Gesundheitspolitik

„Grenzt an Irrsinn“: So wollen die Linken in Sachsen die Krankschreibungs-Pläne der Regierung verhindern

Die Linksfraktion im sächsischen Landtag kritisiert die Pläne scharf. Mit einem Antrag sollen sie noch verhindert werden.

3 Min
Die Linksfraktion in Sachsen will die Pläne der Bundesregierung verhindern.

Die Linksfraktion in Sachsen will die Pläne der Bundesregierung verhindern.

© Sina Schuldt/dpa

Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag geht gegen die von der Bundesregierung geplanten Neuregelungen zur Krankschreibung vor. Mit einem Antrag im Landtag will sie die sächsische Staatsregierung dazu bewegen, den Vorhaben auf Bundesebene die Zustimmung zu verweigern.

Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD hatte beschlossen, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Zudem soll es zur Pflicht werden, bereits am ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen.

Scharfe Kritik an Krankschreibung ab dem ersten Tag

Nach Angaben der AOK Nordost lag der Krankenstand ihrer Mitglieder 2025 im Schnitt bei 21,6 Tagen pro Jahr, nach 22,0 Tagen im Vorjahr. Bundesweit ging die Zahl der Krankschreibungen ebenfalls leicht zurück, von 23,9 auf 23,3 Tage. Telefonische Krankschreibungen machen davon nur rund ein Prozent aus. Das insgesamt höhere Niveau geht laut Bericht der Berliner Zeitung auch auf die Einführung der elektronischen Krankschreibung im Jahr 2022 zurück, durch die kurzzeitige Erkrankungen vollständiger erfasst werden.

Fraktionschefin Susanne Schaper, von Beruf Krankenschwester, kritisierte die Pläne scharf. „Wer sich krank fühlt, muss sich bald um einen Arzttermin kümmern und den mitunter langen Weg zur Praxis auf sich nehmen, statt auszuruhen. Das kann Erkrankungen verschlimmern oder die Genesung verzögern“, erklärte sie. Das gelte vor allem bei Fieber, Migräne oder Magen-Darm-Infekten. Der Bundesregierung warf sie vor, Millionen Beschäftigte unter Generalverdacht zu stellen.

Schaper verwies auf mögliche Folgen für die kommende Erkältungssaison. Der Druck auf Notfallaufnahmen und Bereitschaftsdienste dürfte weiter zunehmen, sagte sie. „Außerdem steigt die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer, wenn die Regierung vermeidbare Kontakte erzwingt“. Manche Beschäftigte würden zudem krank zur Arbeit erscheinen und dort weitere Menschen anstecken.

Ärztliche Verbände kritisieren Krankschreibungs-Pläne

Schaper führte auch Stellungnahmen ärztlicher Verbände an, die gegen die Pläne protestieren. „Es grenzt zudem an Irrsinn, abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln. Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die übervolle Praxis“, zitierte sie die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Auch innerhalb der Bundesregierung ist die Regelung umstritten. SPD-Chef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil relativierte die Pläne bei RTL/ntv. Bei der Umsetzung müsse sichergestellt werden, „dass niemand, der krank ist, tatsächlich zum Arzt gehen muss", sagte er. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte erklärt, Betriebe könnten durch einzelvertragliche Vereinbarungen, Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge von der Regelung abweichen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema