Mandela und Sacharow lehnten spektakuläre Aktion ab: Anwalt Vogel plante Tausch der Störenfriede

Im Jahre 1936 stand der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel vor dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Nach Gesprächen In Südafrika sollte er eine der spektakulärsten Austauschaktionen einfädeln -- Andrej Sacharow gegen Nelson Mandela.Das Signal dafür hatte Anfang Juli 1986 der sowjetische KPdSU-Chef Michail Gorbatschow gegeben. Bei einer Tischrede anläßlich des Besuchs von Frankreichs Präsident Mitterrand deutete er an, daß die Sowjetunion "auch zu einer internationalen Zusammenarbeit im Bereich der humanitären Probleme bereit" sei. Und das nicht nur mit Worten, man wolle auch Taten zeigen.Ja der RegierungschefsZu diesem Zeitpunkt hatte Vogel in Südafrika bereits die Möglichkeiten ausgelotet, den Austausch des KGB-Agentenehepaares Gerhardt gegen einen in Angola gefaßten südafrikanischen Offizier mit dem Tausch ost- und westdeutscher Spione zu verbinden. Gorbatschows deutliche Worten ermutigten den Ost-Berliner Anwalt nach Rücksprache mit dem Bonner Staatssekretär Rehunger, die Aktion auf Mandela und Sacharow auszudehnen.Politische Unterstützung konnte ihm gewiß sein. Sowohl Gorbatschow als auch Südafrikas Präsident Pieter Wiliem Botha waren daran interessiert, die "Störenfriede" aus dem Land zu haben. Darüber hinaus rechneten sich beide internationale Reputation aus, wenn die beiden Opposltionellen durch ihre Einigung endlich in Freiheit kommen würden. Auch SED-Chef Erich Honecker setzte darauf, daß ein wenig von dem internationalen Aufsehen über eine geglückte Austauschaktion Mandela-Sacharow auf Ihn abfärben würde. Und so beauftragte er seinen Unterhändler Vogel, aktiv zu werden.Tatsächlich erreichte der Anwalt, der bis nach der Wende an Insgesamt 150 Austauschfälien beteiligt war, daß die Staatschefs beider Länder mit dem Deal einverstanden waren.Allein, die zwei Hauptpersonen spielten nicht mit. Zwar wollten sowohl der im Verbannungsort Gorkl lebende Sacharow als auch der seit 1962 Inhaftierte Mandela ihre Freiheit -- aber das Land verlassen, für deren Demokratisierung sie eintraten, wünschte keiner von beiden.Moskau blieb hartFür Vogel scheiterte damit zum zweiten Mal ein Versuch, Sacharow freizutauschen. Nachdem 1976 Luis Corvalan gegen den sowjetischen Dissidenten Wladimir Bukowskl -- wenngleich ohne Mitwirkung Vogels -- ausgetauscht worden war, hoffte der Westen ein Jahr später, den mit Breshnews Bannstrahl belegten Atomwissenschaftler aus Gorki frelzubekommen. Im Angebot war Corvalans Stellvertreter Jorge Montes, der Im Pinochet-Staat noch im Kerker saß. Vogel wurde eingeschaltet, aber Moskau blieb hart.ErsatzkandidatDer Rechtsanwalt fand einen Ersatzkandldaten. Der Lelpziger Chemiker Adolf-Henning Frucht war 1968 von einem Militärgericht wegen Spionage für den CIA zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nachdem sein Austausch gegen den Bonner Kanzleramtsspion Guillaume am Veto des damaligen SPD-Bundeskanzlers Schmidt,. gescheitert war, bot Vogel den Chemiker für Montes an. im Junil977 ging der Austausch über die Bühne -- mit Hilfe des SPD-Politikers Hans-Jürgen Wlschnewski, der für Vogel nach Chile reiste und dort alles ...

BLZ
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Im Jahre 1936 stand der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel vor dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Nach Gesprächen In Südafrika sollte er eine der spektakulärsten Austauschaktionen einfädeln -- Andrej Sacharow gegen Nelson Mandela.Das Signal dafür hatte Anfang Juli 1986 der sowjetische KPdSU-Chef Michail Gorbatschow gegeben. Bei einer Tischrede anläßlich des Besuchs von Frankreichs Präsident Mitterrand deutete er an, daß die Sowjetunion "auch zu einer internationalen Zusammenarbeit im Bereich der humanitären Probleme bereit" sei. Und das nicht nur mit Worten, man wolle auch Taten zeigen.Ja der RegierungschefsZu diesem Zeitpunkt hatte Vogel in Südafrika bereits die Möglichkeiten ausgelotet, den Austausch des KGB-Agentenehepaares Gerhardt gegen einen in Angola gefaßten südafrikanischen Offizier mit dem Tausch ost- und westdeutscher Spione zu verbinden. Gorbatschows deutliche Worten ermutigten den Ost-Berliner Anwalt nach Rücksprache mit dem Bonner Staatssekretär Rehunger, die Aktion auf Mandela und Sacharow auszudehnen.Politische Unterstützung konnte ihm gewiß sein. Sowohl Gorbatschow als auch Südafrikas Präsident Pieter Wiliem Botha waren daran interessiert, die "Störenfriede" aus dem Land zu haben. Darüber hinaus rechneten sich beide internationale Reputation aus, wenn die beiden Opposltionellen durch ihre Einigung endlich in Freiheit kommen würden. Auch SED-Chef Erich Honecker setzte darauf, daß ein wenig von dem internationalen Aufsehen über eine geglückte Austauschaktion Mandela-Sacharow auf Ihn abfärben würde. Und so beauftragte er seinen Unterhändler Vogel, aktiv zu werden.Tatsächlich erreichte der Anwalt, der bis nach der Wende an Insgesamt 150 Austauschfälien beteiligt war, daß die Staatschefs beider Länder mit dem Deal einverstanden waren.Allein, die zwei Hauptpersonen spielten nicht mit. Zwar wollten sowohl der im Verbannungsort Gorkl lebende Sacharow als auch der seit 1962 Inhaftierte Mandela ihre Freiheit -- aber das Land verlassen, für deren Demokratisierung sie eintraten, wünschte keiner von beiden.Moskau blieb hartFür Vogel scheiterte damit zum zweiten Mal ein Versuch, Sacharow freizutauschen. Nachdem 1976 Luis Corvalan gegen den sowjetischen Dissidenten Wladimir Bukowskl -- wenngleich ohne Mitwirkung Vogels -- ausgetauscht worden war, hoffte der Westen ein Jahr später, den mit Breshnews Bannstrahl belegten Atomwissenschaftler aus Gorki frelzubekommen. Im Angebot war Corvalans Stellvertreter Jorge Montes, der Im Pinochet-Staat noch im Kerker saß. Vogel wurde eingeschaltet, aber Moskau blieb hart.ErsatzkandidatDer Rechtsanwalt fand einen Ersatzkandldaten. Der Lelpziger Chemiker Adolf-Henning Frucht war 1968 von einem Militärgericht wegen Spionage für den CIA zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nachdem sein Austausch gegen den Bonner Kanzleramtsspion Guillaume am Veto des damaligen SPD-Bundeskanzlers Schmidt,. gescheitert war, bot Vogel den Chemiker für Montes an. im Junil977 ging der Austausch über die Bühne -- mit Hilfe des SPD-Politikers Hans-Jürgen Wlschnewski, der für Vogel nach Chile reiste und dort alles klärte.

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