Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano hat offiziell angekündigt, für den Parteivorsitz der Linken zu kandidieren. Damit stellt sich der 46-jährige Sohn italienischer Einwanderer als Nachfolger für Jan van Aken zur Wahl, der seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen bekannt gegeben hatte. Pantisano wäre der erste Vorsitzende der Partei mit Migrationsgeschichte, ein Schritt, der die sich wandelnde Identität der Linken widerspiegelt.
Pantisano, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, betonte, dass er den von van Aken und Ines Schwerdtner eingeschlagenen Kurs weiterführen und vertiefen wolle. „Jan und Ines haben die Partei stabilisiert und erneuert“, sagte er im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Auf seiner Website erklärte er, die Linke solle weiterhin eine „organisierende Klassenpartei“ sein, die sich für die arbeitende Bevölkerung starkmache und enttäuschte Wähler zurückgewinne.
Schwerdtner kann sich Doppelspitze vorstellen
Die Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner äußerte sich positiv über Pantisano, mit dem sie bereits vertrauensvoll zusammengearbeitet habe. Sie könne sich eine Doppelspitze mit ihm „sehr gut vorstellen“. Trotz der Unterstützung von Schwerdtner und van Aken bleibt die Entscheidung offen. Der Parteitag im Juni in Potsdam wird darüber abstimmen.
Pantisano, der als Mitbegründer des Netzwerks „Linkskanax“ aktiv ist, sieht sich als Vertreter einer jüngeren, migrantischen und westlich geprägten Linken. Seine politische Laufbahn begann er als Mitarbeiter des ehemaligen Parteivorsitzenden Bernd Riexinger. Zudem erlangte er 2020 bei der Bürgermeisterwahl in Konstanz Aufmerksamkeit, wo er im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhielt, in der Stichwahl jedoch unterlag.
Soziale Ungleichheit bekämpfen
In seiner Kandidatur betont Pantisano die Notwendigkeit, die soziale Ungleichheit zu bekämpfen, rechte Tendenzen aufzuhalten und die Interessen der arbeitenden Bevölkerung direkt in den Fokus zu rücken. Er plant eine bundesweite Tour, um mit Kreisverbänden und Beschäftigten in Betrieben in Kontakt zu treten. „Wir müssen die Betriebe zurückgewinnen“, erklärte er und rief dazu auf, gemeinsam eine Linke mit 200.000 Mitgliedern aufzubauen.
Seine Bewerbung kommt zu einer Zeit, in der die Partei nach einer erfolgreichen Bundestagswahl 2025, die sie mit 8,8 Prozent zurück ins Parlament brachte, vor Herausforderungen steht. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz konnte die Linke jedoch die Fünf-Prozent-Hürde nicht überwinden.
Ob Luigi Pantisano die Delegierten von seinem Programm überzeugen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass seine Kandidatur frischen Wind in die Partei bringen könnte.
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