Seit dem 24. Februar 2022 ist sie von der Promenade Unter den Linden vor der russischen Botschaft nicht mehr wegzudenken: die Mahnwache, die an die Opfer des russischen Angriffskrieges in der Ukraine erinnert. Auf einer Tafel am Boden sind aktuelle Bilder von Bombenschäden in ukrainischen Städten, verletzten Einsatzkräften und trauernden Zivilisten zu sehen; daneben stehen die Namen und das Alter von einigen der mehr als 500 Kinder, die bei russischen Luftangriffen getötet wurden. Um die Tafel herum stehen Kerzen, Kinderspielzeug und Sonnenblumen – das inoffizielle Staatssymbol der Ukraine.
Meistens sind die Freiwilligen, die an diesem Ort Wache halten, nur da, um Fragen von Passanten zu beantworten. Am Dienstag geschieht aber etwas Größeres: Kurz vor dem Unabhängigkeitstag der Ukraine am 24. August veranstaltet das Mahnwache-Team in Zusammenarbeit mit dem Verein Ukraine-Saarland-Berlin e.V. ein vielfältiges Programm mit Kunst, Tanz und Redebeiträgen. Dabei wollen die Organisatoren ein „Licht der Freiheit für die Ukraine“ stiften – und das Unrecht beleuchten, das der Krieg mit sich gebracht hat.
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„Das Licht hat für uns hier immer eine Rolle gespielt“, sagt Jens Bortnowsky; er ist einer der Freiwilligen, die seit dem ersten Tag des russischen Angriffskrieges hier Mahnwache halten. Damit meint er die Kerzen, die hier jeden Abend zum Gedenken an die Kriegsopfer angezündet werden – aber auch, dass dies ein Ort ist, wo man den Krieg präsent machen will, damit die Passanten und Touristen auf der Straße nicht wegschauen können.
Jens Bortnowsky ist einer der freiwilligen Ordner, die jeden Tag Mahnwache für die Opfer des russischen Angriffskrieges in der Ukraine halten.
© Benjamin Pritzkuleit
Am Dienstagnachmittag wird das Wegschauen noch schwieriger: Von 17 Uhr bis in den späten Abend haben Bortnowsky und seine Mitorganisatoren ein Programm mit Rednern und Unterhaltung zusammengestellt, um auf das Kriegsleid in der Ukraine aufmerksam zu machen. Unter anderem wird Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, einen Redebeitrag halten. Daneben treten auch ukrainische Musiker sowie die Tänzer Iana Salenko und Oleksandr Shpak vom Staatsballett Berlin auf. Am Abend wird außerdem die ukrainische Suppe Borschtsch serviert.
Ein weiterer Aspekt an diesem Tag sind die „Lampen für den Frieden“ der Künstlerin Ursula Langwieler: Sie werden noch bis 0 Uhr in der Nacht zu Mittwoch die Straße beleuchten. Die Form der Lampen erinnert an Tränen; ihre Verzierungen in verschiedenen Farben wirken wie Federn oder weiches Schilf. Sie sind ein Symbol, sagt die Künstlerin, für die Leichtigkeit, die entsteht, wenn man jeden Tag etwas Gutes für den Frieden tut.
Freiwillige der Ukraine-Mahnwache: „Wir bleiben bis zum Sieg“
Langwieler hat die Lampen bereits am Flughafen Klagenfurt in Österreich, wo sie zu Hause ist, sowie im Stephansdom in Wien ausgestellt; eine Aktion mit den Lampen vor der russischen Botschaft in Wien war geplant, kam aber nicht zustande. „Unsere Versammlung war schon bei der Polizei angemeldet – dann sind wir angefahren und uns sagte ein Beamter, die Lampen selbst dürften wir nicht ausstellen, denn wir stünden auf russischem Territorialgebiet“, erzählt Langwieler. Sie findet es richtig, dass solche Aktionen in Berlin stattfinden dürfen. „In Österreich wollen viele nur neutral bleiben“, sagt sie. „Für mich ist Neutralität aber das Gleiche wie Wegschauen.“
Die Künstlerin Ursula Langwieler hat ihre Lampen für den Frieden auch im österreichischen Klagenfurt und in Wien ausgestellt.
© Benjamin Pritzkuleit
Unmittelbar nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine plante sie, mit ihren Lampen durch Deutschland und Polen zu reisen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen, und ihre Reise schließlich in der Ukraine zu beenden. Doch der Krieg dauert länger an, als sie ursprünglich erwartet hatte; nun will sie mit den Lampen anderweitig für den Frieden demonstrieren. Denn je länger der Krieg andauert, desto wichtiger sei es, in Europa zu beleuchten, was in der Ukraine passiert, sagt Langwieler. Es ist immer noch ihre Hoffnung, dass ihre Lampen eines Tages eine letzte Heimat in der Ukraine finden werden.
Über den Unabhängigkeitstag hinaus haben die Freiwilligen der Mahnwache keine Pläne, diesen Posten aufzugeben. „Wir bleiben hier bis zum Sieg – das ist unser Motto und unser Ziel“, betont Jens Bortnowsky. „Wir verhalten uns hier nicht aggressiv oder verursachen Konfrontationen – aber diesen Druck auf den Aggressor wollen wir bis zum Schluss aufrechterhalten.“ Das, findet er, ist das Mindeste, was man nach fast 18 Monaten vollmäßstablichen Krieges machen müsse.
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