Der Mann lief plötzlich hinter ihr. Dann schlug er unvermittelt mit einem Ziegelstein auf den Kopf der Frau ein, so dass sie zu Boden fiel. Es war Sonntagabend, kurz nach 22.30 Uhr, im Mauerpark in Prenzlauer Berg. Der Angriff kam unvermittelt. Die 40-jährige Frau hatte keine Chance, sich zu wehren. Mit einem gebrochenen Kiefer und gebrochenen Handknochen wurde sie in ein Krankenhaus eingeliefert.
Wieder gab es einen heimtückischen Überfall auf eine Frau. Wieder passierte es in Prenzlauer Berg. In dem Bezirk, in dem Kriminalität bislang eine untergeordnete Rolle spielte, macht sich bei den Bewohnerinnen seit Wochen ein mulmiges Gefühl breit. Viele Frauen überlegen mit dem Einbruch der Dunkelheit immer öfter, selbst für den kurzen Weg nach Hause ein Taxi zu nehmen. Oder sie wollen überhaupt nicht mehr abends ausgehen.
Gebrochener Kiefer
Die 40-Jährige, die am Sonntagabend überfallen wurde, machte sich diese Gedanken vor dem Aufbruch zum Joggen im Mauerpark offenbar nicht. Zum Ausklang des Wochenendes noch einmal schwitzen, sich nach vielen gelaufenen Kilometern gut fühlen. Den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, die Max-Schmeling-Halle hatte sie bereits Schritt für Schritt rechts liegen lassen, als der Täter aus dem Dunkeln auftauchte und zuschlug. Die Frau stürzte, blieb auf den regennassen Pflastersteinen des Hauptweges liegen. Instinktiv riss sie ihre Hände hoch und versuchte noch, die kräftigen Tritte gegen Kopf und Schulter abzuwehren. Immer wieder traf der Schuh des Angreifers ihren Körper.
Der Räuber riss an ihrer Jacke, schließlich gelang es ihm, sie ihr wegzureißen. Er hatte es auf ihr Smartphone abgesehen, zog es aus der Jacke und rannte weg.
Die Frau konnte sich noch schwer verletzt bis zur Gleimstraße gleich um die Ecke schleppen. Dort wurde sie gefunden und zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Eine Gastronomin, die in der Nähe ein Café betreibt, ist entsetzt. „Ich habe mein Geschäft anderthalb Stunden vor dem Angriff geschlossen“, sagte sie am Tag nach dem Überfall. „Es war in dieser einsamen Ecke des Parks nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert“. Ihr Blick schweift über die andere Straßenseite, hin zu den unzähligen pinken Kirschblüten, Symbole von Schönheit und Aufbruch. Nichts ist davon zu spüren.
Im nasskalten Montagmittag traurig hängen die Blüten traurig herunter. Das passt zur Stimmung im Kiez, wie die Gastronomin weiter berichtet: „Auch mir ist in der Dunkelheit schon seit längerer Zeit nicht mehr wohl. Erst recht, weil die Täter nicht geschnappt werden. Der Typ mit der Wasserpistole läuft ja auch noch frei herum...“
Aggressiver Radler
Der Mann den die Wirtin meint, sorgt vor allem bei den Frauen im nahe gelegenen Bötzowviertel seit Tagen für ein beunruhigendes Gefühl von Schutzlosigkeit. Sie fürchten sich vor einem Spritzenmann, der seit mehreren Wochen in und um ihren Kiez scheinbar wahllos Passantinnen mit Batteriesäure besprüht.
Sechs Fälle gab es bereits, eine mysteriöse Serie. Die Ermittler tappen noch im Dunkeln, zu schnell ist der Täter auf seinem Fahrrad mit dem auffälligen Lenker nach jedem seiner Angriffe, bei denen er den weiblichen Opfern aus einer Wasserpistole heraus Batteriesäure ins Gesicht spritzt, bislang verschwunden.
Die Polizei läuft derzeit verstärkt Streife im Kiez. Am Montag war sie auch im Mauerpark mit einem Spürhund unterwegs. Man lasse nichts unversucht, den Täter mit der Spielzeugpistole und den Räuber mit dem Ziegelstein zu fassen, so ein Ermittler. Ihre Inhaftierung wäre ein erster Schritt, dem Familienkiez das Gefühl der Sicherheit zurückzugeben.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de