Mach ihn wieder klein

Ivanka Trump besitzt nun ein „Fake“ von Richard Prince

Irmgard Berner
3 Min
Der US-Künstler Richard Prince

Der US-Künstler Richard Prince

© dpa

Das ist kein Scherz. „Trump hat mir keine Wahl gelassen“, schrieb der US-Künstler Richard Prince vor einigen Tagen auf Twitter. Prince, dessen Bilder auf Auktionen für bis zu zehn Millionen Dollar versteigert werden, hat die Urheberschaft eines seiner Werke zurückgezogen: „This is not my work. I did not make it. I deny. I denounce“, posaunte er, Donald Trumps aggressiven Tonfall imitierend.

Bei dem Bild nun handelt es sich um eine Arbeit, die der 67-jährige Prince vor zwei Jahren an das Sammler-Ehepaar Jared Kushner und Ivanka Trump für 36 000 Dollar verkauft hatte und dem er jetzt das Geld zurückerstattete. Man kann es ein sehr persönliches Bild nennen, gleichwohl pikant, denn darauf abgebildet ist Trump-Tochter Ivanka, wie sie von sich ein Selfie macht, während sie im Bademantel vorm Spiegel am Schminktisch sitzt und zwei Stylisten ihr Haar zurechtfrisieren. Prince hatte sich das Bild von dem Online-Foto-Dienst Instagram geholt und es in seine „Instagram“-Porträt-Serie integriert. Für diese Bildnisse benutzte er Posts von Prominenten und jungen unbekannten Frauen und Männern, versah sie mit eigenen Kommentaren und druckte sie auf Leinwand in der Größe 1,80 mal 1,20 Meter. Unter dem Post von Ivanka Trump textete er damals „Nurse Trump“, eine Anspielung auf seine Krankenschwester-Bilder, für die er Titelbilder von Trivialromanen abmalte.

Als diese Porträts erstmals 2014 in der New Yorker Gagosian Gallery ausgestellt wurden, lösten sie Hasswellen im Internet aus. Prinz, der sich in den 1980er Jahren einen Namen als Aneignungskünstler machte, der den Akt des Kopierens und sein Resultat selbst als Kunst versteht, wurde als Voyeur beschimpft. Kushner/Trump jedenfalls kauften das Bild. Nun ist es ein „Fake“, twittert Prince.

Ein ungewöhnlicher Schritt, den der Künstler mit dieser „Enteignung“ gegen seine Sammler unternommen hat. Aber tatsächlich sei es wohl möglich, schreibt die Kunstmarkt-Autorin Georgina Adam auf Twitter, im Rahmen des „Visual Artists Rights Act“ eine Autorenschaft zurückzuziehen und damit den Wert eines Werkes zu vernichten. Der Visual Artists Rights Act spricht Künstlern auch nach dem Verkauf ihrer Arbeiten noch einige Rechte über diese zu, etwa wenn der neue Besitzer das Werk nicht ordnungsgemäß behandelt. Richard Prince wiederum twittert, dass die Aberkennung der Autorenschaft als politische Aktion zu verstehen sei. Sie habe nichts mit ästhetischen Fragen zu tun. Die Kunstkritikerlegende Jerry Saltz vom New York Magazine, der selbst gerne mit der Kunstwelt abrechnet, forderte in den sozialen Netzwerken andere Künstler dazu auf, dem Beispiel zu folgen. Und auf Instagram versucht unter dem Account @dear_ivanka die Halt Action Group, zu der auch die einflussreiche Kuratorin Alison Gingeras gehört, die älteste Trump-Tochter zum Einwirken auf ihren Vater einzuschwören.

Seit Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, ringen US-Künstler um angemessene Reaktionen. Und Richard Prince ist nicht zum Scherzen zumute: Aberkennung und Rückerstattung des Kaufpreises mache Trump „small again“. Es ist eine neue Art von Protestkultur, mit der Künstler hier mit ihren Mitteln den Kampf gegen Trump aufnehmen. Und womöglich eine Kunst namens „fake art“ ins Rollen bringen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema