Geiz finden wir geil, heißt es. Sparen versetzt uns in Begeisterung, auch das Sparen am Essen. Je billiger die Wurst, umso größer die Verzückung. Glaubt man den Statistiken, schmeckt den meisten Deutschen Billig am besten und zwar unabhängig davon, ob sie über viel oder wenig Haushaltsgeld verfügen. Der Durchschnittsbürger gab 2011 etwa ein Zehntel seines Privatbudgets für Lebensmittel aus. Die Franzosen erübrigen 13 Prozent ihres Einkommens, die Italiener mehr als 15 Prozent für Lebensmittel.
Wer allerdings nur die Ausgaben für Lebensmittel vergleicht, verschweigt die Preisunterschiede. Nicht die vermeintliche Sparsamkeit der Deutschen erkläre die vergleichsweise geringen Ausgaben für Lebensmittel, sondern das Preisniveau, sagt Andreas Winkler von der Ernährungsorganisation Foodwatch. „Die Preise sind hier niedriger als anderswo.“ Die Geiz-ist-geil-Debatte, die dem Verbraucher eine Billig-Mentalität unterstelle, führe in die Irre, findet Winkler.
Der Preis ist entscheidend
Ausschlaggebend sei vielmehr die Handelsstruktur. „Deutschland ist Discount-Weltmeister. Der Preiskampf im Lebensmittelsektor ist hart und der Wettbewerb findet ausschließlich über den Preis, nicht aber über die Qualität statt.“ Der Verbraucher kann in der Regel nicht erkennen, ob das teure Produkt qualitativ besser ist als das billigere Discounter-Produkt. Seine einzige Vergleichsmöglichkeit ist der Preis. Aber auch die Wettbewerber haben es schwer, sich als Anbieter von Qualitätsprodukten zu halten.
Vergleichen Experten die Produkte der eher teuren Markenanbieter mit den Discounterwaren, kommen sie zu dem überraschenden Ergebnis, dass letztere in der Regel nicht nur gleichwertig, sondern oft besser sind als die klassischen Markenprodukte.
2011 verglich die Stiftung Warentest klassische Markenprodukte wie Maggi oder Langnese mit Discountermarken wie Milsani oder Milfina und den Eigenmarken der Supermarktketten wie JA! und Edeka Selection. Ihr Fazit: Discounterprodukte können mehr als mithalten.
Die meisten guten Test-Qualitätsurteile gingen auf das Konto der Discounter. Ihre Produkte enthielten weder mehr Schadstoffe noch waren sie keimbelasteter als teurere Markenartikel. 80 Prozent aller getesteten Lebensmittel waren in dieser Hinsicht von guter oder sehr guter Qualität. Andreas Winkler überrascht das nicht. „Egal wie billig oder teuer ein Produkt ist, es muss den gesetzlichen Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und Kennzeichnungspflicht genügen.“
Kaum mehr Eier aus Käfighaltung
Die zum Teil gravierenden Preisunterschiede zwischen Marken- und Discounterprodukten seien häufig das Resultat einer simplen Preisdifferenzierung. Ein und dasselbe Produkt wird einmal billig als No-name-Produkt angeboten, ein anderes Mal als vermeintlich hochwertiges Markenprodukt. Für Verbraucher, die sich in diesem System zurechtfinden wollen gibt es bereits Einkaufsratgeber, die das teure Markenprodukt und sein günstigeres Äquivalent ausweisen.
Die Stiftung Warentest sieht in Etikett und Aufmachung die größten Schwächen der klassischen Markenprodukte. Für Pflichtangaben bleibt kaum Platz, Zutaten und Nährwertangaben seien unübersichtlich. Dagegen böten die billigeren Handelsmarken schlichte, übersichtliche und gut lesbare Etiketten.
Die Verbraucher, auch die deutschen, seien durchaus bereit, für Qualität mehr Geld auszugeben, sagt Winkler, nur werden sie häufig gerade mit vermeintlich hochwertigeren Produkten getäuscht. Da hilft es dem Einzelnen nur, sich genau zu informieren. „Es bleibt eine politische Frage, wir brauchen eine klarere Kennzeichnung von Produkten“, fordert Winkler. Die Kennzeichnungspflicht bei Eiern habe gezeigt, dass die Verbraucher durchaus bereit sind, für mehr Qualität auch mehr Geld zu zahlen. Eier aus Käfighaltung sind aus den Regalen schon fast verschwunden.
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