Niemand geht wegen technischer Neuheiten zur Ifa. Nur eine Ausnahme von dieser Regel gibt es: Volontäre von Nachrichtensendern werden hingeschickt, sind ganz aufgeregt, zeigen irgendwelche sprechenden Fernsehgeräte und texten nebenher von der "achtundreißigtausendsten Internationalen Funkausstellung, die heute ihre Pforten öffnete". Wie es Journalisten seit Generationen machen. Ohne erklären zu können, warum unbedingt eine Elektromesse keine Türen hat. Sondern Pforten. Wie sonst nur der Himmel.Wer nicht als angstverschwitzter Nachrichten-Lehrling zur IFA muss, sondern freiwillig hingeht, der möchte ins Paradies. Denn irgendwo steht auf dieser Messe immer eine Musikanlage, die so laut sein kann, dass Bewohner des Mondes mit dem Stock auf den Boden klopfen. Als Ermahnung, ob es da unten nicht auch ein bisschen leiser geht.Diese Anlagen sind den ganzen Tag schön laut. Der Messestand sieht aus wie bei Ikea gekauft, also alles wie zu Hause. Das Tollste: Drumherum stehen schöne Frauen, die auch den Markennamen eines Hifi-Herstellers auf dem T-Shirt stehen haben. Der Ifa-Enthusiast hält das für eine Schnittmenge. Zuhause hören die schönen Messefrauen Katy Perry aus einem Uhrenradio. Von dem Messehonorar kaufen sie sich niemals eine Anlage, die einen auf einem allerfeinsten Akustikteppich wandeln lässt.Ich war lange Zeit sicher, dass ich auf der Internationalen Funkausstellung Anke Engelke kennenlernen könnte. Die hielt ich aber auch damals für keine technische Neuerung, sondern ganz klassisch für die Frau meines Lebens. Ich war allerdings in einem Lebensalter, in dem ich es auch als extrem aufwühlend empfand, dass Samson aus der "Sesamstraße" auf der Ifa war. Dementsprechend gab es Autoritäten, die mir die 500-Kilometer-Reise nach Berlin untersagten und auch nicht mit mir hinfahren wollten.Heute darf ich unbeaufsichtigt zur Ifa. Begebe mich dort direkt in die Halle 2.2. Dort steht meine Clique, wir nennen uns RBB. Ich hoffe dann inständig, dass ich meine "Stilbruch"-Kollegin Petra Gute treffe, um ihr mit meinen mottenpulverigen Schmidtchen-Schleicher-Schmeicheleien an den Nerven zu sägen. Oft nutzen auch Zuschauerinnen und Zuschauer die Gelegenheit zum Plaudern. Ich bekomme dann zu hören, ich sei recht dick geworden und würde oft unverständlich sprechen. Dementsprechend verlasse ich die Ifa meistens mit einem deutlichen Moll-Ton im Ohr. Anke Engelke wieder nicht kennengelernt, ich bin technisch mangelhaft und alles andere als eine Neuheit. Na toll.-----------------------Jörg Thadeusz moderiert die Sendung "Thadeusz" und einmal im Monat die Talkshow "Dickes B." im RBB-Fernsehen.
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