Der Mann, der die Kritik ausspricht, ist nicht irgendjemand: Der Milliardär Chip Wilson hat Lululemon 1998 selbst gegründet. Doch wie sich die durch Yoga inspirierte kanadische Sportmarke inzwischen ausrichtet, das sagt ihm gar nicht zu: „Die versuchen, wie Gap zu werden: alles für jeden“, sagte Chip Wilson kürzlich dem Forbes-Magazin. „Und ich glaube, die Definition einer Marke ist gerade, dass man nicht versucht, alles für jeden zu machen. Man muss klarstellen, dass man bestimmte Kunden nicht bei sich will.“
Hintergrund ist folgender: Wilson, 1955 geboren im kalifornischen San Diego als Sohn zweier College-Athleten, verabscheut das, wie er sagt, „ganze Diversity- und Inklusions-Ding“ von Lululemon. Models in der Lululemon-Werbung findet er, so wird er in Forbes zitiert, „ungesund“, „kränklich“ und „nicht inspirierend“. Das Unternehmen, das auch in Berlin zwei Läden betreibt (am Kurfürstendamm 26 in Charlottenburg und in der Alten Schönhauser Straße 32a in Mitte) hat in den vergangenen Jahren mit integrativeren Kampagnen begonnen, in denen Menschen verschiedener Hautfarben und auch mit kurvigeren Körpern gezeigt wurden.
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Im Netz werden Wilsons Aussagen schon heftig diskutiert und auch zum Boykott der Lululemon-Marke aufgerufen. Es ist nicht das erste Mal, dass Wilson, der 1980 im kanadischen Calgary seinen Bachelorabschluss in Wirtschaft machte und später als Begründer des Trends von alltagstauglichen Sportklamotten galt, seiner Marke Ärger brachte: Schon 2013 sagte er, die Körper mancher Frauen seien eben nicht für die hautengen Lululemon-Leggings geeignet. Das stieß damals auf so viel Kritik, dass Wilson das Amt als Vorstandsvorsitzender räumen musste. 2016 wandte sich Wilson in einem offenen Brief an andere Anteilseigner: Lululemon habe den Markt anderen Marken wie Nike überlassen.
Jetzt distanziert sich die Marke Lululemon abermals von ihrem inzwischen mit seiner Frau in Vancouver lebenden Gründer: „Chip Wilson spricht nicht für Lululemon“, so ein Sprecher, „und seine Kommentare spiegeln nicht die Ansichten oder Überzeugungen unseres Unternehmens wider.“ Das mag so sein. Ganz raus ist Chip Wilson allerdings nicht: Er hält acht Prozent der Unternehmensaktien – und ist somit der größte private Anteilseigner der Sportartikelkette.
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