 Jahre krankgeschrieben: Wohl weitere Fälle, Behördenversagen kein Einzelfall?

Der Fall einer jahrelang krankgeschriebenen Beamtin sorgt für weitere Schlagzeilen. Nun gibt es offenbar Hinweise auf weitere Fälle.

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Eine Lehrerin einer Grundschule schreibt in englischer Sprache an die Tafel. (zu dpa: «Brandenburg startet mit Lehrermangel ins neue Schuljahr»)

Eine Lehrerin einer Grundschule schreibt in englischer Sprache an die Tafel. (zu dpa: «Brandenburg startet mit Lehrermangel ins neue Schuljahr»)

© dpa-Zentralbild

Der Fall einer 16 Jahre lang krankgeschriebenen Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen hat in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt. Wie die Beamtin ohne einen Besuch beim Amtsarzt so lange krankgeschrieben sein und ihr volles Gehalt kassieren konnte, sorgte bei vielen für Verwunderung.

Die Schulministerin von NRW, Dorothee Feller (CDU), verlangte Aufklärung. Gleichzeitig betonte sie, dass es sich um einen Einzelfall handele. Doch dies stimmt offenbar nicht ganz. Recherchen des Focus zeigen nun, dass es offenbar weitere Fälle von langen Krankschreibungen gibt. An der Europaschule in Bornheim nahe Kölnsoll eine Studiendirektorin bereits seit fünf Jahren fehlen. Dennoch soll sie weiterhin im Lehrerregister stehen und ihr Gehalt nach A15 beziehen.

Weitere Fälle von lang krankgeschriebenen Lehrerinnen in NRW

Bei einem weiteren Fall ist eine Lehrerin seit zwei Jahren krankgeschrieben und bezieht ebenfalls weiterhin ihr volles Gehalt. Laut Ministerium gibt es „etablierte Verfahren mit Regeln und Kontrolle. Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, dass die bestehenden Strukturen grundsätzlich funktionieren. Nach aktuellem Stand gibt es keine Hinweise auf ein systemisches Problem, sondern es handelt sich um gravierendes Fehlverhalten innerhalb der Bezirksregierung Düsseldorf.“ Doch offenbar beschränken sich die Fälle eben nicht nur auf die Landeshauptstadt.

Normalerweise kann der Dienstherr Beamte, die wegen gesundheitlicher Probleme binnen sechs Monaten mehr als zwölf Wochen ausfallen, zum Amtsarzt schicken. Auf Grund dieser Expertise prüft die Bezirksregierung, ob der Lehrer anderweitig verwendet werden kann oder wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt werden muss. Die Lehrerin aus Bornheim steht laut Focus jedoch weiterhin auf der gehaltsloste

Im Falle der Lehrerin, die sich im Sommer 2009 krankschreiben ließ, fand das übliche jedoch jahrelang nicht statt. Erst im vergangenen Jahr fiel einer neuen Sachbearbeiterin der Fall auf und ein Besuch der Lehrerin beim Amtsazrt wurde verordnet. Der Fall geriet in die Schlagzeilen, weil die Lehrerin ohne Erfolg klagte. Das Gericht kritisierte die Behörden in seinem Urteil, dass sich die Lehrerin einem Besuch beim Amtsarzt unterziehen muss, scharf. Das „jahrelange Untätigbleiben“ sei „in der Tat nicht nachvollziehbar“.

Zudem wurde vor wenigen Wochen bekannt, dass die Lehrerin bereits vor acht Jahren hätte auffallen müssen. Denn sie zog bereits im Jahr 2017 vor Gericht, sie sollte an eine andere Schule versetzt werden, offenbar, um ihre Stelle im Berufskolleg Wesel wegen ihres jahrelangen Ausfalls neu besetzen zu können. Daraufhin reichte die Lehrerin, die zu dem Zeitpunkt bereits seit acht Jahren krankgeschrieben war, einen Eilantrag gegen das Land NRW ein. Ihre Versetzung wurde aufgehoben, weitere acht Jahre blieb sie krankgeschrieben.

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