Luxemburg

Der Mann nach Juncker

In Luxemburg stellt der neue Regierungschef Xavier Bettel am Freitag sein Regierungsprogramm vor. Es heißt Sparen, Sparen und gesellschaftlicher Wandel.

Peter Riesbeck
3 Min
Xavier Bettel, designierter Regierungschef Luxemburgs

Xavier Bettel, designierter Regierungschef Luxemburgs

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Der Umsturz in Luxemburg kam mit einem Lächeln. Als am Wahltag im Oktober noch alle den ewigen Premier Jean-Claude Juncker feierten, trat spätabends der liberale Spitzenkandidat Xavier Bettel vor die Kameras und sagte: „Arithmetisch ist ein Dreierbündnis möglich.“ Die Rechnung ging auf, Bettels Liberale bilden mit Sozialdemokraten und Grünen eine Regierung. Am Freitag wollen sie den Koalitionsvertrag präsentieren, nächste Woche soll Bettel zum Regierungschef gewählt werden. Erstmals seit 1979 landen Luxemburgs Christdemokraten in der Opposition, erstmals seit 1982 hat Juncker kein Regierungsamt inne.

Es ist das Ende einer Ära, aber Bettel sagt nur: „Es ist kein Bündnis gegen Juncker, es ist eine Koalition für das Land.“ Und eine Koalition der Jugend. Bettel ist 40, seit 2011 Bürgermeister in Luxemburg. Auch da verdrängte er einen Altgedienten von der Macht und verschaffte sich rasch Respekt. Stets mittwochs lud er zur Sprechstunde, notfalls auch via Facebook. Ein Hauch von E-Demokratie.

„Ich brauche den Kontakt zu den Menschen“, so Bettel. Jeans, weißes Hemd, den Schal lässig um den Hals geschlungen, läuft er durch seine Stadt. Hier und da wird ihm die Hand zum Gruß entgegengestreckt. Bettel will mehr als nur nett sein, er will mit Junckers hierarchischem Führungsstil brechen. Damit verlangt er dem Land etliches ab. Während die Koalition in Berlin auf den größten gemeinsamen Ausgabennenner setzt, baut Bettel aufs Sparen, Reformen und den gesellschaftlichen Wandel. „Die nächste Regierung wird Maßnahmen treffen müssen, die nicht von allen Beifall erhalten“, so Bettel. Das Luxemburger Modell nach Art der CSU, ein bisschen soziale Milde, ein bisschen Patriotismus und ganz viel Konservatismus, wandelt sich. Dem Nationalfeiertag etwa soll der sakrale Charakter genommen werden, das „Großer Gott wir loben dich“, soll künftig nicht mehr erklingen.

Offen hat sich Bettel zu seiner Homosexualität bekannt. Christdemokraten haben ihn deshalb als Fräulein beschimpft. Verständlich, dass seine Neigung, eine christliberale Koalition zu bilden, gering war. Sein Partner hat ihm übrigens zum Dreierbündnis geraten. Gambia-Koalition wird das Ganze genannt. Doch das Land ist weit entfernt von afrikanischen Verhältnissen.

Bettel fand den Weg in die Politik übrigens schon als Grundschüler. Damals organisierte er eine Demo für einen Spielplatz. Der wurde gebaut. Er hat also schon früh Durchsetzungskraft gezeigt.

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