Mein neuer Freund ist – das klingt jetzt bestimmt blöd – vollkommen. Er ist warmherzig, er liebt seinen Beruf und ist entsprechend erfolgreich, er sieht sogar toll aus – aber ich bin eher so mittel. Nach der ersten Euphorie bekomme ich langsam Angst, er könnte merken, dass er sich da unter Wert verkauft. Katja, 29
Eine kleine Geschichte, vermutlich ist sie nur eine urbane Legende, aber das macht nichts: Im Forum einer Singlebörse hatte eine junge Frau geschrieben, sie sei sehr hübsch. Sie suchte einen Mann, der wenigstens eine halbe Million Dollar im Jahr verdient. Das sei die Mindestsumme, um in dem New Yorker Stadtteil, in dem sie gern leben wollte, eine schöne Wohnung zu bekommen. Sie wollte nun wissen, wo man diese Gutverdiener finde, und warum eigentlich Frauen reicher Männer oft so durchschnittlich aussehen. Wo sie doch Frauen wie sie haben könnten.
Ein nüchternes Anliegen, die Liebe heruntergebrochen auf einen Handel. Es gibt ja nicht wenige Soziologen, die glauben, nichts anderes als ein Markt sei das Liebesgeschehen. Nun antwortete der jungen Frau ein Mann, der sogar noch deutlich mehr verdiente als die gewünschten 500 000 Dollar. Und auch er war zu nüchterner Rechnung in der Lage. „Person A stellt Schönheit bereit, und Person B bezahlt dafür. Jedoch gibt es ein essenzielles Problem. Ihre Schönheit wird verwelken, aber mein Geld wird nicht ohne guten Grund weg sein. (…) Ihre Schönheit ist somit nicht mehr als eine leistungsbezogene Abschreibung auf Grundlage der Nutzungsdauer.“ Um es in Anlehnung an Giovanni Trapattoni deutlich zu formulieren: Ein Mann mit Geld ist nicht ein Idiot. Liebe ist ein ganz besonderes Handelsgut.
Vor 32 Jahren, am 17. März 1982, fiel der französische Fußballnationalspieler Jean-Pierre Adams nach einer Routineoperation ins Koma. Man kennt ja die Witze, die über Fußballerfrauen gemacht werden. Sie interessieren sich für Geld und Ruhm, der Sportler macht einen Tausch, wie ihn die junge New Yorkerin sich vorgestellt hat.
Seit 32 Jahren steht Bernadette, die Frau, die Jean-Pierre Adams 13 Jahre vor seinem Unfall heiratete, auf, um ihn zu wenden, damit er sich nicht wund liegt. Sie wäscht ihn, sie kleidet ihn an. Ihr Leben steht still. Niemand würde es ihr verdenken, wenn sie gegangen wäre. Ihr Mann, von dem sie glaubt, er spüre noch etwas, ist, das weiß auch sie, in einem vegetativen Zustand. Was ist er wert? Ihre Liebe. Das ist das Glück: aufzuwachen und der andere ist noch da. Ganz ohne zählbaren Grund.
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