Der Mediziner Martin Lohse, der bereits als neuer Präsident der Humboldt-Universität nominiert war, begründet seine überraschende Absage mit bestehenden Verwaltungsdefiziten an dieser Hochschule. „Die HU hat eine deutschlandweit einzigartige Verwaltungsstruktur“, sagte Lohse der Berliner Zeitung.
Praktisch alle anderen Universitäten arbeiteten mit einem Präsidenten, der sich um das Wissenschaftliche kümmere, und einem Kanzler, der sich um Verwaltung und Haushalt sorge. „Die Verfassung der HU aber verteilt die Verwaltung auf mehrere Vizepräsidenten“, kritisierte Lohse. „Gleichzeitig scheint die HU bemerkenswert unterfinanziert zu sein.“ Es sei ihm unklar, wie weit das außerhalb und innerhalb der HU wirklich bekannt sei. „Das könnte mit den besonderen Strukturen zusammenhängen.“ Schon der scheidende Präsident Jan-Hendrik Olbertz war daran gescheitert, die Position eines Kanzlers an der HU zu etablieren.
Keine feste Zusage
Lohse rät nun: „Bevor die HU jetzt wieder eine neue Person sucht, wäre es sinnvoll, über die Verfassung, Strukturen und Finanzierung der Universität und mögliche Zusammenhänge nachzudenken.“ Er widersprach auch Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die gesagt hatte, Lohse habe bereits fest zugesagt. Er habe lediglich dem Nominierungs- und Findungsprozess zugestimmt. In dieser Phase könnten beide Seiten immer noch Nein sagen, so Lohse. Die Findungskommission sei erst vor Kurzem auf ihn zugekommen, und erst nach der Nominierung habe er die Gelegenheit erhalten, sich vor Ort intensiv mit der HU zu befassen. „Und mit allen Gruppen zu diskutieren.“
Lohse hatte am Montag kurz nach Mitternacht per E-Mail abgesagt. Das HU-Kuratorium, das ihn einstimmig nominiert hatte, ärgert es insbesondere, dass Lohse parallel noch mit zwei anderen Institutionen in Verhandlungen war. Manche sagen, er wolle eigentlich zu guten Konditionen Vorstandsvorsitzender am Max-Delbrück-Centrum in Buch werden.
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