So viel Aufmerksamkeit bekommt eine Sendung im Dritten ARD-Programm selten: Bundesweit schalteten am späten Sonntagabend mehr als eine Million Zuschauer das neue Aufklärungsmagazin „Make Love“ im MDR ein, das Web-Angebot wurde so stark frequentiert, dass die Server überlastet waren.
Zu sehen ist in dem fünfteiligen Magazin aber vor allem eine Moderatorin, die wohltuend natürlich mit den Menschen über Intimes ins Gespräch kommt: Ann-Marlene Henning. In der Startfolge betrat sie zunächst einen Baucontainer Unter den Linden, um Monteure zu ihrem Liebesleben zu befragen und kümmerte sich dann um ein junges Paar in Böblingen, das sich liebt, aber kaum noch Sex hat. „Make Love“ versucht vor allem, die Kommunikation zum Thema zu stimulieren – auch beim Zuschauer.
„Sexucation“ als Vorbild
Die aus Dänemark stammende, in Hamburg praktizierende Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning suchte schon seit Längerem nach einem Weg in die Medien. Sie betreibt den Videoblog doch-noch.tv, brachte das Aufklärungsbuch „Make Love“ heraus und fand in der dänischen Sendung „Sexucation“ ein Vorbild. Ihr Verleger stellte den Kontakt zu Filmproduzent Christian Beetz her, einem vielfach ausgezeichneten Mann, der aus Prinzip nicht für private Sender arbeitet. Beetz reizte die Idee, ein solches Aufklärungsmagazin konsequent dokumentarisch anzugehen und fand in den Redakteuren von MDR und SWR Verbündete.
Dass diese Aufklärung auch in Zeiten der allseits verfügbaren Sexbilder nötiger ist denn je, hat Ann-Marlene Henning immer wieder erfahren. „Porno-Videos setzen viele unter Druck, weil sie ein ganz falsches Bild vom Liebemachen zeigen“ erklärt sie und setzt hinterher: „Oder haben Sie etwa solchen Sex?!“
Ungezwungener als die ironischen Versuche
Ann-Marlene Henning wirkt nicht wie eine Therapeutin, sondern bringt auch eigene Erfahrungen ein, um den Gegenüber ins Gespräch zu ziehen. Während des Studiums hat sie als Model gearbeitet und kennt keine Angst vor Kameras. So wirkt „Make Love“ weitaus ungezwungener und zugleich informativer als die betont ironischen Versuche in den digitalen ZDF-Kanälen, etwa „Heiß und fettig“.
Der dokumentarische Ansatz von „Make Love“ führt nicht nur zur Vermittlung von statistischen Fakten zum Liebesleben der Deutschen, sondern auch zum Zeigen realer Bilder vom Sex. Wie hier die Aufnahmen eines Liebespaares mit grafischen Bildern aus dem Körperinnern überblendet werden, um etwa vorzuführen, wie die weibliche Prostata stimuliert werden kann, das ist neu und originell und hat mit Pornografie nichts zu tun. Das Paar, das vor der Kamera auch Beckenbodentraining vorführt, sei kein echtes Paar, erläutert die TV-Therapeutin. „Das sind zwei Tantralehrer aus Berlin, die ein ganz natürliches Verhältnis zu ihren Körpern haben.“
In der zweiten Folge „Wie sag ich’s meinem Kind“ an diesem Sonntag geht Ann-Marlene Henning in eine Schulklasse und bricht die Scheu der 12-14-Jährigen, indem sie das Klassenzimmer mit einer Penis-Vulva-Galerie ausstattet und vorführt: Jedes Geschlechtsteil ist so individuell wie das Gesicht – es gibt keine Norm. Vor allem aber bringt die Folge Kinder und Eltern miteinander ins Gespräch. Reden über Sex bleibt das Wichtigste.
Make Love: Am Sonntag um 22.20 Uhr folgt der zweite Teil im MDR. Die dritte Folge zeigt das SWR Fernsehen am 20.11. um 22 Uhr.
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