Loch 18

Andreas Lesch
2 Min

Erich Ribbeck geht es gut, wie schön. Er wohnt auf Fuerteventura, er genießt die Sonne, und sicher spielt er Golf. Wenn er Langeweile hat, liest Ribbeck deutsche Zeitungen. Die Sportseiten bereiten ihm das größte Vergnügen, da muss er richtig lachen. "Wenn ich die Nummer mit den US-Trainern lese, und die Bundesliga-Trainer jetzt mit den Nationalspielern vor und nach dem Training Sonderschichten einlegen, so kann ich das überhaupt nicht glauben", hat Ribbeck dem kicker gesagt. "Wenn das stimmt, ist das absolut lächerlich."Nur zur Erinnerung: Ribbeck, das war jener Bundestrainer, der die deutschen Fußballer bei der Euro 2000 souverän auf den letzten Vorrundenplatz geführt hat; der den Uralt-Libero Lothar Matthäus in die Mannschaft drückte, nur weil die Bild-Zeitung es so wollte; der einen Steinzeitstil verordnete und eine Taktik, die keine war. Ribbeck hat das Nationalteam derart in Grund und Boden verwaltet, dass es heute noch mit den Folgeschäden kämpft. Jetzt aber vereint er sich mit anderen Ehemaligen, mit Vogts und Völler, mit Derwall und Beckenbauer, zu einer merkwürdigen Allianz. Plötzlich kommen sie alle aus ihren Löchern, um die Neuerungen des Bundestrainers Jürgen Klinsmann zu kritisieren - und Ribbeck, der Golfer, kommt eben aus Loch 18.Es sind Beleidigte und Gescheiterte, die sich da mokieren, ausgerechnet nach dem frischen Auftritt gegen Brasilien. Natürlich kann man fragen, warum Klinsmann tags darauf wieder in die USA geflogen ist. Doch es geht nicht nur darum: Die Kritiker sind Bewahrer, die nicht verstehen, dass der Fußball angekommen ist in einer anderen Zeit.Die Branche ist voll von Konservativen dieser Art: So ist gerade bekannt geworden, dass Gerhard Mayer-Vorfelder, anders als vereinbart, im Deutschen Fußball-Bund weiterhin das Sagen über das Nationalteam haben soll. Sofort ist ihm Uli Hoeneß zur Seite gesprungen, der Manager des FC Bayern München, und Wolfgang Holzhäuser, sein Leverkusener Kollege, gleich dazu. Sie haben sich so schön mit Mayer-Vorfelder arrangiert, da können Veränderungen nur stören. Wobei Hoeneß und Holzhäuser das natürlich nicht so gut beurteilen können wie Erich Ribbeck. Der hat das große Ganze am besten im Blick, vom Golfplatz seiner Sonneninsel.

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