Letzter Flug: Bei Air Berlin gehen die Lichter aus – was wird aus den Angestellten?

Für 1100 Air-Berlin-Angestellte soll es eine Mini-Transfergesellschaft geben.

BLZ
3 Min

Am Freitagabend ist es soweit: Mit der Landung des Air-Berlin-Flugs AB6210 aus München in Tegel um 22.45 Uhr ist Schluss mit der Fluggesellschaft. Die Pleite der bislang zweitgrößten Airline Deutschlands reißt Lücken in die Flugpläne und nimmt Berlin einen Werbeträger.

Vor allem aber sind Tausende Arbeitnehmer betroffen. Wenigstens können sich die rund 1100 Air-Berliner in der Berliner Zentrale am Saatwinkler Damm berechtigte Hoffnungen machen, in einer Transfergesellschaft unterzukommen und nicht ab November arbeitslos zu werden.

Am Mittwoch war – wie berichtet – der Versuch gescheitert, für bundesweit etwa 4500 Beschäftigte eine Transfergesellschaft zu gründen. Der Senat bot daraufhin an, zehn Millionen Euro in eine Transfergesellschaft vornehmlich für die Berliner Beschäftigten zu stecken. Die gleiche Summe will Air Berlin geben.

Air Berlin stockt das Transferkurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit auf

Bedingung für den Senatsbeitrag war, dass bis spätestens Ende der Woche die rechtlichen Grundlagen für die Gesellschaft vorliegen. Am Donnerstag übermittelte Air Berlin schließlich dem Senat eine „Betriebsvereinbarung Transfer“, unterzeichnet vom Air-Berlin-Generalbevollmächtigten Frank Kebekus und den Betriebsräten.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Berliner Bodenmitarbeiter nach ihrer Kündigung für sechs Monate in eine Transfergesellschaft eintreten können. Das sind zwei Monate mehr als die vorgeschriebene Spanne für Transfergesellschaften.

Außerdem stockt Air Berlin das Transferkurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit auf. Die Agentur zahlt Beschäftigten von Transfergesellschaften mit Kind 67 Prozent des letzten Nettogehalts, bei Kollegen ohne Kind 60 Prozent. Mit der Aufstockung sollen es 75 Prozent sein. Für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung kommt Air Berlin zu 80 Prozent auf, übernimmt in gleicher Höhe den Arbeitnehmeranteil.

Zeit sich beruflich neu zu orientieren

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) wird jetzt prüfen, ob das Land Berlin das Geld wie versprochen bereitstellen kann. Erst mit Gründung der Transfergesellschaft setzt die Zahlungsverpflichtung der Arbeitsagentur ein.

Von Betriebsratsseite hieß es, man hoffe, dass die meisten Mitarbeiter nicht die ganzen sechs Monate in der Transfergesellschaft untergebracht sein müssen, sondern schneller neue, dauerhafte Arbeit finden. Die Gesellschaft sei jedoch eine beruhigende Absicherung für die Kollegen, dass man Zeit hat, sich beruflich neu zu orientieren.

Käufer Lufthansa wehrt sich unterdessen gegen den Vorwurf, sich nicht an der Transfergesellschaft beteiligen zu wollen. Thomas Kropp, Vorstandsbevollmächtigter für Berlin, sagte der Berliner Zeitung: „Es gab in der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte keinen Fall, dass ein Teil-Investor an einer solchen Gesellschaft beteiligt hat.“ Vielmehr seien allenfalls die bisherigen Mehrheitseigentümer von Air Berlin in der Pflicht. Das sind vor allem die Airline Etihad und die türkische ESAS-Holding.

1300 Mitarbeiter können sich bei Eurowings bewerben

Kropp verweist darauf, dass Lufthansa über ihr Tochterunternehmen Eurowings 1,5 Milliarden Euro ausgebe, um unter anderem 81 Flugzeuge zu kaufen. 1700 Mitarbeiter der nicht insolventen Air Berlin-Teile Niki (20 Flugzeuge) und LGW (17) würden mit allen Tarifverträgen übernommen.

Für weitere 1300 Mitarbeiter gebe es die Möglichkeit, sich bei Eurowings zu bewerben. Für den Aufbau der dann bis zu 3000 Arbeitsplätze für Ex-Air-Berliner gebe Lufthansa also rechnerisch 500.000 Euro pro Arbeitsplatz aus.

Kropp: „Das ist eine massive sozialpolitische Komponente.“ Das gelte schon deshalb, weil sich bisher keine andere Airline für bedeutende Teile von Air Berlin interessiert habe.

Derweil wurde am Donnerstagnachmittag bekannt, dass das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht zusammen mit der Wartungsfirma Nayak die Technik-Tochter von Air Berlin erwerben will. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Rund 300 Mitarbeiter würden übernommen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema