Seit über sechs Jahren wohne ich direkt neben dem Bahnhof Lichtenberg. Fast täglich hetze ich durch seine Gänge, um die U5 oder S7 zu erreichen. Auf pünktliche Züge kann ich mich dabei selten verlassen – dafür umso zuverlässiger auf Obdachlose, pöbelnde Junkies und Müllberge. Hier streiten sich zwei Betrunkene lautstark, dort drüben uriniert jemand seelenruhig in die Ecke: der ganz normale Arbeitsweg. Das Schönste daran ist der Moment, in dem endlich ein Zug einfährt und mich woandershin bringt.
DDR
Bahnhof Berlin-Lichtenberg: Warum ich diesen Drecksbau hasse – und liebe
Sechs Jahre Junkies, Müll und Melancholie – und trotzdem zu Hause. Warum ich den dreckigsten Bahnhof Berlins nicht mehr missen möchte.
Albert Hammig
6 Min
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Der Bahnhof Berlin-Lichtenberg als steinernes Relikt der DDR-Geschichte im modernen Berliner Großstadtchaos.
© Albert Hammig/Berliner Zeitung