Malaga will sein Image als Kulturstadt aufpolieren. Da kommt der Geburtstag vom berühmten Sohn Pablo Picasso gerade recht

Aus Passion zu Picasso

Julia Macher
3 Min

Irgendjemand hat Picasso den Bleistift geklaut. Und so sitzt er jetzt ohne sein wichtigstes Arbeitsinstrument auf einer Bank an der Plaza de la Merced, vor dem Eckhaus mit der Nummer 15. Hier wurde der Maler am 25.Oktober 1881 geboren. Und kein Besucher versäumt es, sich mit der Bronzestatue fotografieren zu lassen, ganz gleich ob Tourist oder Malagueno. "Wir haben hier alle etwas von Picassos Genie geerbt", behauptet steif und fest ein Straßenkünstler, der in der Altstadt seine Karikaturen verkauft.Dabei hat sich die südspanische Stadt mit dem genialischen Maler lange schwergetan. Unter Franco wegen seines prorepublikanischen Engagements verfemt, hatte Picasso geschworen, erst nach dem Tod des Diktators in seine Heimatstadt zurückzukehren. Doch er starb zwei Jahre vor Franco; und Malaga blieb nichts anderes übrig, als den verlorenen Sohn posthum zu ehren. Dafür dann aber gleich im großen Stil: Die Pablo-Picasso-Gedenkroute führt vom Geburtshaus zur Taufkirche, der barocken Iglesia de Santiago, zum 2003 eröffneten Picasso-Museum, im Renaissance-Palais Palacio de Buenavista.Die über 230 Exponate, größtenteils aus den Privatsammlungen von Schwiegertochter Christine und Enkel Bernard, werden immer wieder ausgetauscht und thematisch neu gruppiert, damit die Malagueños ihres Lieblings nicht überdrüssig werden. Vervollständigt wird der Rundgang durch einen Besuch in "La Malagueta", mit 14000 Plätzen eine der größten Stierkampf-Arenen Andalusiens. Mit roten Bäckchen soll Klein-Pablo hier jeden Sonntag das wilde Geschnaube der Stiere verfolgt haben. Kein Wunder, dass der Kampf zwischen Mensch und Tier zu einem seiner Lieblingssujets wurde.Heute glühen vor allem die Wangen nicht mehr ganz junger Senoras, die vor dem Hotel Palacio Malaga, der traditionellen Stierkämpfer-Residenz, Spalier stehen und den feschen Toreros im Brokatdress Kusshändchen und ein enthusiastisches "Olé, guapo!", "Hey, Hübscher!" hinterherwerfen. Den Sinn für die Fiesta und die schönen Seiten des Lebens hat sich Malaga in seiner 2700 Jahre währenden Geschichte bewahrt. Davon zeugen das gewaltige römische Amphitheater oder die hübsch gekachelten Wasserbassins in der maurischen Festung Alcazaba etwa, allein dazu gemacht, den Betrachter zu ergötzen.Nicht ganz uneigennützig sieht der Wirt des "El Pimpi" den eigentlichen Daseinszweck der Stadt im fröhlichen Feiern: "Am Anfang war dieser Tresen. Die ganze restliche Stadt hat man einfach drumherum gebaut." Auf den Weinfässern in der labyrinthisch verschachtelten Bodega hat auch Antonio Banderas unterschrieben.Der smarte Hollywood-Schauspieler wird in seiner Heimatstadt mindestens so verehrt wie Picasso, auch wenn er noch kein eigenes Museum hat. Das allerdings könnte sich bald ändern. Malaga versucht seit Jahren, das Image als bloße Durchgangsstation für sonnenhungrige Costa del Sol-Touristen loszuwerden und setzt dabei ganz auf die Kulturkarte. Zehn neue Museen sind geplant. Im September wurde in der alten Tabakfabrik der Stadt das private Automobilmuseum eingeweiht, mit über hundert Oldtimern und Sammlerstücken.Ende des Jahres eröffnet gleich nebenan Art Natura, ein Naturwissenschaftsmuseum inklusive Edelsteinsammlung, mit dem 31000 Karat-Topas "Eldorado" als Hauptattraktion. Kunstmäzenin Carmen Thyssen-Bornemisza plant an der Costa del Sol eine Dependance ihrer Sammlung für Malerei des 19. Jahrhunderts. Dazu bekommen die Malagueños noch eine U-Bahn und eine neue Hafenpromenade. Wer mag da mäkeln, dass Malaga nach Madrid inzwischen die meisten Schulden pro Kopf hat?Picasso hätte an dem fröhlichen Geprotze sicher seinen Spaß. Vielleicht bleibt ja etwas übrig, um der Bronzestatue vor dem Geburtshaus einen neuen Bleistift zu spendieren.------------------------------SERVICEAnreiseFlug von Berlin nach Malaga, etwa mit Airberlin, Easy Jet oder Germanwings.Informationen Die Fundación Picasso -Casa Natal organisiert rund um Picassos Geburtstag am 25. Oktober zahlreiche Veranstaltungen und Workshops. www.malagaturismo.com------------------------------Karte: MalagaFoto: Den Geist Picassos kann man in Malaga an vielen Stellen aufspüren, wie etwa hier vor der Kathedrale.Foto: Im Picasso-Museum: 204 Werke haben die Erben des Künstlers gespendet.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema