Märkte in Polen

Polenmarkt immer stärkerer Publikumsmagnet

Der Polenmarkt direkt an der Oder in Slubice ist ein Publikumsmagnet. Kein Wunder: Eine Jeans kostet 15 Euro, eine Stange Zigaretten 23 Euro. Nun soll er erweitert werden. Ein Besuch.

Mathias Raabe
4 Min
Kurze Wege: Einfach mal rüber über die Stadtbrücke zu den Märkten in Polen.

Kurze Wege: Einfach mal rüber über die Stadtbrücke zu den Märkten in Polen.

© BLZ/Isabella Galanty Lizenz

Wir sind auf dem sogenannten Polenmarkt in Slubice. Das kleine Städtchen direkt an der Oder – vor dem Zweiten Weltkrieg hieß es Dammvorstadt – war einmal ein Teil von Frankfurt (Oder). Jetzt lebt der 16.000-Einwohner-Ort vom Grenzhandel. Und zu dem gehören Zigaretten. In Deutschland kostet eine 18er-Box locker schon mal 5 Euro, Polen ist dagegen ein richtiges Paradies.

Ab 23 Euro geht dort die Stange mit 200 „Kippen“ über den Ladentisch. Und das lief bislang gut. Bis die Meldung kam, dass die EU plane, ab 2014 die zollfreie Einfuhr auf 300 Zigaretten pro Person zu beschränken. Inzwischen sind diese Überlegungen wieder vom Tisch – 800 Zigaretten (also vier Stangen) können wie bisher ohne Probleme zollfrei eingeführt werden. Und mit Zetteln in deutscher Sprache weisen die Händler darauf hin. „Zigaretten sind für die Händler ganz wichtig“, sagt Grzegorz Szram.

Neue Konkurrenz

Szram ist 51 Jahre alt und Vize-Chef der Händlervereinigung Odra. Die betreibt den Markt in Slubice. Wie viele Zigaretten täglich verkauft werden, das will oder kann uns der Odra-Manager nicht sagen. „Unser Angebot ist ja viel breiter“, sagt Szram. Und das stimmt natürlich. Es gibt Büstenhalter für drei Euro das Stück, Leggins für fünf Euro, das Strickkleid soll nur mit 15 Euro zu Buche schlagen, die Damenjeans wird auch schon für 15 Euro angeboten, die Packung Kaffee liegt für 2,50 Euro bereit. Also für jeden etwas. Jedenfalls für die, die mit ihrem Geld knallhart haushalten müssen. Und das sind viele, die von der deutschen Seite der Oder kommen.

Marianne und Heinz Lubas sind regelmäßig in Slubice. „Wir haben keine dollen Renten, da muss man schon zusehen, wie man das Geld ausgibt“, sagt die 72-Jährige. Das Paar kauft auch regelmäßig Nahrungsmittel in Polen – Butter, Wurst, Käse, Gemüse. „Das ist hier doch viel billiger“, sagt Lubas. Dass ein Teil der angebotenen Textilien und Schuhe markenrechtlich durchaus bedenklich ist, stört sie nicht wirklich.

Der Markt floriert. Das bestätigt auch Odra-Mitglied Szram. Dabei sind inzwischen auch die deutschen Discounter wie Lidl in Polen präsent – und verkaufen Lebensmittel zu Kampfpreisen. „Wir sind trotzdem immer noch billiger“, sagt Szram.

Der Markt in Slubice sieht inzwischen aus, wie für die Ewigkeit gemacht: Nun gut – aber auf jeden Fall für die nächsten zehn, zwanzig Jahre. Die Stände sind massiv aus Metall und Blech gebaut. Die gesamte Anlage mit 425 Buden ist komplett überdacht, es gibt Toiletten, Wasseranschlüsse und Stromversorgung. Und alle Stände sind vermietet, versichert Szram.

Seit Oktober 2011 ist das so. Da war der Slubicer Markt neu eröffnet worden. Knapp fünf Jahre zuvor, am 10. Januar 2007 war der alte Markt mit seinen über 1 000 Buden abgebrannt. Inzwischen gibt es auch einen großen Parkplatz für die Gäste aus Deutschland, aber auch für die vielen Polen, Ukrainer und Türken, die hier regelmäßig einkaufen, wie Szram betont. Und, die polnischen Händler gehen mit der Zeit: Aktuell im Angebot die E-Shisha (natürlich „to go“) für nur zehn Euro das Stück oder die „Fack ju Göthe!“-DVD für nur fünf Euro. Und dazu dröhnt aus den Lautsprecherboxen Andrea Bergs „Atlantis“-CD.

An Wochenenden ist es in Slubice richtig voll, sagt Szram. Wie viele Kunden dann so kommen, auch das will oder kann er nicht sagen.

Rund 300 Händler sind im Odra-Verband Mitglieder. Sie haben zusammengelegt und mit insgesamt 14 Millionen Zloty (umgerechnet 3,5 Millionen Euro) den Wiederaufbau des Marktes selber finanziert und auch noch 11 000 Euro für den Kauf jedes Standes bezahlt. „Einen Bankkredit haben wir nicht bekommen“, sagt Szram.

Das Areal, auf dem der Markt steht, wurde von der Stadt gepachtet. Und trotzdem gibt es jetzt Ärger. Slubices Bürgermeister Tomasz Ciszewicz, sagt Szram, plant direkt neben dem Odra-Markt ein neues Handelsareal. 150 Stände sollen dort angeblich ab April gebaut werden. Das, sagt Szram, ist zu viel für die Stadt. „Wir haben hier schon genug Märkte. Kommt noch ein neuer hinzu, kommen wir alle in Schwierigkeiten.“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de