Jahrelang war die Elektromobilität der wichtigste Treiber der weltweiten Lithium-Nachfrage. Nun zeichnet sich nach Einschätzung führender Produzenten und Marktanalysten ein grundlegender Wandel ab: Künftig könnten Batteriespeicher für KI-Rechenzentren und Stromnetze den Markt ebenso stark antreiben wie Elektroautos. Das erklärten mehrere Unternehmen und Branchenexperten auf der Global Lithium, Battery and Critical Materials Conference in Las Vegas gegenüber Reuters.
„Energiespeicher sind zu einem zentralen Wachstumstreiber dieses Marktes geworden“, sagte Raju Daswani, Geschäftsführer des Analysehauses Fastmarkets. Nach seinen Schätzungen wächst die Lithium-Nachfrage für stationäre Batteriespeicher derzeit um rund 40 Prozent pro Jahr.
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Batteriespeicher gewinnen an Bedeutung
Während Elektroautos den Lithiummarkt über Jahre dominierten, entwickelt sich nach Angaben der Branche inzwischen ein zweites großes Standbein. Der weltweite Ausbau von Rechenzentren für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz sowie Investitionen in stabilere Stromnetze erhöhen den Bedarf an stationären Batteriespeichern deutlich. Diese benötigen ebenfalls große Mengen Lithium.
„Das ist ein grundlegender Wandel“, sagte Daswani laut Reuters. Die Nachfrage nach Batteriespeichern sei deutlich robuster als der stärker von Verbraucherentscheidungen abhängige Markt für Elektroautos.
Rio Tinto erwartet ausgeglicheneren Markt
Auch der Bergbaukonzern Rio Tinto rechnet mit einer Verschiebung der Nachfrage. Jérôme Pécresse, Leiter des Aluminium- und Lithiumgeschäfts, erklärte Reuters zufolge, dass sich der Lithiummarkt bereits in den kommenden zwei Jahren deutlich gleichmäßiger auf Elektroautos und Energiespeicher verteilen dürfte.
Der weltweit größte Lithiumproduzent Albemarle beobachtet nach eigenen Angaben ebenfalls eine stetig wachsende Nachfrage nach Batteriespeichern. Anders als der Elektroautomarkt entwickle sich dieses Geschäft weltweit deutlich gleichmäßiger, sagte Vertriebschef Eric Norris der Nachrichtenagentur Reuters.
Branche hofft auf Ende der Krise
Der Optimismus der Produzenten markiert einen deutlichen Stimmungswechsel. Nach einem Überangebot und einer schwächeren Nachfrage nach Elektroautos waren die Lithiumpreise in den vergangenen Jahren zeitweise stark eingebrochen. Inzwischen haben sie sich nach Angaben der Konferenzveranstalter gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht.
Nach Angaben der Organisatoren stieg auch die Teilnehmerzahl der weltweit größten Lithiumkonferenz in diesem Jahr um rund zehn Prozent auf etwa 1100 Besucher.
China bleibt größter Wettbewerber
Trotz der besseren Marktaussichten forderten zahlreiche Unternehmen weitere Unterstützung westlicher Regierungen. Vor allem die Verarbeitung von Lithium wird weiterhin von chinesischen Unternehmen dominiert, die nach Angaben der Branche deutlich günstiger produzieren.
Die G7-Staaten hatten in der vergangenen Woche vereinbart, ihre Zusammenarbeit beim Aufbau unabhängiger Lieferketten für Lithium und andere kritische Rohstoffe auszubauen. Branchenvertreter forderten nun konkrete finanzielle Anreize, um die Abhängigkeit von China weiter zu verringern.
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