Männermagazine

Warum Hefte für Männer altbacken sind

Das Magazin „Free Men’s World“ zelebriert die Präpotenz.

Marcus Weingärtner
3 Min
Immer schön raus ins Freie und zwar am besten mit den Buddies.

Immer schön raus ins Freie und zwar am besten mit den Buddies.

© freemen’s world

Free Men’s World ist ein Magazin für Männer, wie es der etwas holprige Titel schon vermuten lässt. „Abenteuer gibt es noch“ lautet der Titelzusatz. Und wer wissen möchte, aus welchem Holz Männer geschnitzt sein sollen, die dieses Magazin lesen, dem hilft ein Blick auf die Rückseite der aktuellen Ausgabe.

Dort wird eine so klotzige wie hochpreisige Uhr mit neuseeländischen Rugbyspielern beworben, welche den Ureinwohnern des Landes, den Maori, durch eine Art Aufwärmtanz vor ihren Spielen Tribut zollen: „Das Leben mancher Menschen wird von Kompromissen bestimmt. Andere sind bereit, ein Leben lang etwas zu wagen.“ Was gewagt werden soll, bleibt nebulös. Die Assoziationskette jedoch, die sich bei solchen Slogans einstellt, wird im Heftinneren gespiegelt: Es sind angebliche Abenteuer und martialische Herausforderungen. Jede Seite gleicht einer Aufforderung, auf präpotente Weise die eigene Männlichkeit unter Beweis zu stellen.

Männermagazine sind altbacken

Das Ganze – und da ist Free Men’s World exemplarisch für Magazine wie GQ, Beef oder Men’s Health – wirkt so anachronistisch wie verzweifelt bemüht, eine Männlichkeit zu feiern, die es in dieser Form mindestens seit den Fünfzigern nicht mehr gibt. Die Welt hat sich mittlerweile ein wenig gedreht, wenn auch nur langsam, so doch weg von einem Männerbild, wie es hier propagiert wird. Komplett losgelöst vom Zeitgeschehen muss in diesen Heften die äußere Welt regelrecht bezwungen werden, um einen inneren Frieden zu finden. Sei es wandernd, reisend, segelnd, jagend, fischend oder sich sonst wie an irgendeiner Art von körperlichem Limit orientierend.

Die Zutaten für diesen Eskapismus sind dieselben und scheinen den Käufern offenbar nie langweilig zu werden: Körperliche Aktivitäten (siehe oben), Uhren, Mobilität in Form von Fahrrädern, Autos, Motorrädern, Outdoorbekleidung und das dazugehörige Betätigungsfeld sowie der Abbau von Stress, der laut den Machern durch diese Formen der Betätigung zu erlangen ist. Es ist ein Aufruf zur Mobilmachung einer Gruppe Menschen, die zutiefst verunsichert scheint von den aktuellen Entwicklungen, nicht zuletzt jener um das eigene Geschlecht. Längst haben Genderdebatten und das Hinterfragen überkommener Rollenbilder einen ganz anderen Typus Mann im Blick.

Das Geschlechterbild ist ein anderes

Das altbackene Genre Männermagazin indes scheint alles zu tun, um einer vermeintlichen Verweichlichung entgegenzuwirken. Absent sind indes alle wirklich interessanten Themen. Denn es geht niemals um Politik, es geht weder um Frauen noch um Minderheiten, was faszinierend ist bei so viel kerniger Männlichkeit, die sich in Zelten, auf Safaris und an Lagerfeuern zusammenfindet. Es geht auch nie um eine Art geistige Selbstfindung über Religion oder Literatur, weder Philosophie noch digitales Leben finden statt und wenn, dann nur als verwaschener Orientierungspunkt eines anstrengenden Alltagslebens, von dem Mann sich endlich mal erholen muss – endlich ohne Handy, ohne iPad, nur bewaffnet mit Angel, Messer und Kompass.

Das alles wirkt von der Realität so losgelöst märchenhaft und gleichzeitig so unpraktikabel für einen herkömmlich arbeitenden Menschen, dass es fast süß ist. In der kommenden Ausgabe von Free Men’s World geht es übrigens um das Skifahren abseits der Pisten mit einem Extremsportler und einen Mann, der mit Orcas zusammenlebt.

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