In den vergangenen Tagen habe ich einige Dokumentationen über die Mondlandung gesehen. Nicht, dass es mich übermäßig interessiert hätte, aber ich kann bei historischen Dokumentationen wunderbar entspannen, wegdösen, die Anstrengungen der Gegenwart vergessen.
Leo & Gutsch
Wöchentlich wechselnd liefern sich Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch einen kolumnistischen Schlagabtausch. Leo war viele Jahre lang Redakteur der Berliner Zeitung im Ressort Seite 3/Magazin, Gutsch arbeitet für das Gesellschaftsressort des Spiegels.
Gemeinsam veröffentlichten die beiden bereits die Bücher „Single. Family. Zwei Männer. Zwei Welten. 66 wahre Geschichten", „Sprechende Männer" und zuletzt „Es ist nur eine Phase, Hase".
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Oft schaue ich deshalb abends noch ein bisschen Phoenix oder ZDFinfo, wo eigentlich immer was über den Zweiten Weltkrieg läuft. Das meiste kenne ich zwar schon, selbst die Dokumentation mit dem schönen Titel „Eva Braun – die Braut des Bösen“. Aber dann zappe ich abends doch wieder auf ZDFinfo und denke: Na, was ist denn heute bei Hitlers los?
Im Jahre 1969, als Neil Armstrong den Mond betrat, war ich noch nicht geboren. Womöglich hat er den Mond ja auch gar nicht betreten, am Spannendsten an der Mondlandung sind für mich die Verschwörungstheorien. Alles wurde in einem Hollywood-Studio inszeniert – diese Idee ist genial! Die Russen gaben einen Haufen Geld dafür aus, Juri Gagarin in den Kosmos zu schießen. Und die Amerikaner? Engagierten eine Filmcrew, drehten einen kleinen, wackeligen Schwarz-Weiß-Film, der aussieht, als hätte er nicht mehr als 500 Dollar gekostet, und gewannen das Wettrennen zum Mond. Für mich wäre das kein Betrug, sondern ein ungemein umweltfreundlicher, steuerneutraler Weg, durchs All zu reisen. Nach dem guten, alten Motto von Walter Ulbricht: überholen ohne einzuholen.
Sehr oft habe ich in den vergangenen Tagen auch diesen monumentalen Armstrong-Satz gelesen: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Der Legende nach hat sich Armstrong diesen Satz selbst ausgedacht, während der Ruhephase zwischen Mondlandung und Ausstieg. Wahrscheinlich hatte er einen kleinen Zettel dabei, auf dem er sich Notizen machte und seine Ideen an den Kollegen Aldrin und Collins testete.
„Hört mal her, Leute. Was haltet ihr von: Ich flog, ich sah, ich siegte?“
„Gibt's schon so ähnlich. Wir brauchen etwas Neues, Großes“, sagten die anderen.
„Okay. Und wie klingt: Hier stehe ich und kann nicht anders?“
„Das ist alt, uralt, Neil.“
„Und: I have a dream!?“
„Leider auch schon alt, Neil.“
„Und: Harry hol schon mal den Wagen?“
„Welcher Wagen? Wer ist Harry, Neil?“
„Wenn ihr immer nur meckert, dann gehe ich da jetzt raus und sage: Scheiße, ist das kalt und grau hier oben!“
„Klingt absolut realistisch, Neil. Aber da fehlt uns ein bisschen das Pathos ...“
Was kostet ein Grundstück auf dem Mond?
So haben sie ewig gegrübelt. Tagelang. Gerüchte sagen, nicht Armstrong, sondern der Schriftsteller Norman Mailer hätte sich den berühmten Satz ausgedacht. Andere Gerüchte verweisen auf den Schriftsteller Arthur Miller. Aber war es denn überhaupt ein „riesiger Schritt für die Menschheit“?
Im Leben der Menschheit spielt der Mond heute eigentlich gar keine Rolle. Er ist, anders als Mallorca, der Kilimandscharo oder der Heidepark Soltau, überhaupt kein Sehnsuchtsort. Auf dem Mond steigt die Temperatur am Tag auf rund 130 Grad Celsius. Nachts kühlt es ab auf etwa minus 160 Grad Celsius. Was für ein ungemütlicher Planet! Trotzdem gibt es bereits einen regen Mond-Immobilen-Handel. In der Süddeutschen Zeitung las ich, dass man für 45 Dollar gut 4000 Quadratmeter auf dem Mond kaufen kann. Nur ein paar Meilen vom Ort der Mondlandung entfernt. Bestlage. Das muss man dem Mond natürlich lassen: Die Preise sind gut. Für 45 Dollar bekommt man in Berlin einen Tag in der Besenkammer. Zur Miete.
Aber was ist nun das Erbe von Neil Armstrong? Was bleibt vom Mondflug? Womöglich die Erkenntnis, dass der Mond nur schön ist, wenn man ihn von der Erde aus betrachtet. Und die goldnen Sternlein prangen. Am Himmel hell und klar.
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