Der ununterbrochene Trubel im Berliner Stadtbild.
© imago/ Dirk Sattler
Eine Dame ein Stück weiter hört genauso aufmerksam zu und schickt mir ein Lächeln plus Verschwörerinnen-Blick. „Ich mag die drei auch“, sagt der Blick. Meiner wandert über ihr Outfit. Ich weiß nicht, was ich am schicksten finde. Den Mantel? Die Stiefel? Das Tuch? Sie sieht unerhört elegant aus. Als ich die ockergelben Lederhandschuhe sehe, weiß ich, was ich am schicksten finde.
Warmes Gelb
Am Hauptbahnhof angekommen, frage ich mich, ob es für diesen Tag nicht nur eine kollektive Smartphone-Verweigerungs-Verabredung gibt, sondern auch eine für dieses warme Gelb. Überall sehe ich die Farbe. Hier ein Rock, da ein Mantel, und die Schweizerin am Backwarenstand trägt eine Pudelmütze in leuchtendem Ocker. Neben ihr steht ihr Freund oder Mann; sie beide sind im Partnerlook unterwegs: gleiche Jacke, gleiche Sneakers. Nur in der Kopfbedeckung unterscheiden sie sich. Er hat eine Berlinmütze auf.
Sie strahlen sich die ganze Zeit an und küssen sich, während der Verkäufer ihr Essen einpackt. Als der sich entschuldigt, dass die Schokobrötchen ausverkauft sind und fragt, ob es auch Croissants seien dürften, grinst der Mann breit: „Passt scho!“ Verliebtsein macht großzügig.
Kleines Glück
Auf dem Weg zum Zeitschriftenladen kommt mir eine Frau mit Doppelkinderwagen entgegen. Außerdem hängt an jedem ihrer Arme ein weiteres Kind. In ihren Winteranzügen sehen sie aus wie kleine Litfaßsäulen; und wie so oft staune ich, dass man auf so kurzen Beinen laufen kann. Ein Kind löst sich, als es einen Hund erblickt, rennt los und fällt um. Steht wieder auf. Schaut mich an aus Augen wie blaue Murmeln.Das weißblonde Haar, elektrisiert von der herabgerutschten Kapuze, schwebt wie ein fedriger Kranz um den Kopf. „Da?“, fragt es und zeigt zu seiner Mutter. „Ja“, sage ich.
Ein junger Mann sucht nach zwei Zeitschriften im Laden: Nach der Titanic und nach Flow. Was für eine Kombination, denke ich: ein Satire-Magazin und eine Zeitschrift „ohne Eile, über kleines Glück und das einfache Leben“. Unwillkürlich suche ich nach seiner weiblichen Begleitung.
Warum eigentlich? Männer brauchen vielleicht auch mal ein wenig Flow, denke ich und finde ihn sympathisch. Wie überhaupt alle Menschen, die an diesem Morgen meinen Weg gekreuzt haben. An manchen Tagen macht es einem diese oft so garstige Stadt ganz schön schwer, sie zu verlassen. Sind das besondere Tage? Ich glaube, es sind besonders normale Tage, an denen man sie nur anders sieht. Gelber, vielleicht.
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