Dramatische Stunden haben sich in der Nacht und am Morgen in Marienfelde abgespielt. Ein Mann hielt seit dem späten Freitagabend in einem Rewe-Supermarkt im Berliner Süden eine Frau als Geisel.
Nach Informationen der Berliner Zeitung startete die Polizei gegen 9.20 Uhr am Samstagmorgen den Zugriff. Der Tatverdächtige sei überwältigt worden. „Unsere Spezialeinsatzkräfte haben die Frau befreien können“, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Sie werde derzeit von Rettungskräften untersucht und scheine körperlich unversehrt zu sein, stehe aber unter Schock.
„Man kann sich natürlich vorstellen, dass, wenn man hier über mehrere Stunden festgehalten und mit Gewalt bedroht wird, dass es der Frau nicht so gut gehen wird momentan“, sagte der Sprecher weiter. Notärzte und Rettungskräfte, Kriseninterventionskräfte und Seelsorger seien vor Ort um sich um alle Beteiligten zu kümmern, „insbesondere natürlich um die festgehaltene Frau“, so Nath.
Bei dem Zugriff sei kein Schusswechsel erfolgt, sagte der Pressesprecher weiter. Der Täter sei mit einem Taser überwältigt und anschließend festgenommen worden. Details zu seiner Identität und zu einer möglichen Bewaffnung sowie zum Motiv können ihm zufolge noch nicht genannt werden. Die Polizei habe dauerhaft mit dem Tatverdächtigen in Kontakt gestanden.
Um kurz nach 22 Uhr hatte der Mann die Frau in dem Supermarkt im Stadtteil Marienfelde in seine Gewalt gebracht und bedroht, wie Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann zuvor mitteilte. Die Polizei hatte Kontakt zu dem Geiselnehmer. Im Einsatz gewesen seien speziell für solche Lagen geschulte Kräfte.
Anwohner beobachtete Polizei vor dem Zugriff
Ein Anwohner äußerte sich kurz vor dem Zugriff gegenüber der Presse und berichtete, er habe die Polizei bei den Vorbereitungen beobachten können. „Ich musste dann weg“, sagte er weiter. Eine Reporterin berichtete zudem von schwer bewaffneten Einsatzkräften vor dem Supermarkt.
Rewe-Mitarbeiter: „Sie war einfach am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt“
Ein Mitarbeiter des Rewe-Supermarkts schilderte zuvor, wie er die seit Stunden andauernde Geiselnahme am Freitagabend aus nächster Nähe miterlebt hat. „Ich bin geschockt“, sagte der 22-Jährige laut Deutscher Presseagentur. Seinen Schilderungen zufolge war der Supermarkt am Freitagabend kurz vor der Schließung. Er habe die übrigen Kunden rausschicken wollen, als ein Mann ein Messer gezogen habe. „Das Messer war schon sehr groß“, berichtet er.
Er arbeite als Minijobber in der Filiale. „Ich habe nicht viel gesehen, es ist alles sehr schnell passiert. Man konnte auch nicht viel erkennen.“ Das „funkelnde Messer“ habe er aber gesehen. Er sei dann mit einer anderen Mitarbeiterin rausgelaufen und habe die Polizei gerufen.
Die Frau, die sich seit etwa 22 Uhr in der Gewalt des Mannes befindet, ist nach Angaben des 22-Jährigen eine Mitarbeiterin. „Sie war einfach am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt“, sagte er. „Ich wünsche, dass alles gut ist, dass sie nicht verletzt ist, dass alles gut ausgeht.“ Ihm gehe es zum Glück gut.
Die Polizei hat die Schilderungen des 22-Jährigen auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur weder bestätigt noch dementiert. Er könne das nicht kommentieren, sagte ein Polizeisprecher. „Es ist ein laufender Einsatz.“ Auch eine Reporterin der Berliner Zeitung vor Ort konnte die Informationen nicht bestätigen.
Was zu dem Vorfall bislang bekannt ist und welche Fragen noch offen bleiben – im Überblick:
Was wir wissen
Tat und Einsatzende: Laut Polizei brachte der Täter die Frau kurz nach 22 Uhr in dem Supermarkt in seine Gewalt und bedrohte sie. Die Polizei sprach von einer Geiselnahme. Der Mann sei um kurz nach 9 Uhr schließlich von der Polizei überwältigt worden.
Kommunikation mit dem Täter: Die Polizei hatte Kontakt zu dem Geiselnehmer.
Ort: Ort der Geiselnahme war ein Rewe-Supermarkt in Berlin-Marienfelde an der Ecke zwischen der Hildburghauser Straße und dem Tirschenreuther Ring. Marienfelde liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am südlichen Rand der Hauptstadt.
Einsatz: Die Polizei war im Großeinsatz. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) war vor dem Gebäude positioniert. Zahlreiche Polizeifahrzeuge, Rettungswagen und die Feuerwehr sind vor Ort.
Mögliche Zeugen: Hinter der Absperrung harrten einige Angestellte des Supermarkts aus, die nach dpa-Informationen zum Zeitpunkt des Vorfalls im Laden waren.
Weitere Betroffene: Die Polizei geht davon aus, dass sich keine weiteren Personen in dem Supermarkt befanden.
Anwohner: Für Menschen in der Umgebung bestand laut Polizei keine Gefahr.
Die Polizei sperrt eine Zufahrtsstraße in der Nähe der Geiselnahme ab.
© BLZ
Was wir nicht wissen
Identitäten: Unklar ist, wer der Geiselnehmer konkret ist. Auch zur Identität der Frau machte die Polizei keine Angaben. Ein Mitarbeiter gab laut Deutscher Presseagentur an, die Frau sei eine Angestellte des Supermarktes – die Polizei konnte diese Aussage jedoch nicht bestätigen.
Motiv: Zu den Hintergründen und dem möglichen Motiv der Tat ist nach Angaben der Polizei bislang noch nichts bekannt.
Waffe: Mit Verweis auf Gespräche mit Anwohnern berichtet die Bild-Zeitung, der Marktleiter habe angegeben, eine Waffe gesehen zu haben. Ein Mitarbeiter berichtete zudem gegenüber der Deutschen Presseagentur von einem Messer. „Das sind Gerüchte, die wir nicht kommentieren“, sagte der Polizeisprecher.
Verletzte: Die Geisel ist nach ersten Angaben der Polizei körperlich unversehrt, stehe jedoch unter Schock.
Forderungen: Ob der Geiselnehmer konkrete Forderungen gestellt hatte, war zunächst unklar. „Auch das ist alles Gegenstand der laufenden Ermittlungen.“
Marienfelde liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am südlichen Rand der Hauptstadt, weit entfernt vom Berliner Stadtgeschehen. Es ist eine ruhige Wohngegend, geprägt von Einfamilienhäusern und mehrstöckigen Wohnbauten. In der Gegend befinden sich mehrere Schulen und Kindertagesstätten. (mit dpa)
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