Medizin

Luftröhren-Transplantation: Italienischer Arzt zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Mit der Transplantation künstlicher Luftröhren wollte Paolo Macchiarini Medizingeschichte schreiben. Mehrere Patienten starben. Jetzt wurde der Chirurg verurteilt.

Team News AFP/BLZ
2 Min
Der italienische Arzt Paolo Macchiarini ist zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. 

Der italienische Arzt Paolo Macchiarini ist zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. 

© Magnus Andersson/TT News Agency/AFP

Ein Berufungsgericht hat den italienischen Arzt Paolo Macchiarini zu zweieinhalb Jahren Haft wegen schwerer Körperverletzung in drei Fällen verurteilt. Früher war er für eine angeblich bahnbrechende neue Methode der Luftröhren-Transplantation bejubelt worden. Jetzt kam raus, dass zwei seiner Patienten ohne die Transplantationen länger hätten leben können. Bei einem weiteren Patienten sei der Eingriff trotz medizinischer Notlage „unverantwortlich“ gewesen, erklärte das zuständige Berufungsgericht am Mittwoch in Stockholm.

Macchiarini hatte 2011 mit seiner Methode für Schlagzeilen gesorgt. Er behauptete damals, als Chirurg am Stockholmer Karolinska-Institut eine künstliche Luftröhre transplantiert zu haben. Das Verfahren wurde als Durchbruch in der regenerativen Medizin gepriesen.

Macchiarini operierte insgesamt acht Patienten – sieben inzwischen tot 

Insgesamt operierte der heute 64-Jährige zwischen 2011 und 2014 acht Patienten, drei in Schweden und fünf in Russland. Sieben von ihnen sind inzwischen gestorben. Der Tod der drei Patienten in Schweden wurde nicht direkt mit den Transplantationen in Verbindung gebracht.

Dennoch hätten sich zwei von ihnen „nicht in einer Notlage“ befunden und „ohne die Eingriffe für eine nicht unwesentliche Zeit weiterleben können“, befand das Berufungsgericht. Der dritte Patient sei zwar in einer gesundheitlichen Notlage gewesen, dennoch sei die Operation „unverantwortlich“ gewesen.

Macchiarini erhielt vor einem Jahr Bewährungsstrafe

Vor einem Jahr hatte Macchiarini für die Taten noch eine Bewährungsstrafe erhalten. Ein Gericht in Solna hatte ihn für schuldig befunden, einem Patienten körperliches Leid zugefügt zu haben. In zwei Fällen wurde er damals aber wegen der schlechten Gesundheit der Patienten vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung gingen daraufhin in Revision – nun sprach das Berufungsgericht sein Urteil.

Das Berufungsgericht urteilte zudem, dass Macchiarini mit Vorsatz gehandelt habe. „Das waren keine impulsiven Handlungen, das waren geplante Eingriffe“, erklärte Richterin Maria Holcke.

Die Karolinska-Universitätsklinik hatte 2013 alle Transplantationen des italienischen Arztes ausgesetzt und Macchiarinis Vertrag als Chirurg nicht verlängert.

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