„Ich erwarte, dass man mir Zeit gibt, einen belastbaren Termin zu gewinnen“, sagte er im Hauptausschuss. Er brauche mehr Sicherheit und die „totale Kenntnis“ aller Fakten. Und erst müssten seine Mitarbeiter herausfinden, ob es weitere Risiken für das Projekt BER gebe, „die wir noch nicht kennen“. Dem Vernehmen nach will Lütke Daldrup frühestens im September 2017 einen Termin nennen.
Heiko Melzer von der CDU warf ihm „Rum-Eierei“ vor und fühlte sich „hinter die Fichte geführt“. Sebastian Czaja von der FDP vermisste jedweden Erkenntnisgewinn und kalauerte: „Das einzige, was am BER fliegt, sind Aufsichtsräte und Flughafenchefs.“ Doch Lütke Daldrup reagierte kühl und trank sein stilles Wasser mit aufreizender Gelassenheit.
Lütke Daldrup blieb übrig
„Rum-Eierei würde ich für mich nicht in Anspruch nehmen“: Diese Antwort auf die Kritik der CDU war auch schon das Äußerste an Emotionalität, was sich der neue Flughafenchef erlaubte. Nur selten sah er die Abgeordneten an, die ihn kritisierten. Lieber schaute der 60-Jährige in eine imaginäre Ferne oder nach draußen, wo gerade die Frühlingssonne schien.
Dabei hatte die CDU Recht, als sie darauf hinwies, dass Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) noch im Februar rasch einen neuen Eröffnungstermin gefordert hatte – möglichst im Frühjahr 2017. Im Februar war Lütke Daldrup noch Flughafenkoordinator des Landes Berlin, also Müllers Mitarbeiter.
Aber dann machte sich der damalige Flughafenchef Karsten Mühlenfeld unbeliebt, indem er den BER-Projektleiter Jörg Marks ohne Rücksprache mit den Gesellschaftern freistellte. Mühlenfeld musste gehen, am 5. März unterschrieb er einen Aufhebungsvertrag. Am 6. März beriet der Aufsichtsrat über seine Nachfolge. Nachdem andere mögliche Kandidaten abgesagt hatten, blieb Lütke Daldrup übrig.
Gut Nachrichten vom BER?
Der Bund äußerte Bedenken, es gebe noch externe Bewerber. Schließlich wurde der Stadtplaner doch noch einstimmig zum Vorsitzenden der Geschäftsführung gekürt. „Um 14 Uhr wurde ich gewählt, um 18 Uhr räumte ich mein Zimmer im Roten Rathaus“, erzählte Lütke Daldrup. Am 7. März fing er in Schönefeld an, einen Arbeitsvertrag hat er allerdings noch nicht. Vielleicht kann er ihn am Freitag unterzeichnen. „Dann werde ich selbstverständlich mein Amt als Staatssekretär aufgeben“, so der Flughafen-Chef.
Nach einem Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger gebe es eine 79-prozentige Chance, dass der BER im Sommer 2018 öffnen kann – wenn zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, was geplant sei. Nach dem Nordpier sei der südliche Flügel des zentralen Terminals fertig und von der Bauaufsicht freigegeben worden, so Lütke Daldrup. Es gebe auch gute Nachrichten vom BER.
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