Liebesfragen

Hat er mich mit einer Lüge für Sex benutzt?

Der eine will nur zwischen die Laken, die andere träumt vom Traualtar: Malte Welding über die heikle Frage, wo die Grenze zwischen Täuschung und Verführung liegt

Malte Welding
3 Min

Ich habe einen Mann kennengelernt, der mit mir geschlafen hat. Ich hätte gerne eine Beziehung gehabt, es stellte sich jedoch heraus, dass er verheiratet ist. Jetzt fühle ich mich benutzt. Meine beste Freundin meint aber, ich würde meine Rolle viel zu passiv sehen und die Sache zu negativ. Schließlich hätte ich doch meinen Spaß gehabt. Feli, 31

Der Fall des Arabers Sabbar Kashur sorgte im Jahr 2010 für Aufsehen. Dieser hatte auf einer Straße in Jerusalem eine jüdische Frau kennengelernt. Zehn Minuten später schliefen sie miteinander. Zwei Wochen darauf fand die Frau heraus, dass er sie belogen hatte und nicht, wie behauptet, ein unverheirateter Jude war, sondern ein verheirateter Araber – und zeigte ihn wegen Vergewaltigung an. Die Frau erklärte, sie habe nach einer Beziehung gesucht, Sex habe sie nicht gewollt.

Kashur wurde tatsächlich wegen Vergewaltigung durch Täuschung verurteilt. Zuerst zu 18 Monaten Gefängnis, der Oberste Gerichtshof Israels reduzierte die Strafe später auf neun Monate. Irgendwo zwischen dieser Haftstrafe und der Aussage Ihrer Freundin, Sie hätten Ihren Spaß gehabt, müssen wir uns orientieren.

Der Konsens, der Konsens, der Konsens

So wie es beim Immobilienkauf heißt, die drei wichtigsten Dinge seien „die Lage, die Lage, die Lage“, so sind das beim Sex der Konsens, der Konsens, der Konsens. Zwei Willen müssen übereinstimmen. Wenn der eine Lust will und der andere Liebe, wenn der eine danach zu seinem Partner nach Hause geht und der andere wünscht, sein Bett wäre nicht so groß, wenn der eine Vergessen sucht und der andere Erinnerung, dann wird immer etwas Schales dabei sein und zurückbleiben.

Es scheint offensichtlich, dass eine Täuschung über die Ethnie weniger Gewicht hat als das Täuschen über den Beziehungsstatus. Aber wo ist die Grenze zwischen Täuschung und Verführung? Soll man mit Abstammungsurkunde und Gesundheitszeugnis unterwegs sein, um im Falle eines überraschenden Geschlechtsverkehrs alle wichtigen Details parat zu haben?

Wenn für Sex Konsens entscheidend ist, dann muss für einen Geschlechtsverkehr, der nach zehn Minuten stattfindet, der Konsens lauten: Wir wissen nichts übereinander. Ein Erwachsener ist nicht gesetzlich davor geschützt, getäuscht zu werden. Anders als in Israel und einigen US-Staaten kennt man hier keine Vergewaltigung durch Täuschung. Deshalb sollte man sich vorher fragen, was man über den anderen weiß, und ob man damit leben könnte, nach dem Sex herauszufinden, dass man getäuscht wurde.

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