Loriot zum 90.

Von Parkplätzen und Plastikenten

Parkplatz-Posse, Quietscheentchen-Querelen und eine Spinne, die seinen Namen trägt. Nach dem Tod von Loriot vor mehr als zwei Jahren sind Dinge passiert, an denen der große Humorist wohl seinen Spaß gehabt hätte. An diesem Dienstag wäre er neunzig Jahre alt geworden.

BLZ
6 Min
"Sagen Sie jetzt nichts!" Alles Gute, lieber Loriot.

"Sagen Sie jetzt nichts!" Alles Gute, lieber Loriot.

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Neue Bücher, eine Ausstellung und Plastikenten auf dem Grabstein: Auch mehr als zwei Jahre nach seinem Tod ist der Humorist Vicco von Bülow unvergessen. Das, was er als Loriot in die Welt gesetzt hat, ist längst deutsches Kulturgut und zu seinem 90. Geburtstag an diesem Dienstag wird das landauf, landab gefeiert.

Der NDR bringt einen „großen Geburtstagsabend“ (16. November), neue Bücher kommen auf den Markt, seine Geburtsstadt Brandenburg an der Havel will ihm ein Denkmal setzen, Bremen hat das mit einem Loriot-Platz schon getan - Posse um einen Parkplatz, der ursprünglich seinen Namen tragen sollte, inklusive. Und vor dem Haupteingang des Funkhauses von Radio Bremen steht seit Sonntag das berühmte Loriot-Sofa - aus Bronze gegossen.
Die Weine aus dem legendären Loriot-Weinsketch „Vertreterbesuch“ gibt es inzwischen wirklich: Die „Oberföhringer Vogelspinne“, das „Hupfheimer Jungferngärtchen“ und der „Klöbener Krötenpfuhl“.

Fans schmücken Loriots Grab auf dem Berliner Waldfriedhof Heerstraße in Erinnerung an einen seiner berühmtesten Sketche mit gelben Quietscheentchen und in Erinnerung an seine große Leidenschaft mit Möpsen aus Porzellan - auch wenn Kritiker das pietätlos finden. Inzwischen trägt auch eine Spinne seinen Namen. Der Frankfurter Spinnenforscher Peter Jäger benannte einen zwei Millimeter großen Achtbeiner aus Laos nach Loriot.

Der Autor Stefan Lukschy zitiert Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) in seinem neuen Buch „Der Glückliche schlägt keine Hunde. Ein Loriot Porträt“: „Mit seiner vielfältigen Begabung, seiner Intelligenz und seinem feinsinnigen Humor hat Loriot auf unvergleichliche Weise brillante und zeitlose Unterhaltungskunst geschaffen.“

„Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos.“

Komiker Bastian Pastewka erinnert sich darin an seinen ersten Besuch bei den von Bülows und einen „übergroßen, feierlichen Kuchen mit Mops-Motiv“ und Michael „Bully“ Herbig, der Loriot 2009 den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises überreichte, berichtet, was der ihm nach der letzten Probe gesagt habe: „Schade, dass wir uns nicht früher kennengelernt haben.“ Der Auftritt beim Filmpreis sollte von Bülows letzter großer in der Öffentlichkeit sein. Er starb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren in Münsing am Starnberger See. „Bernhard-Viktor v. Bülow 12.11.1923 - 22.8.2011“ steht schlicht auf seinem Grabstein in Berlin.

Die genaue Beobachtung des Alltags des kleinen Bürgers, die gnadenlose Überzeichnung - und die „zerbröselte Kommunikation“, das Aneinander-vorbei-Reden: Das waren Loriots Themen. Sein Sprachwitz und seine Pointen sind längst legendär: der Sketch mit der Nudel im Gesicht, Lottogewinner Erwin Lindemann und die Knollennasenmännchen Dr. Klöbner und Müller-Lüdenscheidt in einer Hotelwanne im Streit um eine Badeente. Loriot hat Lebensweisheiten geprägt wie „Frauen und Männer passen einfach nicht zusammen“ und dem Publikum Filme hinterlassen wie „Ödipussi“ und „Pappa ante portas“.

Was wäre der deutsche Humor ohne ihn: Loriot. Seit Jahrzehnten freuen wir uns über seine Sketche, seine Cartoons, seine Filme. Kaum zu glauben, dass er nun nicht mehr da ist.

Was wäre der deutsche Humor ohne ihn: Loriot. Seit Jahrzehnten freuen wir uns über seine Sketche, seine Cartoons, seine Filme. Kaum zu glauben, dass er nun nicht mehr da ist.

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Zu seinem 85. Geburtstag kam er ins Museum. Im Berliner Film- und Fernsehmuseum war die bisher umfassendste Loriot-Ausstellung zu sehen.

Zu seinem 85. Geburtstag kam er ins Museum. Im Berliner Film- und Fernsehmuseum war die bisher umfassendste Loriot-Ausstellung zu sehen.

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Neben vielen Zeichnungen zeigte sie auch Trickfilme.

Neben vielen Zeichnungen zeigte sie auch Trickfilme.

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Der 87-jährige Loriot - mit richtigem Namen Vicco von Bülow - starb am 22.Augist 2011 in Ammerland am Starnberger See an Altersschwäche.

Der 87-jährige Loriot - mit richtigem Namen Vicco von Bülow - starb am 22.Augist 2011 in Ammerland am Starnberger See an Altersschwäche.

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Loriot, mit bürgerlichem Namen Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow, wird 1923 in Brandenburg a.d.Havel geboren. Er wächst in Berlin auf studiert nach dem Krieg Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg.

Loriot, mit bürgerlichem Namen Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow, wird 1923 in Brandenburg a.d.Havel geboren. Er wächst in Berlin auf studiert nach dem Krieg Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg.

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Die Karriere des Karikaturisten Loriot beginnt Anfang der 50er beim „Stern“. Doch bald verlangt sein Blick auf die Absurditäten dieser Welt nach alternativen Ausdrucksmöglichkeiten. 1967 sieht man Loriot erstmals auf deutschen Bildschirmen.

Die Karriere des Karikaturisten Loriot beginnt Anfang der 50er beim „Stern“. Doch bald verlangt sein Blick auf die Absurditäten dieser Welt nach alternativen Ausdrucksmöglichkeiten. 1967 sieht man Loriot erstmals auf deutschen Bildschirmen.

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Zunächst moderiert er mit knochentrockenem Humor alle drei Monate die Sendung "Cartoon", in der internationale Zeichentrickfilme vorgestellt werden.

Zunächst moderiert er mit knochentrockenem Humor alle drei Monate die Sendung "Cartoon", in der internationale Zeichentrickfilme vorgestellt werden.

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1976 folgt die Serie "Loriot", in der er gemeinsam mit Schauspielerin Evelyn Hamann in einer Vielzahl von bis heute populären Sketchen zu sehen ist.

1976 folgt die Serie "Loriot", in der er gemeinsam mit Schauspielerin Evelyn Hamann in einer Vielzahl von bis heute populären Sketchen zu sehen ist.

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Von Bülow greift darin - wie auch in seinen späteren Spielfilmen ("Pappa ante Portas", "Ödipussi") - den ganz normalen Wahnsinn des menschlichen Daseins auf.

Von Bülow greift darin - wie auch in seinen späteren Spielfilmen ("Pappa ante Portas", "Ödipussi") - den ganz normalen Wahnsinn des menschlichen Daseins auf.

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Evelyn Haman ist lange beruflich die Frau an seiner Seite, ...

Evelyn Haman ist lange beruflich die Frau an seiner Seite, ...

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... privat ist er mit Ehefrau Romy glücklich und ist Vater von zwei Töchtern.

... privat ist er mit Ehefrau Romy glücklich und ist Vater von zwei Töchtern.

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Er gewann im Laufe seines Lebens viele Auszeichnungen, u.a. die Goldene Kamera für sein Lebenswerk.

Er gewann im Laufe seines Lebens viele Auszeichnungen, u.a. die Goldene Kamera für sein Lebenswerk.

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Komiker unter sicht: Loriot mit Otto. Viel Sketche sind bis heute unvergessen ...

Komiker unter sicht: Loriot mit Otto. Viel Sketche sind bis heute unvergessen ...

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...wie der Badewannen-Sketch mit Herrn Doktor Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt, die sich ungewollt eine Badewanne und ein Gummientchen teilen.

...wie der Badewannen-Sketch mit Herrn Doktor Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt, die sich ungewollt eine Badewanne und ein Gummientchen teilen.

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Loriot demonstriert in einer Szene der Fernsehsendung "Telecabinett" 1974 Benimm-Regeln und korrekte Tischmanieren.

Loriot demonstriert in einer Szene der Fernsehsendung "Telecabinett" 1974 Benimm-Regeln und korrekte Tischmanieren.

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Die Entwicklung von Comic-Figuren (wie den berühmten "Knollennasenmann") gehört ebenfalls zum Repertoire des Humoristen.

Die Entwicklung von Comic-Figuren (wie den berühmten "Knollennasenmann") gehört ebenfalls zum Repertoire des Humoristen.

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Eine Ausstellung im Münchner Literaturhaus zeigt aber zum 90. Geburtstag einen anderen, bislang unbekannten Loriot. Unter Schlaflosigkeit habe er sein Leben lang gelitten, sagte Kurator Peter Geyer, ein Vertrauter der Familie von Bülow. „Er konnte seinen hellen Geist nicht einfach ausknipsen.“ Und so begann er, in der Nacht zu zeichnen. „Nachtschattengewächse“ hat er die Werke genannt, die dabei entstanden und die jetzt der Höhepunkt der Münchner Ausstellung sind.

Sie zeigen einen Loriot, wie man ihn nie zuvor gesehen hat. Einen etwas dunkleren, einen, der Fantasien zeigt, losgelöst vom gezeichneten Witz. Die lustigen Männchen mit der Knollennase geraten dabei immer weiter in den Hintergrund. Das, was Vicco von Bülow da nachts in seinem Haus am Starnberger See zu Papier brachte, erinnert entfernt an den Stil Picassos. Nackte Frauen mit zerfallenen Kronen sind auf den Zeichnungen zu sehen, ein Elefant mit Reißzähnen - und auch ein Mops, kubistisch zerlegt.

Apropos Mops: Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte zu Loriots erstem Todestag in Anlehnung an eines seiner berühmtesten Zitate: „Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos.“ (dpa)

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