Ludwigsfelde

Hier werden die Abi-Prüfungen für Berlin und Brandenburg ausgetüftelt

Im Landesinstitut für Schule und Medien arbeiten Lehrer in streng geheimer Mission.

Martin Klesmann
4 Min
Das Finale eines Schullebens ganz zum Schluss: Abiturienten bei der Prüfung.

Das Finale eines Schullebens ganz zum Schluss: Abiturienten bei der Prüfung.

© dpa

Nicht immer gelingt es, die angemessenen Aufgaben zu finden. Die Mathe-Aufgaben für das Zentralabitur 2016 etwa fanden viele zu leicht. Noch nie hat es so viele gute Noten gegeben. „Vertraulichkeit spielt hier eine ganz zentrale Rolle“, sagt Götz Bieber, seit fünf Jahren Lisum-Chef. Der penibel wirkende Mann sitzt im Haus 1, mittendrin. Es sei eine besondere Herausforderung, die Aufgaben in den vier Kernfächern Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch zu entwickeln. „Die Gruppe der Schüler, die die Aufgaben erprobt, muss der viel größeren Gruppe von Schülern, die die Aufgaben am Ende schreiben, möglichst ähnlich sein“, sagt Bieber. „Mit einer Reihe von Prüfschleifen“, so nennt er es, „versuchen wir sicherzustellen, dass die Aufgaben den Prüfungsschwerpunkten entsprechen.“ Einfach sei das nicht. Eine Prüfergruppe im Lisum kenne nur den eigenen Unterricht, nicht den Gesamtstand aller Schüler. „Deshalb gibt es immer wieder Debatten, ob diese oder jene Abi-Aufgabe zu leicht oder zu schwer war.“

Bundesweit einmalig

An diesem Freitag feiert das Lisum im Ludwigsfelder Ortsteil Struveshof (Teltow-Fläming) mit einem Festakt sein zehnjähriges Jubiläum. Es ist bundesweit die einzige Einrichtung, in der zwei Bundesländer gemeinsame Rahmenlehrpläne erstellen, Schulleiter und weiteres Personal qualifizieren, die zentralen Abituraufgaben in mehreren Fächern erarbeiten und Handreichungen für Lehrer entwickeln – jene zu „Schule und Islam“ war seinerzeit kontrovers diskutiert worden.

Gebaut wurde das Ensemble von 1914 bis 1917 als ländliche Erziehungsanstalt für Jungen und Mädchen. Derzeit werden hier vor allem die Schulberater fortgebildet, denn sie sollen den einzelnen Lehrerkollegien helfen, die neuen Rahmenlehrpläne anzuwenden. Aber auch Schulleiter erfahren hier, wie sie Konfliktmanagement betreiben oder eine gute Personalentwicklung an ihrer Schule hinbekommen. „Nicht jeder Lehrer ist auch eine geborene Führungskraft“, sagt Bieber. Gut 90 feste Mitarbeiter hat das Institut, hinzu kommen je 35 aus Berlin und Brandenburg abgeordnete Lehrer, die befristet im Lisum tätig sind. „Da sind sehr gute Leute dabei, aber auch Pädagogen, die dem Schulalltag entfliehen wollen“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter. Und wer einmal am Lisum arbeite, tue nicht selten vieles dafür, nicht wieder in den Schuldienst wechseln zu müssen. „Mit der Zeit geraten dann Veröffentlichungen etwas zu theorielastig.“

Ein Institut für zwei Bundesländer

Bei der Gründung vor zehn Jahren hatten Politiker in Berlin und Brandenburg die Vorstellung, dass die Region durch gemeinsame Institutionen enger zusammenwachsen würde. Zudem wirkte der Pisa-Schock nach. Das Lisum wird formal von Brandenburg betrieben, im Gegenzug erhielt Berlin das sozialpädagogische Fortbildungsinstitut im Jagdschloss Glienicke. „Es ist natürlich nicht immer leicht, mit zwei Ministerien zu kooperieren“, sagt Bieber. Man habe aber verlässliche Arbeitsformen gefunden.

Mittlerweile driften Berlin und Brandenburg bildungspolitisch wieder auseinander: 2011 hatte das Lisum in den vier Kernfächern ein zentrales Abitur entwickelt mit genau gleichen Aufgaben. Doch dann reformierte Brandenburg seine Oberstufe. Die dortigen Leistungskurse hatten nur noch vier statt wie in Berlin fünf Wochenstunden und es gibt weniger Auswahlmöglichkeiten. So wollte man auch in ländlichen Regionen noch ein Angebot aufrechterhalten, außerdem war es eine Annäherung an das DDR-Oberstufenmodell.

Digitaler Wandel

„Wir mussten dann für zwei Länder ein immer noch gemeinsames, aber facettenreicheres Aufgabenmodell entwickeln“, sagt Bieber. „Das hat dann ab 2014 auch funktioniert.“ Aber weitere Schritte zu gemeinsamem Abitur für beide Länder gibt es seither nicht. „Berlin und Brandenburg beteiligen sich an dem Aufgabenpool fürs Abitur, aus dem sich künftig alle Bundesländer bedienen können.“ Der wird gerade beim Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen eingerichtet.

Künftig wird es im Lisum verstärkt um den digitalen Wandel gehen, verspricht Bieber. Das Thema Medienbildung zieht sich bereits durch die neuen Lehrpläne. Und man ist dabei, eine Plattform für digitale Lern- und Lehrmittel auf dem Berlin-Brandenburgischen Bildungsserver einzurichten.

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