Man Booker Prize

Marieke Lucas Rijneveld erhält Man Booker Price 2020

Die jüngste Autor*in, der erste Niederländer, die erste nicht-binäre Person: Marieke Lucas Rijneveld gewinnt den Man-Booker-Preis für den Debütroman „Was man sät“.

2 Min
Marieke Lucas Rijneveld, niederländische Schriftsteller*in. Die 29-Jährige wurde am 26. August 2020 mit dem britischen International-Booker-Literaturpreis für ihren Roman „The Discomfort of Evening“ ausgezeichnet.

Marieke Lucas Rijneveld, niederländische Schriftsteller*in. Die 29-Jährige wurde am 26. August 2020 mit dem britischen International-Booker-Literaturpreis für ihren Roman „The Discomfort of Evening“ ausgezeichnet.

© Foto: anp/dpa/Jeroen Jumelet

Gleich drei Besonderheiten gibt es zu vermelden: Noch nie wurde der Preis an einen Niederländer vergeben. Noch nie war ein Gewinner so jung. Noch nie hat ein Schriftsteller, der sich öffentlich als nicht-binär bezeichnet, den Man-Booker-Preis erhalten. Marieke Rijneveld wurde 1991 geboren und wuchs auf einer Farm in Nordbrabant auf. Mit drei Jahren erlebte er ein Trauma, das sein schriftstellerisches Schaffen tief prägen sollte: den Tod des Bruders.

Schon der Gedichtband „Kalfsvlies“ (2015) beschäftigt sich mit dem frühen Verlust, aber auch ihr ausgezeichneter Debütroman „The Discomfort of Evening“, an dem die Autorin sechs Jahre lang gearbeitet hat. Zum Schreiben kam Rijneveld, nachdem sie als Kind jede Woche zu Therapiesitzungen ging und im Wartezimmer auf kleine Wandgemälde starrte, die mit Poesiesprüchen untertitelt waren. Danach begann sie, eigene Texte zu verfassen.

Cover des Buches „The Discomfort of Evening“ von Marieke Lucas Rijneveld

Cover des Buches „The Discomfort of Evening“ von Marieke Lucas Rijneveld

© Quelle: International Booker Prize

Sein Werk zeichnet sich durch radikales Grenzgängertum aus. Der Autor findet düstere Metaphern, dystopische Bilder für einen Seelenzustand, der von tiefer Zerrissenheit geprägt ist. In dem Debütroman seziert er aus Kindesperspektive die protestantische Strenge eines niederländischen Dorfes, enttarnt aufgestaute Aggressionen und kleingeistige Strenge mit einer verträumten, sensiblen Sprache. Der Schriftsteller bildet ab, wie unterdrückte Gefühle, Trauer und Schmerz zu Hass und Gewalt führen – an den Tieren, an der Umwelt, an den Mitmenschen.

26. August 2020, Großbritannien, London: Marieke Lucas Rijneveld (l), niederländische Schriftstellerin, und Michele Hutchison, Übersetzerin, stehen mit Blumensträußen nebeneinander.

26. August 2020, Großbritannien, London: Marieke Lucas Rijneveld (l), niederländische Schriftstellerin, und Michele Hutchison, Übersetzerin, stehen mit Blumensträußen nebeneinander.

© Foto: International Booker Prize

Gar kein Zweifel: Die Wirklichkeit, die Rijneveld zeichnet, ist düster und trostlos. Aber warum sollte es auch anders sein? Die Welt, wie wir sie heute kennen, hat kein besseres Urteil verdient.

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