Die Herbstferien beginnen. Schüler, Lehrer und Eltern können sich einige Tage erholen von den eiligen Reformen des Berliner Schulsystems. Zwar sind noch immer nicht alle Lehrerstellen besetzt, wird an vielen Schulen noch munter das Geld aus dem KonjunkturpaketII verbaut, haben sich an den neuen Sekundarschulen noch nicht alle neuen Kollegen miteinander bekanntgemacht. Doch jetzt kann man mal Luft holen.Die Gymnasiasten, die 2012 den "doppelten Abiturjahrgang" stellen, werden vielleicht die Ferien nutzen, um für die anstehenden Grundkurs-Klausuren zu üben. Insbesondere die jetzigen Elftklässler haben noch nie solche stundenlangen Arbeiten geschrieben. Und die zählen ja auch gleich für die Abiturnote.Allerdings: Wenn man bedenkt, mit welcher Vehemenz das Hamburger Bürgertum im Frühsommer gegen die dortige Schulreform zu Felde zog, ist es in Berlin vergleichsweise ruhig. Und das ist gut so.Das allerdings könnte sich schon bald ändern. Denn offenbar plant Bildungssenator Jürgen Zöllner Veränderungen im Grundschulbereich. Dabei geht es auch darum, das Jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) in der 1., 2. und mitunter auch 3. Klasse nicht mehr für alle Schulen verpflichtend zu machen. Zöllner macht keinen Hehl mehr daraus, dass er die von seinem Vorgänger Klaus Böger angeordnete Verpflichtung zum altersgemischten Lernen für nicht besonders sinnvoll hält. Tatsächlich bestätigen viele Grundschullehrer, dass das selbstbestimmte Lernen bei JüL gerade die lernschwächeren Schüler überfordert. Denn die Schüler sind es häufig gar nicht gewohnt zu lernen. Und können deshalb eben schlecht selbstbestimmt lernen.Wenn Zöllner tatsächlich das Kernstück der Grundschulreform in Frage stellt, liefert er der CDU Wahlkampfmunition. Und wenn Parteien über das richtige Schulsystem streiten, kehrt an den Schulen auch keine Ruhe ein. Na dann, schöne Ferien! Seite 24
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